Kategorie-Archiv:Geschichten und mehr

11 Jahre Ars Balistica …

2005 …

Eigentlich mal Zeit, darüber nach zu denken, wie so ein inzwischen doch sehr umfangreicher Blog sich so entwickeln kann…

Wir sind mit diesem Platz im Internet weit rum gekommen:

Der Anfang war tatsächlich Ende 2005 / Anfang 2006 – damals  noch ohne Webseite und wenn man es wirklich genau nimmt eher als “Spinnerei”

 

innerhalb einer Mittelalterformation:

  • Auf der einen Seite waren die Handwerker
  • Auf der anderen Seite Musiker, Barden, Märchenerzähler, Bogenschützen und “Soldatenvolk”

… 2007 …

Wir haben damals nicht den Fehler gemacht, eine der beteiligten Formationen innerhalb der Gruppe Überhand nehmen zu lassen – also alles gut verteilt – Andere Gruppen haben früher oder später immer wieder Streit bekommen, weil zum Beispiel “die Schaukämpfer” den ganzen Tag rumsitzen und dann 30 Minuten Auftritt mittags und abends vorweisen konnten, wärend die Handwerker den ganzen Tag wirklich am Arbeiten sind, um die Besucher zu bespaßen.

 

Ich hab damals neben Märchen und Geschichten den mobilen Waffenstand mit dem Wandermuseum betreut und zusammen mit dem Bogenschützen dann überlegt, wie man sich irgendwie anders nennen könnte – Handwerk passte so in dem Sinne gar nicht.

… 2009 …

Da wir beide begeisterte Feldbogenschützen mit unterschiedlicher Ausprägung waren, haben wir uns auf Ars Balistica – frei übersetzt ballistische Künste – genannt. Ja, da wir nicht nur Pfeil und Bogen, sondern auch kleinere Belagerungsmaschinen wie Katapulte in Modellgröße hatten, war das immer wieder ein Renner – als wir damals überlegt hatten, einen “römischen Skorpion” zu bauen, bin

 

 

ich auch zur Polizei gegangen und habe mal nachgefragt, wie das überhaupt aussieht, wenn man historische Torsionsgeschütze bauen möchte, ob das in Ordnung ist.

Wir haben es dann auch gelassen, aber das Gesicht werde ich niemals vergessen:

  • Torsion
  • Geschütz

Alleine diese beiden Worte reichten aus, dass dem guten Mann sich alles im Magen umdrehte …


… 2011 …

Später ist dann Ende 2006 damals mit ars-balistica.de eine Bogenbahn entstanden und 2009 ist daraus dann unter Mittelalterzauber.de eine kleine Firma entstanden, die sich bis 2014 hielt, zwischendurch mit mehreren Ständen und … und … und …

 

 

Wir sind dann auch irgendwann aus dem Mittelalter heraus bis zum wilden Westen gewandert und haben mit einer konzeptreichen “Zeitmaschine” experimentiert. Einer der Gründe war, dass wir auch absolut keine Lust mehr auf diese eingefahrenen und szenespezifischen Schienen hatten,

Gibt sogar den einen oder anderen Artikel in der Presse darüber:


… 2012 …

Link zum Artikel der SHZ:

Der Wilde Westen im Tierpark Arche Warder

 

 

 


Nachdem 2014 endgültig die Luft raus war, haben wir angefangen, uns neu zu erfinden, und aus diesem Ort einen Weblog gemacht …

Und wer weiß, vielleicht kehren wir ja auch wieder zurück aus den Tiefen des Internets – Wir haben viele neue Ideen, welche aus neuen Aktivitäten heraus entstanden sind, die sich neben dem Mittelalter gebildet haben:

… 2016

 

Wir verstehen viel Humor und das Leben ist auch irgendwie zu kurz, um lange Weile zu haben oder sich ständig hinter einem PC zu verstecken. Die Welt ist spannend, und an jeder Ecke findet sich etwas neues zum Erforschen…


Auf jeden Fall bedanken wir uns ganz herzlich bei jedem Leser diesseits der Dämmerung, und freuen uns sehr darüber, dass ihr so gerne auf unserer Webseite seit und gerne diese Artikel lest.

Stay tuned!

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Wertvolle Leistungen

An der Kasse stehen zwei Mütter, die zusammen maximal 38 – 43 Jahre alt sind und sich angeregt über ihren Tagesplan unterhalten. Geht man, nachdem das Kind bei der KiTa abgegeben wurde, zuerst zum Wellness oder doch erst einmal zum Sport – das muss man morgens um halb acht ja durchaus klären. Weitere Themen waren dann die neuesten Markensportsachen und die “Unterpreviligierten” mit günstigen Discounter- Sachen und wie schlecht diese sitzen, die Wichtigkeit von einer guten Haushälterin, und einem “Opermädchen”, dass sich jemand ja um den kleinen Nick kümmert, …  . Das ganze Gespräch endete damit, wie unsere Mami davon schwärmte, wie sie in den nächsten Tagen in den Urlaub fliegen würde – natürlich nur first class, alles andere wäre unter der Würde!

Grundsätzlich, war das Gespräch also an der Kasse nur eins:

Laut und Peinlich, und unterm Strich drehte es sich nur um ein Thema, wie schwer es sei, hübbsch sein zu müssen. Und wer so viel und so hart an sich arbeitet, hat auch viel Geld zum Ausgeben verdient. Man muss ja ständig etwas dafür tun!

Die beiden 3 Jährigen Kinder saßen unterdessen völlig gelangweilt und vor allen Dingen fest verschnürt und angeschnallt in den jeweiligen Kinderwagen und wurden bei einem Muckser mit einem “psssst” sowie etwas Kinderwagengewackel belohnt…

Wie das Gesetz der Kasse ist, beide Mamis waren irgendwann fertig und haben bezahlt und verabschiedeten sich wortgewaltig, um sich in vielleicht 50 Minuten beim Sport wieder zu begrüßen, eine rennt schnell los, weil der Kevin ja zu seiner KiTa muss, und unsere Mami war alleine und stiefelte hinaus zum Parkplatz, um den mit Werbung bekleisterten Firmenwagen zu öffnen.

Und man kann ganz sicher sein: Diese Frau arbeitet ganz bestimmt nicht bei einem großen IT-Haus in einer Position, wo dieses Fahrzeug “Standard” ist … dafür war ihre Art, an der Kasse zu reden eindeutig weit unterhalb der IQ-Grenze.

Was dann passierte, konnte einfach nur traurig stimmen:

Es kam ein Mann vorbei, welcher sehr abgekämpft aussah … und die Mami erklärte sofort ihrem Kind, wie unglaublich lästig dieses Geschmeiß in der Gesellschaft wäre, und wie absolut ätzend es ist, dass solche Dinger einen Supermarkt auch nur betreten dürften. Der Kleine Constantin solle sich gefälligst hinter die Ohren schreiben, dass auch die Kinder solcher Kreaturen unwürdig seien.

Mit diesen Worten stieg sie in den Firmenwagen ihres Mannes ein und fuhr davon.

Als ich den Mann fragte, was er denn zu diesen Ausführungen der Mami zu sagen hätte, meinte er lediglich mit der Schulter zuckend:

“Was soll man dazu noch sagen? Diese Mami und ihre Familie ist halt etwas besseres…. Und die Hauptsache ist doch, das Kind weiß genau bescheid, wie es sich zu verhalten hat, sobald es in die 5. Klasse kommt und eine andere Frau ihren Platz einnimmt…   Ich finde, man sollte sie in diesem Glauben lassen.”

Tja… und das Spannende an dieser Geschichte?

Nun, dieser Mann kommt gerade von der Nachtschicht, und hat dem entsprechend morgens seinen verdienten “Feierabend” – Die ganze Nacht hat er damit zugebracht, die Landebahn an einem Flughafen zu reparieren, und Straßenbau auf diesem Niveau ist eine knallharte Arbeit, bei der keine Fehler passieren dürfen. Er ist jetzt heute Morgen also von der Nachtschicht gekommen und möchte gerne etwas zum Frühstück kaufen, bevor er sich auf den Weg nach Hause macht, wo er ein paar Stunden schläft, sich natürlich auch pflegt und wäscht, um anschließend für seine Weiterbildung noch zu lernen, bevor er sich wieder auf den Weg macht, nur um die Lande- oder Startbahn zu reparieren,

Und warum ?

Naja, in dem Flugzeug, das dadurch erst starten kann, sitzt vielleicht eine Mami sitzt, die sich mit 18 bereits ihr Baby auf die Welt gebracht hat, und mit einem reichen Mann, dessen Dienstfahrzeug sie morgens zum Einkaufen nutzt, damit das Kind zur KiTa fährt um hinterher einen schönen Tag mit Sport und Wellness zu machen, und um am Nachmittag dann am Abend völlig geschafft zu sein.

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Der Jäger

Komisch, wenn Du im Licht einer einzigen Laterne Dich umschaust in diesem Märchenwald, wie viele Schauergestalten Du sehen kannst. ich wundere mich nicht, warum die Dörfler gerade diesen Abschnitt als „Märchenwald“ ansehen und selbst die Holzfäller es meiden, hier dem Tagewerk nach zu gehen.

Naja, ich als Jäger kenne mich in diesen Wäldern aus, aber mir glaubt keiner, wenn ich sage: „Dieser ist alles, aber weder ein Zauberwald noch ein Märchenwald“ Eine solche Geschichte eignet sich nur, um Kindern Angst machen, damit sie nachts nicht mehr in den Wald gehen. Recht so! Dieser Wald ist bei Nacht gefährlich, wenn auch nicht durch Mythen und Zauberei. Und dennoch, immer wieder laufen bei Nacht Kinder in den Wald… . Wisst Ihr eigentlich, was mich immer wieder ärgert? Diese Dörfler verlassen sich zu sehr darauf, daß ich sie wiederfinde und zurück bringe. Wie auch in dieser Nacht. Sie suchen ein paar Stunden und dann verschwinden sie wieder in ihr Dorf und sagen sich, morgen ist auch noch ein Tag. Und wehe, man hört im Wald noch einen Wolf irgendwo heulen. Dann laufen sie wie aufgeschreckte Schafe um ihr Leben. Und ich bin es dann, welcher hier alleine durch den Wald läuft und das Kind zurück bringt, wohl wissend, daß niemand mir auch nur ein bisschen Anerkennung zollen wird.“ Ärgerlich machte sich der Jäger alleine auf die Suche nach dem Kind. Er liebte diesen Wald, besonders dieses Stückchen, wo die höchsten Bäume stehen. Sehr oft hatte er früher mit seiner Tochter hier den Sonnenaufgang abgewartet, wenn die ersten Strahlen sich durch die Nebel bohrten und sie in die höheren Zweige vertrieb. Und eines Morgens war sie einfach nicht mehr da. Weggelaufen, eines Nachts mitten in den Wald. Er hatte sie nie wieder gefunden, und er trug die alleinige Schuld, hat die Haustür nicht abgeschlossen! Die Dörfler ließen ihn im Stich. Haben sie eigentlich jemals ein Kind wiedergefunden, wenn es sich nachts im Wald verirrte? Er kann sich nicht daran erinnern.

Er erinnerte sich noch gut daran, als seine eigene Tochter vor so vielen Jahren im Wald verloren gegangen ist. „Wir können nicht mehr tun…“ haben sie gesagt und sind umgedreht. Sie ließen ihn alleine in diesem Wald. Und wann immer er auszieht auf Jagd, sucht er nach seiner Tochter. Die Dorfjugend machte sich inzwischen lustig über ihn, und manch seltsames Gerücht über finstere Rituale, nach denen er sein Kind – seine einzige Tochter – geopfert haben soll, um mehr Macht zu bekommen über die alten Waldgeister. Er hatte sich schon damit abgefunden, doch der Schmerz sitzt tief.

So wanderte er durch die mondlose Nacht. Immer dichter und finsterer wurde der Wald im Schein seiner kleinen Laterne. Vorbeihuschende Schatten, die ihn umgaben, umgarnten und locken wollten… . Er schloß die Augen. „Trugbilder!“ , sprach er laut zu sich selber, „So etwas gibt es nicht!“ Als Antwort auf diese Frechheit hörte er im Wind ein leises Seufzen und ein Flüstern, der ihm einen kalten Schauer den Rücken hinterlaufen lies. Schon oft war er in mondloser Nacht hier im Wald auf Pirsch, aber dieses mal ist es anders. Er hatte das Gefühl, gejagt zu werden, Opfer in einem abartigen Spiel, welches ihn zur Beute machte. Was wäre eine schönere Beute als ein Jäger, welche die Tricks und Kniffe seine Opfer kannte? Er verwarf diesen Gedanken schnell und fing an, ein altes Kinderlied zu pfeifen. Für kurze Zeit half es, aber er wagt es nicht, sich um zu drehen. Nebel kam auf und zog in Schwaden langsam durch den Wald. Im Schein der Laterne sah der Jäger unwirkliche Gestalten, welche mit Tentakeln nach ihm greifen wollten, doch jedes mal, wenn er seine kleine Lampe ihnen entgegen stellte, scheuten sie zurück und wagten sich niemals näher heran als bis zum Rand des schwachen Lichtkegels. Trotzig schob der Jäger seine Lampe vor und schrie in die finstere Nacht: „Was wollt ihr von mir! Ich habe niemals etwas unrechtes getan!“ Als Antwort bekam er das schwache Schluchzen eines Kindes, irgendwo gar nicht weit weg vor ihm. Entschieden und mit festem Schritt bahnte er sich den Weg durch das feuchte Unterholz und lief auf das Schluchzen zu. Noch ein paar Minuten und er wird nicht mehr alleine sein. Die Laterne hoch haltend betrat er eine Waldlichtung. Die Nebelgeister zuckten vor ihm scheu zurück. Weit entfernt sah der Jäger eine Gestalt mitten auf der Lichtung, ein kleines Mädchen, welches zusammengesunken an einem Stein lehnte.

„Hallo, …“, sagte der Jäger sanft, als er sich langsam näherte, „keine Angst, ich bin hier, um dir zu helfen.“ Das kleine Mädchen umarmte ihn und hielt sich schluchzend fest. „Ich habe angst…“ flüsterte es in sein Ohr. „Brauchst du nicht, ich bin jetzt da. Sag mir doch, wo kommst du her?“ „Ich weiß es nicht“, antwortete das kleine Mädchen, „ Ich war schon immer hier.“ Er nahm das kleine Mädchen auf den Arm und schritt mit ihr durch den Wald in Richtung des Dorfes. „Wir finden deine Eltern schon.“ beruhigte er sanft das Kind auf seinen Armen.

So liefen sie in einer mondlosen Nacht durch den Wald. Das kleine Mädchen in seinen Armen schaute ihn mit bleigrauen Augen an und fragte nach seinem Namen. Dem Jäger erschauerte es unter dem Blick des Kindes, irgendwie schienen diese Augen ihn zu durchbohren. „Ich bin Piet, „ log er. Irgendwie wollte er diesem Kind einfach nicht erzählen, wer er wirklich war. Das Mädchen kuschelte sich an ihn und ihre kalten Hände zogen ihm die Wärme aus den Gliedern. „Ich bin Marie,“ sprach sie schutzsuchend, „bleibst du bei mir?“

Es ist schon lange her, aber dieses Kind erinnerte ihn stark an seine eigene Tochter, selbst der Name war gleich. Ihm wurde unheimlich. „Wir finden schon deine Eltern,“ wich er ihrer Frage aus. Der Nebel und die Finsternis wurde langsam drückend und Feuchtigkeit legte sich auf seine Kleidung. Er begann immer mehr zu frieren. Selbst die Flamme seiner Laterne schien sich zu verdunkeln und nicht mehr so warm und einladend zu leuchten. Er wischte diesen Gedanken bei Seite. Die Augen und seine Fantasie spielten ihm einen bösen Streich, hier in diesem Wald ist nichts, was er fürchten müßte! Und dennoch, er kam sich sehr einsam vor, auch wenn er nicht alleine war. Die Kälte fraß sich seine Beine hinab in die Füße, lähmten ihn allmälich. Immer noch schaute ihn das kleine Mädchen an, wärend sie, so kam es ihm vor, immer weiter in die Dunkelheit liefen, anstatt den Morgen endgegen. „Was hällst du von einer kleinen Pause, Marie?“, fragte er, wärend er sie absetzte und sich ein paar Minuten Pause gönnte. „ist es noch weit, Piet?“, fragte Marie Er schaute sich um…

Wo war er eigentlich? Er hat doch jedes Stückchen Wald hier schon durchwandert in den letzten 20 Jahren, aber dieser Ort kam ihm völlig fremd vor. „Noch eine Stunde etwa.“, log er sie wieder an. Ihre bleigrauen, forchenden Augen machten ihn nervös, und er wich ihrem Blick aus, indem er sich seinem Rucksack zuwandte und etwas zu Essen heraus zog. „Hast du Hunger, Marie?“

Mit jeder Minute, die sie hier saßen, schien die Dunkelheit und der Nebel dichter heran zu kriechen und sie verschlingen zu wollen. Was den Jäger aber nun besonders störte, war diese unnatürliche Stille, es ist, als ob die Welt den Atem anhielt und beobachtete, was sich hier an dieser Stelle ergab. So etwas hatte er noch nie erlebt. Langsam wurde ihm zumindest wieder warm, und so packte er seine Sachen geräuschvoll und hieß Marie, daß es an der Zeit wäre weiter zu gehen.

„bringst du mich jetzt nach Hause?“, fragte Marie auf seinem Arm. „Ja, „, versprach er, „ich werde dich nach nach Hause bringen.“ Das kleine Mädchen schmiegte sich wieder an ihn und wärmte sich die eiskalten Hände.
Wie lange waren sie so unterwegs? Er wußte es nicht mehr. Irgendwann ist die Laterne aus gegangen und in der Finsternis und dem Nebel lief er festen Schrittes weiter, bis er nicht mehr wußte, wo er noch hin gehen sollte. So beschloss er, auf den Morgen zu warten, legte sich hin, und das Mädchen kuschelte sich in seine Arme. Frierend schloß er die Augen und versuchte, noch ein bisschen zu schlafen, bis die frühen Sonnenstrahlen ihn wecken sollten. Dann, so war er sich sicher, würde er genau wissen, wo er sich ist und den Weg nach Hause finden…

Am nächsten Morgen kam ein Holzfäller aus dem Wald und hieß einigen, mit zu kommen. Er hätte den Jäger gefunden. Er war tot. Und in seinen Armen hielt er noch immer zärtlich das Skelett eines kleinen Kindes, ein Mädchen.
Doch erschrocken waren alle über den Gesichtsausdruck. Sein Gesicht lächelte, als habe er gefunden, was auch immer er suchte. Doch seine hohlen Augen ließen eindeutig erkennen, daß seine Seele nicht freiwillig aus dem Körper gezogen wurde.
Und noch etwas war seltsam:

Dort, wo die Überreste des kleinen Kindes seinen Körper berührten, waren Erfrierungen zu sehen. Und trotz allem schien der Körper nicht wirklich tot zu sein. Der Jäger und das Kind wurden gemeinsam beerdigt, auf daß ihre Seelen gemeinsam einen Weg nach Hause finden. Niemand wagte es, diese beiden Körper zu trennen.

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Das Licht der Feen

“Die Welt war einst in Dunkelheit gehüllt. Am Tage herrschte der mächtige Tagstern, in der Nacht seine Schwester, die Mondin mit all ihrer Schönheit. In dieser Zeit, da die Sterne noch nicht am Firmament hell strahlten, lebte eine kleine Grille. Ihre Aufgabe war es, den Hahn zu wecken, damit er des Morgens laut den Tagstern begrüßen konnte. Dafür schenke die Mondin ihr eine kleine zirpende Geige. Die Grille war glücklich. Jeden Abend begrüßte sie mit ihrem Lied die Mondin, wenn sie sanft das Himmelszelt emporkletterte. Und jeden Morgen, wenn der Feuerball des mächtigen Tagsterns mit seinen flammenden Armen den Himmel feuerrot färbte, begrüßte sie ihn mit einem wunderschönen Lied. Die Grille liebte ihre Aufgabe, und sie spielte meisterhaft ihr kleines Instrument.

Eines Nachts schaute sie in das schwarze samtene Tuch, welches den Himmel umsponn, und fragte sich, warum der Himmel in der Nacht nicht auch so schön leuchtet wie am Tag. Nachdem die Grille sich einen ganzen Monat lang den Kopf darüber zerbrochen hatte, fragte sie schließlich die Mondin: “Bist du nicht traurig darüber, daß der Himmel nicht rot,blau, gelb, orange und in vielen Farben leuchten kann, wie er es bei deinem Bruder macht?”

“Nun,”, antwortete die Mondin in einem hellen uns sanften Ton, “das ist die besondere Magie meines Bruders. Dank ihm schillern auch die Regenbögen in den buntesten Farben, an deren Ende die Kobolde ihren Topf mit Gold verstecken. Ich gönne es ihm.” Die Grille schaute hinauf zur Mondin: “Dafür bist du geheimnisvoll und wunderschön. Aber du mußt auf deinem Weg durch das Himmelszelt sehr einsam sein, …” Die Mondin sprach da leise: “Die Herzen dieser Welt schauen zu mir auf, und bitten mich, ihnen Liebe zu schenken. Wie kann ich da einsam sein?”Darauf wußte die Grille auch keine Antwort.

So vergingen die Tage und Nächte. Die Grille sah, wie der Himmel sich purpur färbte, der Tagstern die Regenbögen zum Erstrahlen brachte und am Ende des Tages in einem feurigen Rot sich von der Welt verabschiedete. Und dann legte sich das samtene Tuch der Nacht über das Land und mit ihm kam die magische Stille, wenn die Mondin erschien. Das konnte doch nicht sein, daß die Mondin nur eine schlafende Welt um sich herum hat, das ist unfair! Sie, die Mondin, ist doch so endlos viel schöner, geheimnisvoll und schenkt allen Wesen auf der Erde die Liebe, und soll einsam am Himmelzelt wandern bis zum Ende aller Tage? NIEMALS!

An diesem Morgen weckte die Grille mit ihrem Lied den Hahn, wie sie es immer tat, und zusammen begrüßten sie den Tagstern, wie er rot am Himmel aufging. Doch an diesem Morgen war es anders. Mutig trat die Grille dem Tagstern entgegen und erzählte davon, wie einsam doch die Mondin am Firmament ist, auch wenn sie von jedem geliebt wird. Der Tagstern hörte aufmerksam zu und sprach in einer Stimme so schön wie die der Mondin: “Ich beschloss, den Himmel rot und blau zu färben, damit alle wissen, es ist mein Reich, meine taghelle Welt. Meine Schwester hat die dunkle Welt haben wollen, es war allein ihre Entscheidung. Ich habe nicht das Recht, über ihre Entscheidungen zu urteilen.”

Mit diesen Worten verstummte der Tagstern und ließ die Grille mit ihren kleinen Gedanken alleine. Was hatte die Mondin vor mit ihrem Reich? Diese schöne, nein, WUNDERSCHÖNE Mondin wolte doch bestimmt nicht alleine sein, und die Grille würde sie noch in dieser Nacht fragen. So beobachtete sie sehnsüchtig, wie der Tagstern über den Himmel wanderte, sich mit rötlichen und purpurnen Farben verabschiedete und die Taghelle Welt mit ihm ging. Der Himmel färbte sich purpur, wurde dunkelblau und aks er fast schwarz war, erschien die Mondin und schimmerte leuchtend über den kleinen Kopf der Grille. Da sprach die Grille: “Oh Mondin, du schönstes Wesen von allem, was es auf dieser Welt gibt, wie kann ich mich deinem Reich anschließen, auf daß es so schön wird wie du?” Die Mondin schaute hinab zu der kleinen Grille und sprach sanft: “Mir und meinem Reich zu dienen, ist eine große Aufgabe, die nur mit Liebe und Hingabe erfüllt werden kann bis zum Ende aller Tage.” Die Grille schaute hinauf und sprach: “Aber ich habe mich doch schon vor langer Zeit verliebt, und zwar in dich. Was kann es schöneres geben, als dir zu dienen? Es ist, so bin ich fest von überzeugt, meine Bestimmung.”

Die Mondin lächelte hinab, als sie jenes hörte, und leuchtete in einem sanften rötlichen und warmen Schimmer – magischer und geheimnisvoller als jemals zuvor. “Wenn es so sehr dein Wunsch ist, wie kann ich ihn ablehnen? Doch der Weg in mein Reich ist lang und voller Wunder.” An diesem morgen verschlief der Hahn, da keine Grille mit ihrer Geige ihn weckte. Erschrocken krähte er laut auf, und verneigte sich vom dem Tagstern: “Verzeiht mir, mein Herr, ich habe meine Aufgabe nicht erfüllt.” Voller Scham erwartete der Hahn seine schelte. Der Tagstern, schon hell am Himmel, sprach: “Hab keine Sorge, dein kleiner Freund, die Grille, ist auf den Weg, ihre Bestimmung zu finden. Dich trifft hier keine Schuld.”

Die kleine Grille schlief am Tage versteckt und wanderte mit der Mondin viele Nächte und unterhielt sich mit ihr, spielte ihr viele Lieder auf der kleinen Geige und tanzte dazu, so sehr freute sie sich, bei der Mondin zu sein. Schließlich erreichten sie einen alten, knorrigen Baum. “Hier ist es…”, flüsterte die Mondin geheimnisvoll, “der Eingang in mein Reich, ein Feenbaum.” Die Grille fragte neugierig: “Was ist ein Feenbaum? Er sieht so leer aus?” “Noch”, antwortete die Mondin lächelnd, “denn du wirst ihn mit Leben füllen. Und ich habe für dich, die Grille, die bermerkte, wie leer der Himmel ist, eine ganz besondere Aufgabe ausgesucht.” Der Grille wurde schwindelig, die Mondin persönlich hatte ihr eine Aufgabe ausgesucht, ein großes SChicksal? Einem so kleinen und unscheinbaren Wesen sollte es vergönnt sein, … “Was muß ich tun?” fragte die Grille voller Ehrfurcht. Die Mondin lachte, als sie sprach: “Ich habe ein Geschenk für dich, lege dich bei den Wurzeln dieses alten Baumes schlafen, und vertraue mir. Dir wird kein Leid geschehen.” Und so legte sich die Grille im Schatten des Baumes nieder und schlief voller Vertrauen ein.

Am nächsten Abend, kurz nach Einbruch der Nacht erwachte die Grille und fühlte sich irgendwie anders. Sie suchte sich einen kleinen See und schaute hinein und sah in das Gesicht einer Fee. Über ihr im Spiegel des Sees sah sie die Mondin leuchten, wie sie sanft auf ihr Kind hinab blickte. “Ja,”, sprach die Mondin auf den fragenden Blick der Grille, “das bist du, die erste aller Feen. Schau einmal zum Himmel…”

Und als die junge Fee zum Himmel erblickte, da sah sie eine Sternschnuppe über das samtene Schwarz glitzern, einer Träne gleich, so weit das Auge reichte zog sie ihre Bahn und deutete auf einen Stern. Es war weit im Norden der allererste Stern, der seit Gedenken am Himmel zu sehen ist. Seit diesem Tage heißt es, daß jedes mal, wenn ein neuer Stern am Himmel leuchtet, erblickte eine neue Fee das Licht dieser Welt. Und eine Sternschnuppe, so heißt es, ist eine freudenträne der Mondin, daß sie nie wieder alleine über das Himmelszelt wandern müßte.

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Wassergeister

Die Geschichte, von der ich Euch berichten möchte, ist die Legende eines alten  Segelschiffes, welches herrenlos auf dem Meer trieb…

Es wird berichtet, daß vor vielen 100 Jahren ein Schiff auslief, um eine neue Welt zu entdecken. Kurze Zeit später tauchte zwar das Schiff wieder auf, aber die Besatzung war nirgends zu finden. Wer dieses seltsame Schiff aber betrat, der hatte das Gefühl, nicht alleine zu sein. Irgendwie – ja – wie soll man das beschreiben, schien die Besatzung noch vor nicht einmal fünf Minuten hier geatmet und gelebt zu haben, wenn nicht sogar anwesend ist.

Dieses berichtete zumindest einer jener Matrosen, welche im Auftrag der Krone auf einem Bergungsschiff mit fuhr, das herrenlose Boot ein zu holen. Nach diesen Begebenheiten weigerte er sich vehement, noch ein einziges mal zur See zu fahren.

Was war geschehen?

Dieser Matrose war Schiffsschreiner und als solcher einer der verantwortlichen für die Reparaturarbeiten an Bord dieses Schiffes. Kurz nachdem der mitgereiste Kapitän mitsamt seiner Bergungsmannschaft überwechselte, schlug das Bergungsschiff Leck. Alle Versuche, das Leck zu finden und ab zu dichten, schlugen fehl und so beschloss man, daß das Bergungsschiff sich auf den Weg zum Heimathafen auf macht, bevor es sinken werde.

Eiligst schuf man die womöglich benötigten Materialien und Vorräte hinüber und dann lies man die Mannschaft auf dem Geisterschiff zurück.

In den ersten Stunden suchte man intensiv nach Überresten der einstigen Mannschaft und nach Hinweisen auf Krankheiten. Nichts dergleichen wurde gefunden. Doch im untersten Deck des Schiffes fand man eine kleine Luke, welche direkt zur Außenhaut des Schiffes führt, wo sich ein kleiner Hohlraum befand.

Und in diesem Hohlraum fanden sie etwas…

Es war ein kleiner Schrein, auf dem getrocknetes Blut war. In die Wände waren seltsame kryptische Symbole eingeritzt, und niemand der Matrosen konnte sie lesen oder verstand ihren Sinn. Nur seltsam war, daß der Raum aus sich selber heraus zu leuchten schien.

Was aber diesen Raum so unheimlich machte, war die Tatsache, daß nach Sonnenuntergang man in diesem Raum das Gefühl hatte, als ob das Schiff selber zu beobachten schien und wartete.

Die Reparaturen liefen zügig voran und schneller als geplant nahm das Schiff Kurs auf die Heimat. Jeder der Matrosen war erleichtert bei der Aussicht, endlich dieses Schiff verlassen zu können.

Am 4. Tag des Morgens fehlte schließlich einer der Matrosen. Zunächst nahm man an, er sei über Bord gefallen, aber die Nachtwachen auf Deck behaupteten, sie hätten derartiges bemerkt, und einer schwor, ihn gesehen zu haben, wie er nach unten stieg  durch die Luke.

Man fand ihn dort, doch sein Körper war nicht einfach tot gewesen. Er schien dort schon seit vielen Jahrzehnten zu liegen und war vollkommen ausgetrocknet. An der Wand stand eingeritzt ins Holz eine Warnung, das Schiff sofort zu verlassen.

Am folgenden Tag verschwand wieder jemand. Doch dieses mal hat ihn keiner gefunden. Man erinnerte sich daran, daß er noch am Morgen mit seltsam geweiteten Augen umherlief und sich von den anderen absonderte. Nun war er tot.

Das Schlimmste aber war, daß das Ruder brach und die Fahrt für die Aufwendige Reparatur unterbrochen werden mußte, zu weit von der Küste entfernt. Um Unruhen zu verhindern lies der Kapitän die Luke versiegeln und lies Wachen aufstellen.

Doch Zur Wachablösung waren die Wachen verschwunden….

Ein treibendes Schiff, eine verängstigte Besatzung und 3 Verschwundene Menschen sowie eine vertrocknete Leiche, welche schon 10 Jahre zwischen den Schiffsplanken lag, obwohl er mit den anderen zusammen an Bord wechselte, und dahinschwindendende Lebensmittel…

Und dann – es war der siebte Tag – verschwand der Kapitän. Als letztes sah man ihn in die Kapitänsunterkunft gehen. Nachdem man ihn nirgendwo fand, entfernten Freiwillige das Siegel von der Luke und stiegen hinab. Sie fanden die vertrocknete Leiche des Kapitäns dort unten, vor dem kleinen Altar gebeugt, mit Fesselwunden an den Handgelenken. Noch etwas lies den Freiwilligen in der Kammer das Blut in den Adern gefrieren. Die Symbole begangen stärker zu leuchten und zu pulsieren und die Matrosen glaubten, einen Flüsterkanon zu hören. Sie schienen zu flüstern: “Wir finden auch Dich”, und ein jeder fühlte sich persönlich angesprochen.

Nach der Seebestattung des Kapitäns übernahm der 1.Mart die Schiffsführung. Das Ruder wurde im Laufe des Tages repariert und endlich nahm das Schiff wieder Kurs auf in Richtung Westen, immer auf die Küste zu. Erstaunlich war, daß, je dichter man an die Küste heran kam, sich die Unfälle häuften. Seile rissen aus unerklärlichen Gründen, Haken und Ösen sprangen heraus, oder die Segel lösten sich. Schon lange glaubte man nicht mehr an Unfälle. Irgend etwas wollte verhindern, daß die Mannschaft ihr Schiff in den sicheren Hafen bringt.

Der Navigator der Mannschaft war der nächste, welcher das Schicksal der bis dato verstorbenen teilen mußte. in seiner kleinen Arbeitsstube löste sich ein Deckenbalken und zerschlug ihm den Schädel. Es stellte sich heraus, daß jemand den Balken zersägt hatte.

Von da an war klar, daß dieses Schiff einen von der Mannschaft voll in seinen Bann gezogen hatte und es nicht dulden würde, wenn der Rest zu fliehen versuchte. Die Manschaft belauerte sich gegenseitig, und auf Anweisung des Marts blieb jeder in jedermann Sichtweise und keiner läuft mehr alleine auf dem Schiff herum.

Der Schreiner schrieb in seinem Tagebuch  noch oft von diesem Augenblick, als alle hilflos standen und sich gegenseitig belauerten:


“Wir saßen und standen auf dem Deck des Schiffes und versuchten uns daran zu erinnern, daß wir Kameraden seien, Schicksalsgenossen, welche von einem Geisterschiff gefangen gehalten werden, doch die Angst vor einem Saboteur, welcher unsere Reparaturen vernichten will, ist nur noch mehr Öl in das Feuer des Mißtrauens, das und alle umgibt.

So achten wir verstohlen auf die Handgriffe unserer Genossen, und immer wieder brach Streit aus wegen Nichtigkeiten, die sonst niemand beachtet hätte. Sie können es sicherlich nicht verstehen, wie hilflos man sich fühlt, wenn man um sich herum nichts als Wasser hat und das einzige, das Sie vor dem Ertrinken bewahren kann, ist darauf aus, Sie um zu bringen…

Dieses Schiff war mit allem an Bord unnatürlich und niemand vermochte zu erklären, was nicht stimmt. Es ist immer dieses Gefühl, beobachtet zu werden. Und alle haben diesen blutigen Altar gesehen, auf dem des Kapitäns Leiche gefesselt lag, schon seit Jahrzehnten ausgetrocknet und tot. Die Fesselmale an seinen Handgelenken zeugen davon, daß er sich nicht freiwillig her gab. Aber wo war er gewesen? Und wo war Fred gewesen, der erste, dessen vertrocknete Leiche wir fanden? Auch er hatte  Fesselmale an den Handgelenken.

Wir alle sitzen nun hier und überlegen uns, was uns wohl noch widerfahren wird. Den Gesichtern nach sind viele entschlossen, lieber früher als nötig ins Wasser zu springen und an Land zu schwimmen, ungeachtet der Gefahr durch Haie hier an diesem verfluchten Ort. Selbst Elmsfeuer der folgenden Nacht erschienen uns wie die Boten noch größerem Unheils.

 

 Unser 1. Mart , Svenson , benimmt sich seit dem Morgen seltsam. Irgendetwas ist ihn gefahren. Wir haben ihn dabei erwischt, wie er Taue mit einem Messer kappte und die Segel damit von den Masten holen wollte. Als wir ihm in die Augen schauten, … wie soll man so etwas beschreiben? Die Augen glänzten matt und farblos, man hatte das Gefühl, in einen holen Schädel zu blicken. Er versuchte nicht einmal zu entkommen, ließ sich völlig weggetreten entwaffnen und einsperren. Jetzt waren wir nur noch 5 vom ganzen Tross. Alle anderen waren verschwunden und tauchten nach und nach als vertrocknete Leichen wieder auf dem Schiff auf. Was uns auffiel war, daß nicht alle diese Fesselmale an den Handgelenken hatten. Spät in dieser Nacht hörten wir ein lautes Krachen aus dem Rumpf des Schiffes und machten uns geschlossen auf den Weg. Die Tür, welche das Gefängnis für den ersten Mart verschloss, war aus der Ankerung gerissen worden und is gegen die andere Seite geschleudert worden. Der Mart war nicht mehr im Raum.

Wir fanden ihn tief im Rumpf des Schiffes vor jenem kleinen Altar, wo er gerade das Blut aus seinen Adern betend im Raum verteilte. Das schaurige aber war das monotone Flüstern eines Chorus, welcher sich aus dem Schiff heraus erhob und langsam anschwoll. Gleichzeitig fingen die seltsamen Zeichen an zu pulsieren.

 Oh ich hasse dieses Schiff.

 

 

Wir rannten zu fünft an Deck, die Panik saß uns im Nacken. Ich bin mir sicher, irgendetwas verfolgte mich den ganzen Weg hinauf. Als wir jedoch an Deck ankamen, erschraken wir über das sich uns dargebotene Bild… Das Schiff war in einer sternlosen Nach mitten in einer Nebelbank gelandet. Die Elmsfeuer kletterten Unheil verkündend die Taue vom Mast hinab und schienen sich auf uns zu bewegen zu wollen. Und unter uns rumorte es, als ob irgendetwas aufgewacht ist.

Wir haben etwas geweckt, was wir niemals hätten wecken dürfen und ein jeder von uns würde nun die Strafe für diesen Frevel erhalten.

Ich glaube, wir sollten verdammt werden, auf Ewig auf diesem Schiff zu verweilen, ohne jemals wieder frei zu kommen. Doch dazu mußten es uns erst hier an diesem Ort umbringen.

 

 

Die Nacht verlief schleppend, und wir wußten, wenn wir einschlafen und uns aus den Augen verlieren würde jemand von uns am morgigen Tage tot sein. So kämpften wir 2 Tage und Nächte gegen die Müdigkeit an, doch schließlich übermannte es uns und wir schliefen ein.

 

 

Sieben Stunden? Vielleicht auch acht Stunden mögen es gewesen sein. Aber als ich aufwachte, war das Licht nur noch ein einheitliches und diffuses Dämmerlicht. Aber das Schiff hat sich verändert. Irgendwie, ja, es hat den Anschein, als ob vor nicht ganz fünf Minuten eine ganze Besatzung das Schiff Hals über Kopf verlassen hatte. Man konnte fast noch den Geruch aus der Kombüse wahrnehmen. Ich bekam es mit der Angst zu tun. Waren jetzt die anderen nicht mehr da, oder bin ich verschwunden und saß mit hohlen Augen an Deck dieses verfluchten Schiffes? Mich überkam das nackte Grausen.

Kopflos sprang ich über Bord in die kalten Fluten. Als die Wellen über mir zusammenschlugen, dachte ich, dies sei gewesen, was man von mir verlangt hat. Doch nun war es zu spät, ich lies mich von den Wellen treiben und erreichte schließlich eine Brandung an einem unbekannten Ort.

 

 

Als die Sonne über den Horizont stieg, erwachte ich. Ich viel auf die Knie und begann, aus Dankbarkeit zu beten. Eines weiß ich genau, ich werde niemals wieder zur See fahren.

 Doch eines weiß ich bis heute nicht… Bin ich nun Gefangener eines Traumes oder bin ich real hier? Ich versuche, mein Leben zu leben, aber die schreckliche Angst, eines Morgens auf diesem Schiff auf zu wachen, bleibt bestehen und ich werde es wohl nie erfahren so lange ich lebe.”


Dieser Schreiner verfiel dem Irrsinn nach einigen Jahren und begann zuguterletzt Selbstmord, laut schreiend sprang er von der Klippe, ES möge ihn endlich los lassen und er in Frieden schlafen auf Ewig. Wünschen wir ihm alles Gute auf seiner Reise in eine andere Welt, und dass er nie wieder dieses Schiff betreten muß….

 

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Herzen im Schatten der Nacht

Es war dunkel. Naja, eigentlich nicht ganz, denn die Mondin schien durch das Fenster, durch das ich hinaus blickte. Vergangenheit, zukunft, alles vermag die Mondin zu erzählen, wärend sie hell ihre Bahn über das Firmament des Himmels ihrem Weg folgt.
Doch heute war es anders. Ich schaute hinauf in die Schwärze des Firmaments und dachte mir noch, es sei eine wunderschöne Nacht, als ich die Mondin flüstern hörte:
“Warum ist dein Herz so endlos traurig? Warum weint es so?”
Erst dachte ich, ich hätte mich getäuscht, aber dann fragte die Mondin noch ein weiteres mal.
Die Mondin, hoch oben am Himmel, mal blass, mal weiß am Himmel, mal in warmen Farben getaucht, sollte mein kleines Herz gehört haben, wie es vor Trauer wein? Meine Gedanken überschlugen sich.
“Ja”, sprach die Mondin, “Ich habe dich wirklich gesehen. Was macht dich so traurig?”

Ich klagte in diesen einsamen Minuten mein ganzes Leid, was auch immer mein Herz zum Weinen bringt.
Und die Mondin hörte zu.
Dann war Stille.
Einsamkeit.
Undendliche Leere.
Und dann geschah es…
Die Mondin sprach sanft und voller Zuversicht: “Lass mich dir eine Geschichte erzählen…”
Und die Mondin begann zu erzählen:

Einst teilten sich die Tiere dieser Erde den Boden gemeinsam. Von dem großen Bären bis hin zur kleinsten Maus lebten sie alle zusammen und waren glücklich. Nur ein Tier war sehr unglücklich: Eine kleine Maus. Was war bei dieser Maus anders? Nun, sie schaute den Vögeln zu, wie sie von dem mächtigen Tagstern, der Sonne, das Fliegen lernten. Und sie war voller Neid. Aber es war nicht dieser Neid, als wenn eine andere Maus mehr Futter besaß, nein, es war der Neid der Sehnsucht. Zu fühlen, wie der Wind fröhlich an ihr vorbei streicht, wenn sie durch die Luft tanzt. sie schaute dem Tagstern zu, wie er den Vögeln das Fliegen lehrte und übte des Nachts heimlich, was sie am Tag zuvor sah. Selbst die Sterne schauten weg, als sie die Maus vom Hang purzeln sah. Einzig die Mondin schaute zu, und war traurig darüber, zu sehen, wie die kleine Maus ihren Traum nicht aufgab. Schließlich lernten die Vögel das Fliegen und verließen die Erde, um in der Höhe ihre Nester zu bauen. Sie lehrten den Kindern, was er, der mächtige Tagstern, ihnen beigebracht hatte und waren von Stund an die Wesen des Windes und der Luft. Die Maus blieb auf der Erde einsam und verlassen zurück. Doch tief in ihrem Herzen gab sie niemals auf. Sie übte und übte, aber es wollte nicht gelingen. Schließlich tat es der Mondin so weh, dass sie das Verbot, mit den Tieren zu sprechen, ignorierte. Sie war schließlich neben dem großen Stern des Nordens das mächtigste Wesen der Nacht am Firmament. Und so entschied sie, zu der Maus zu sprechen: “Was trübt so sehr dein Herz, kleine Maus?”

Die Maus schaute sich ganz erschrocken um:”Wer spricht da?” Die Mondin began in warmen rötlich-gelben Farben zu lächeln:”Ich war das, schau nur mutig in den Himmel, kleine Maus.” Die Maus schaute schüchtern hinauf zur großen Mondin, wie sie hell und schön am Himmel leuchtete und sprach: “Es ist nicht erlaubt, daß ich mit die, oh mächtige Mondin, spreche.” Die Mondin lächelte sanft, als sie antwortete: “Nun, deshalb spreche ich auch mit dir. Die Sterne hören weg, und der mächtige Tagstern, mein Bruder, die Sonne, schläft. Wer also soll es verraten?” Die Maus schaute schüchtern hinauf: “Ich bestimmt nicht!”

“Na siehst du”, sprach die Mondin voller Zuversicht, “und ich habe doch dich angesprochen, also was soll dir schon passieren?” Die Maus überlegte. Ja, was sollte der mächtigen Mondin schon passieren, außer schwach an manchen Tagen neben ihrem Bruder am Himmel zu leuchten? Ihr gehörte der Nacht. Und so klagte sie das Leid ihres Herzens, dass sie wie die Vögel am Himmel den Tag begrüßen möchte. Da sprach die Mondin: “Nun, diesen Wunsch kann ich dir nicht erfüllen. Meinem Bruder gehört der taghelle Himmel. Mir aber gehört die Nacht. Und was ich in dieser Zeit mache, das entscheide ich allein. Selbst der Stern des Nordens darf darüber nicht entscheiden.” Die Maus schaute hinauf zur Mondin. Sie verstand nicht. Die Mondin lächelte ihr zu, und sprach auf einer Weise, dass es die kleine Maus verstand: “Die Nacht gehört mir ganz alleine. Ich bestimme, wer meine Luft durchkreuzen darf. Die Vögel sind es nicht. Ich habe beschlossen, dass du es sein wirst.” Die Maus stellte ihre Ohren auf. Da sie nicht glaubte, richtig gehört zu haben, fragte sie halb neugierig, halb voller Vorfreude und Angst schüchtern: “Ich, oh mächtige Mondin? Warum ausgerechnet ich?”

Die Mondin antwortete: “Nun, mein Bruder, die Sonne, nahm die schönsten Wesen der Erde, um ihnen das Fliegen zu lehren. Die Vögel waren voller Freude, die Entscheidung gehört zu haben und steckten ihre Schnäbel in die Höhe. Ich aber sehe den tiefen Wunsch in deinem Herzen, die Sehnsucht, eine neue Welt zu erobern. Warum sollst du, kleine Maus, nicht das Fliegen lernen? Es ist ein Geschenk, dass ich deinem Herzen mache, denn es gab bei allen Schmerzen niemals das Träumen auf. Und glaube mir, ich habe gesehen, wie die anderen Mäuse über den Traum gelacht haben.”
Die Maus war außer sich vor Freude: “Wann lerne ich fliegen? Bitte, ich möchte es so sehr…” Die Mondin lachte auch eine Weise, wie nur sie es Verstand: “Geduld, kleine Maus, denn alles hat seinen Preis. Willst du nicht vorher wissen, was du dafür bezahlen musst?” Die Maus schaute in den nächtlichen Himmel zur Mondin empor: “Was gibt es denn, dass es sich nicht lohnt, für den Traum eines Herzens zu bezahlen? Wenn das Herz nur fünf Minuten in ihrem Leben voller Freude tanzen kann, ist es das nicht wert? Ich würde alles bezahlen, selbst mein Leben würde ich geben für einen Augenblick, am Himmel tanzen zu können wie die Vögel, zu spüren, wie die Luft an mir vorbei streicht!”

Die Mondin schaute zu der Maus sanft hinab: “Nun, dein Leben ist es nicht, dass ich verlange. Aber ich sagte dir, mir gehört nur die Nacht. Mehr kann ich dir nicht bieten, als unter mir im Wind zu tanzen. Und das ist der Preis. Wenn du dich für mich entscheidest, sagst du meinem Bruder, dem Tagstern, der Sonne, ein Lebewohl. Er wird dir nicht böse sein, dessen sei dir sicher. Aber du kannst nur auf einer der beiden Seiten stehen, so will es das Gesetz der Sterne. Entscheide dich also nicht zu schnell, denn alles hat seine Konsequenzen.” Mit diesen Worten verstummte die Mondin. So schaute die Maus zu, wie die Mondin und die Sterne verblassten. Langsam färbte sich das tintige Schwarz des Himmels in ein dunkles blau, und im Norden erschien ein blasser, rötlicher Schimmer. Dieser rötliche Schimmer begann zu brennen und die Sonne, der mächtige Tagstern, erhob sich leuchtend rot über den Horizont. Der Himmel schien in dem Augenblick zu brennen, als die warmen strahlen die Erde berührten und den Tieren ihre erste wärme schenkten. Die Vögel erwachten und begangen, ihre Lieder zu singen. Die Füchse schlichen in der Röte des Morgens umher, Dachse schlichen unter die Erde, um zu schlafen, und das Leben fing von Vorne an.
Nur nicht für die Maus. Sie sah zum Himmel hinauf, und irgendetwas wusste tief in ihr, es war das letzte Mal, dass sie die Sonne über den Horizont hat steigen sehen. Und sie spürte den Blick der Sonne, wie sie das Letzte mal auf die Maus hinab blickte. Da hörte sie die Sonne mit dunkler Stimme sprechen: “du möchtest also mich verlassen?” Die Maus zuckte zusammen: “Nein, also, ich weiß auch nicht, ich möchte nur das Fliegen lernen, …”

Der mächtige Tagstern lächelte, als er sprach: “Das ist nur den Vögeln gestattet zu der Zeit, da der Himmel mir gehört. Es wurde entschieden, und selbst ich kann dieses nicht widerrufen. Aber meine Schwester hat mir von dir erzählt, kleine Maus, und ich beschließe, es ist deine Entscheidung. Niemand wird dir böse sein, wenn du deinem Herzen folgst. Aber wähle gut! Denn du wirst mit deiner Wahl leben müssen.” mit diesen Worten zog der Tagstern seine stille Bahn am Firmament.

Die Maus sah dem Tagstern zu, wie er über das Firmament zog, und ihm die Vögel folgten, singend, im Wind tanzend, und sie war traurig. Sie verstand jetzt, dass sie entweder ihrem Herzen folgen müsste, oder aber dem Tagstern und ihrer Bestimmung. Beides war nicht möglich. Sie beobachtete den Tagstern, wie er langsam und gemächlich in der rötlichen Glut des Feuers den Boden berührte in der unfassbaren Ferne, und eine einsame Träne viel auf den Boden. Es war der letzte Tag ihres Lebens, aber sie wusste, dass sie ihrem Herzen folgen muss.

Als der Tagstern sich mit einem letzten roten Abendgruß verabschiedete und er Mondin Reich verließ, wusste die Maus, was zu geschehen hatte. Sie wandte sich voller Stolz der Mondin zu und sprach: “Ich werde meinem Herzen und dem Weg der Mondin folgen, bis zum Ende aller Tage!” Die Mondin lächelte und antwortete, “So sei es.”, und eine einsame Träne der Mondin viel in den Kelch einer Mondblume. Sie sprach abermals: “Trinke den Kelch der Mondblume leer, und lege dich schlafen. Ich werde dich wecken, sobald mein Reich über der Erde herrscht.” Die Maus nahm die geheimnisvoll silbrig glänzende Träne auf, und trank sie voller Freude in einem Zug. Kaum hatte sie die Träne der Mondin getrunken, überkam sie eine seltsame Müdigkeit. Ihre Glieder wurden schwer und sie legte sich im Schatten einer kleinen Höhle schlafen. Des Tagsterns letzter rötlicher Gruß war am Himmel zu sehen, und sie glaubte zu hören, wie er rief: “Du bist deinem Herzen gefolgt, viel Glück auf deinem Weg…” , als die Mondin hell und klar am Firmament erschien.

“Und?”, sprach sie sanft, “Hast du etwas bemerkt?” Die Maus schaute an sich hinab, und bemerkte ihre neuen Flügel. Sie schaute zuerst verwundert, und flatterte voller erstaunen umher. Die Mondin sprach zuversichtlich: “Du weißt, wie es geht, denn das ist mein Geschenk an dich! Nur zu…”

Und mit vor Freude tanzendem Herzen erhob sich erste Fledermaus der Nacht über den Boden, um ihrem Herzen zu folgen, und nicht der Bestimmung eines Lebens.”

Die Mondin lächelte mir sanft zu, und mir wurde warm um das Herz. Irgendwie wusste ich, dass sie Recht hat. Ich würde fliegen lernen… und meinem Herzen folgen, wo immer es mich auch hin führt. Ich muss lediglich den Mut finden, mich für mein Herz zu entscheiden.

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Mermaid*hunt*ing

In den letzten Jahren haben sich zahlreiche neuartige Trendsportarten entwickelt. Zuletzt bekannt geworden ist das “Real Life Mermaiding”, bei der die Teilnehmer alles unternehmen, eine echte Meerjungfrau zu werden und als solche zu leben. Damit könnte eine wundervolle, mystische und sehr schöne Gestalt endlich aus den großen Zooaquarien dieser Welt befreit werden und ihnen einen Weg zurück in die freie Wildbahn geebnet werden.

Und wir freuen uns:

Nachdem in der Renaissance-Zeit diese wundervollen Wesen eher als asoziale, selbstgerechte und äußerst rachsüchtige Zippen und unberechenbar agressive Kreaturen des Meeres – wohl auf Grund eines Missverständnisses bei Serie von misslungenen PR-Kampagnen zur Rettung von Schiffbrüchigen – im wahrsten Sinne des Wortes unter das Messer kamen, waren sie nämlich innerhalb kürzester Zeit von der Bildfläche verschwunden. Es wäre schön, wenn die Weltmeere endlich wieder etwas bunter werden und verspielte Meerjungfrauen am Strand beobachtet werden könnten.

Wie es jedoch immer so ist: alles hat seine Schattenseiten.

Über diesen eigentlich sehr erfreulichen Trend zu mehr Farbe und Spaß in der Welt äußerte sich vor allem bei dem Vorstand des eher unbekannten Sportanglervereins “Angelbuben Klein-Grützenhoven e.V.” mit heftiger Kritik.

Grund genug für Ars Balistica, der Sache einmal nach zu gehen, und deshalb haben wir uns einen Termin bei Herman Bomelheinz, dem amtierenden Vorsitzenden des Vereins gemacht:


AB: Herr Bomelheinz, wie kommt es, dass Sie diesen Trend so extrem ablehnen.

Bomelheinz: Also das kann man so nicht sagen. Hier liegt eher ein Art von Grundmissverständnis vor.

AB: Nun, Sie haben sich da sehr unkonventionell ausgedrückt.

Bomelheinz: Ja, stimmt schon, aber das ist total aus dem Kontext gerissen worden und via Twitter einmal um die Welt gezogen. Tatsächlich gemeint habe ich etwas ganz anderes.

AB: Was haben Sie denn gemeint?

Bomellheinz: Nun, ich finde, Fische und Fischerei ist ein ernsthaftes Thema, dass nicht mit Spaß verwechselt werden darf.

AB: Ja … und?

Bomelheinz: Nun, ich weiß nicht, wie ich das erklären soll. Kennen Sie das Gefühl, stundenlang mit einem Stock und sich selbst regungslos auf einem Boot zu sitzen, und letztendlich einen Fisch zu beobachten, welcher sich langsam den Köder nähert? Dieser Spannungsmoment ist unglaublich! Naja und dank dieses Real Life Mermaiding eiert plötzlich so eine Zippe um das Boot und … BUPF! … Alle Fische sind weg. Wie würde es Ihnen da gehen? Angler sind da zu Rech erst einmal verärgert.

AB: Naja, die Reaktion ist da schon verständlich.

Bomelheinz: Genau, aber wir haben uns nach dem ersten verständlichen Ärger natürlich etwas neues Überlegt und in unserer Satzung die Meerjungfrauen zu Fischen deklariert. Und damit war das Problem eigentlich sehr schnell beseitigt, da anders als Fische Meerjungfrauen recht zutraulich sind.

AB: Sie haben also mit Ihren Vereinsmitgliedern gezielt Jagd auf Meerjungfrauen gemacht?

Bomelheinz: Aber nein, wir sind ein ANGEL- Verein und keine Jäger. Wir haben sie unter anderem weggefischt.

AB: Und dann… ?

Bomelheinz: Naja, da der Fischschwanz bei Meerjungfrauen erfreulich groß ist, nun, wir haben sie an die Sushi-Bar um die Ecke verkauft.

AB: Das ich das richtig verstehe … Sie haben die Meerjungfrau … Die hätten das doch sehen müssen?

Bomelheinz: Aber nein, da haben wir natürlich im Vorfeld drann gedacht. Wir haben natürlich nur die fischerne Hälfte verkauft. Und spätestens seit wir das Geld daraus bekommen haben, naja haben wir uns sogar über diese suspekte Meerjungfrauenschule auf der anderen Seite unseres Anglersees richtig gefreut.

AB: Sie haben nur den Schwanz verkauft? Wie haben Sie …

Bomelheinz: Also für die Erste haben wir noch ganz klassisch ein Beil und eine Motorsäge benutzt, aber später dann haben wir extra für Meerjungfrauen eine Kreissäge mit Spritzschutz umgerüstet.

AB: Ja, aber sie können doch nicht? Wie haben … was machen Sie mit der anderen Hälfte?

Bomelheinz: Das ethische Problem dahinter haben wir natürlich schon bei der ersten Meerjungfrau erkannt:

Sobald der Fischanteil weg ist, ist es zwar nur ein halber, aber immerhin ein ganzer Mensch. Wir haben an dieser Stelle nur unsere Satzung etwas anpassen müssen und betrachten jetzt das Wesen als Ganzes, und zwar vor der Verarbeitung. Und das Problem war gelöst.

AB: Das ist krank …

Bomelheinz: Nein, das ist die Nahrungskette, Natur ist nun einmal brutal. Und mal ganz ehrlich, wer sich selbst zum Fisch macht, riskiert nun einmal einen Angler, der es auf seine Gräten abgesehen hat. Wir haben hier lediglich eine interessante Marktlücke in der örtlichen Versorgung mit Meeresfrüchten gefunden.

AB: Aber das sind auch keine echten Meerjungfrauen?!

Bomelheinz: Ist uns auch aufgefallen, in einigen nicht bestätigten Fällen soll beim Sägen der Schwanz aus Silikon bestehen. Da sehen Sie aber mal ganz ehrlich, wie Meerjungfrauen drauf sind. Da werden unschuldige Landbewohner drauf gebracht, sich einen künstlichen Fischschwanz an zu legen und BUMM:

Wir sind hier die Bösen!

Aber das halten wir da ehrlich gesagt ähnlich wie die Schokoladenhersteller.

AB: Was hat das mit Schokolade zu tun?

Bomelheinz: Nun, was glauben Sie denn, wie viele unschuldige Käfer, die sich von der Kakaobohne ernähren, aus Versehen mit in der Schokolade landen? Da kräht aber letztendlich kein Hahn nacht, und hier ist es nicht anders. Vernünftig filetiert und liebevoll gewürzt merkt es doch kaum einer. Und das hat natürlich aus betriebswirtschaftlicher Sicht hochinteressante Perspektiven…

AB: Da hoffen wir inständig, dass der Trend bald abebbt und Meerjungfrauen zu selten werden, so dass sich das nicht mehr lohnt.

Bomelheinz: Wie gesagt, haben wir interessante betriebswirtschaftliche Perspektiven durch unsere Betrachtungsweise erhalten. Und sollte dieser Fall eintreffen, haben wir bereits Pläne in der Tasche.

AB: Verraten Sie es mir?

Bomelheinz: An einem anderen Standort, den ich noch nicht öffentlich bekannt geben will, arbeiten wir bereits an einer “Mermaid Production Fascility”

AB: Sie reden von einer Meerjungfrauenschule?

Bomelheinz: Also jetzt werden Sie aber wirklich etwas sadistisch und abartig, obwohl eine gewisse Analogie zu finden wäre, wenn man bedenkt, dass die kleinen Delikatessen ihren Platz in der Nahrungskette schnellstmöglich lernen sollen. Nein, ich rede wirklich über eine Fabrik, an dessen Ende in Fischtanks vorbereitet Meerjungfrauen herauskommen. Der Rohstoff sind da natürlich entsprechend interessierte Frauen und – logischerweise –  künstliche Fischschwänze, die wir ihnen in unerwarteter Qualität günstig anbieten inklusive Testschwimmbecken, um die Leckerbissen an ihr kurzes Leben als Meerjungfrau zu gewöhnen.

AB: Wie soll das denn funktinoieren… Ich meine …?

Bomelheinz: Das ist der raffinierte Schachzug: Lebensmittelkonformer Kleber im Fischschwanz- und fertig ist die echte Meerjungfrau. Gründlich verarbeitet dürfte das hinterher niemandem weder auffallen noch wirklich interessieren.

AB: Und wenn sich keine mehr meldet … ?

Bomelheinz: Diesen Fall haben wir natürlich mit bedacht und haben eine Meinungsforschungseinrichtung mit entsprechenden Falltüren im Boden gleich mitgeplant. Einmal unten im Schalldichten “mentalen Vorbereitungsraum” angekommen, bekommt nur diejenige Essen und Trinken, die auch Meerjungfrau werden möchte. Sie sehen also, auch hier läuft alles absolut freiwillig. Sie muss ja nicht zustimmen.

AB: Dass es aber dann niemals echte Meerjungfrauen sind, ist Ihnen egal … ?

Bomelheinz: Immer diese Detailfragen… Drücken wir das mal so aus:

Offiziell wissen wir hier in der Verarbeitung von nichts, aber um Fehler zu vermeiden, bekommt natürlich jede Meerjungfrau vor dem eigentlichen Verarbeitungsprozess die Möglichkeit, zu zeigen, dass es kein echter Schwanz ist. Wenn es so ist, kann sie den doch ausziehen, oder?

Und unsere Vereinssatzung macht den moralischen Schalldämpfer bei diesem Rumgejammer und den Beteuerungen, es handele sich um eine Verwechslung und sie wären reingelegt worden:

Es sind offiziell Fische, und Fische sprechen nicht.

Und sollte wider erwarten doch mal jemand zuhören,  sind Meerjungfrauen nicht unbedingt für ihre Ehrlichkeit bekannt. Und DAS ist eine seit Jahrhunderten bekannte Tatsache.

SO, ich hoffe, alle Ihre Fragen sind beantwortet, wie es dazu kam, dass wir als “die Bösen” in der Presse gehängt werden sollen. Ganz im Gegenteil, wir lieben sogar Meerjungfrauen, sie sind eine unersetzbare Größe in unserem schönen Ort geworden, und wir wünschen uns noch viele weitere Meerjungfrauen, die wir hier geliefert bekommen.


Einen Tipp gab uns Herman Bomelheinz noch mit auf den Weg:

Wenn wir durch den Ort wandern, sollten wir unbedingt den ortsansässigen Souvenierladen des Anglervereins besuchen. Als Besonderheit bietet dieser Souvenierladen nämlich wunderschöne und liebevoll gearbeitete Meerjungfrauenschwänze aus zweiter Hand an, die man wirklich benutzen kann.

Und zwar zu unschlagbaren Preisen…

Und Wir ?

Wir werden Klein-Grützenhoven wohl niemals wieder betreten, aber wohl auch niemals wieder vergessen.

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Parkplatzgeflüster

Erinnert Ihr Euch noch an die Parkplatzkrise, das bedeutenste Politikum im Universum, gleich bei einer Galaxis in einem Spiralnebel, in einem Sonnsensystem dort, bei einem kosmischen Staubkrümel, mitten auf einer Landmasse, in Europa, in Deutschland, in Hamburg, in einem Stadtteil davon, in einer Nebenstraße auf einem Parkplatz für 5 1/2 Autos?

Man, war DAS wichtig, oder?

Naja, wichtig muss es ja gewesen sein, denn es haben zahlreiche Menschen gelesen und wohl auch geschmo… ‘tschuldigung … geschmunzelt. Wer es noch einmal nachlesen möchte:

Link: Der Parkplatz

Ach ja, das Leben könnte so endlos schön und einfach sein, wenn da nicht – nein, nicht die bösen, sondern die unglücklichen oder frustrierten Nachbarn wären, die nichts besseres zu tun haben, als diesen bedauernstwerten Zustand mit allen zu teilen, da ja geteiltes Leid bekanntlich auch halbes Leid ist. Das im Umkehrschluss Menschen, die das tun, nicht unbedingt beliebte Gesellschafter sind und eher als Nervensäge wahrgenommen werden, ist dabei ein zu vernachlässigender Faktor, schließlich ist das bestätigendes Futter für den eigenen Frust:

Keiner hat mich lieb!

Ein Zustand, den man beliebig mit den lieben Nachbarn in der ganzen Straße lästernderweise teilen kann. Das sich keine Socke für derart viel negative Kreativität interessiert, der wiederum… – Ja, ein Teufelskreislauf ist geboren. Jetzt kommt die Frage, was das alles mit diesem Parkplatz zu tun hat?

Ganz einfach: alles.

Nun denn, ich gebe zu, jenes ist nicht unbedingt die Antwort, mit der ein Normalsterblicher etwas anfangen kann, aber es handelt sich hierbei um die einmalige Gelegenheit, mit dem Umfeld in Kontakt zu kommen und bei der Gelegenheit das eigene Leid unter das Volk zu kegeln. Und wie es immer so ist, wird irgendwo jemand umfallen. Oder dankbar sein für diese Auswüchse, denn anders würden Geschichten wie diese einfach nicht zu Stande kommen, gelle?

Jaja…

Wer sich aufmerksam die Geschichten durchgelesen hat, wird feststellen, dass ich mehrfach mit dem Thema “Auto” zu kämpfen hatte. Das Grundproblem dabei war ausgelöst worden, dass ich zwar ein Fahrzeug besaß, es aber leider mit Getriebeschaden kaputt gegangen ist. Die Reparaturkosten haben sich einfach nicht mehr gelohnt, und so habe ich es schweren Herzens verkauft.

Kurz darauf kam die Nummer mit dem Parkplatz. Allerdings hatte ich da schon kein Fahrzeug mehr und obwohl die nette Dame auch mal quer auf meinem Parkplatz parkte, habe ich mich damit auch nicht weiter aus ein ander gesetzt. Warum sollte ich auch, denn ein Parkplatz ohne Auto ist naheliegenderweise nicht den Streit wert. Und da wir dieses Jahr erheblich weniger Veranstaltungen haben als in den vergangenen Jahren, müssen wir da auch nicht so oft mit einem größeren Transporter zum be- und entladen rauf. Und wenn sie in dem Fall im Weg ist, kann man es über die Verwaltung klären lassen, dass sie bitte den von ihr gemieteten Parkplatz nutzt. Außerdem habe ich die Winterzeit genutzt und weitaus bessere Systemzelte gebaut, die günstiger, kleiner und effizienter sind. Es ist also fraglich, ob wir wirklich diese übergroßen Straßenkreutzer benötigen.

Da wir aber nicht ganz auf einen fahrbaren Untersatz verzichten können, habe ich mir ein neues Auto gekauft, erheblich kleiner, aber dafür auch im Stadtverkehr von Hamburg gut nutzbar – man findet sogar einen Parkplatz damit. Und es ist günstiger, als sich immer einen Wagen mieten zu müssen. Zynischerweise wurde er mit Sommerreifen ausgeliefert und jetzt haben wir im Norden Deutschlands plötzlich 50cm Neuschnee, gleich nach den ersten neuen Frühlingsstrahlen mit den ersten sommerlichen Temperaturen des Jahres.

Dem aufmerksamen Leser dürfte jetzt nicht entgangen sein, dass sich aus dieser Kausalkette ein strategischer Wendepunkt in der liberalen Haltung gegenüber der Parkplatznutzung durch Fremdparker anbahnt.

Hier die mathematische Formel:

1 = Auto
2 = eingezäunter Parkplatz
x = Entfernung in m zum nächsten freien Straßenplatz bei Regen
y = maximale Parkzeit
f = Freude am Parken

1+((2-x)y)=f²

Kurz gesagt:

Die Freude über einen solchen Parkplatz kann erstaunlich hoch werden, wenn man in einer Großstadt wohnt. Die Rechnung würde auch aufgehen, wenn es den Schmollma- Faktor nicht gäbe:

f=0

Daraus resultiert:

1+((2-x)y)=0²

Egal wie man es also dreht und wendet, man hat am Ende also keinen Spaß an seinem Parkplatz, dafür wird der Schmollma-Faktor schon sorgen.

Dabei fing alles so harmlos an:

Ich kaufte mir ein neues Auto, und wartete auf die Auslieferung durch den Händler meiner Wahl. Da ich unterdessen viel lange Weile hatte, habe ich mich bedingt durch die schöne Frühlingszeit aufgemacht, einen ersten Testaufbau meiner überarbeiteten Standzelte zu machen, und zu schauen, was ich verbessern könne, neue und verbesserte Layouts, Verbesserung der Kompaktheit, etc. Das ist normal, der Frühlingsbeginn ist in aller Regel immer so.

Wie ich mich da also der ersten Frühlingsstrahlen erfreute und zu allem Überfluss sich der erste Testaufbau einer experimentellen Standkonstruktion auch noch “aus der Tüte” einsatztauglich und effizient herausstellte, kam der Anruf von meinem Händler:

“Ihr Auto wird am Freitag geliefert, machen wir einen Termin zur Übergabe?”

Man, fing der Tag gut an:

nicht nur, dass ich wusste, wann mein Auto geliefert wird, nicht nur, dass die Experimentalkonstruktion genau so funktioniert, wie ich es mir vorstelle, nicht nur, dass die Zeltstoffe mit Ausnahme von ein paar Kleinigkeiten voll in Ordnung sind, nicht nur, dass das Wetter mit mäßig böhigem Wind mitspielt und das Aufbauen unter den richtigen Bedingungen möglich ist, nein, es ist auch noch ein richtig schöner, warmer und trockener Frühlingstag und ich hatte nichts weiter auf dem Zettel!

Da wird man doch jetzt sagen:

Meine Güte, bei so einem Tag kann doch gar nichts mehr schief gehen, hat der ein Glück!

Aber dann kam ein Wagen um die Ecke gebogen und parkte mal wieder gewohnt quer mittig, um gleich drei Parkplätze zu verbrauchen. Frau Schmollma aus dem Nachbarhaus ist wieder da. Ich dachte mir, das sei ja passend, da könnte ich mein Glück teilen und sagen, dass ich den gemieteten Parkplatz künftig auch wieder brauchen würde.

Und das Unglück nahm seinen Lauf:

“Wieso?” kam als Erstes die Antwort.
“Naja weil ich ab Freitag wieder ein Auto habe und es hier parkt”
“Na, das muss man erst einmal sehen.”

ich wüsste jetzt nicht, was man da sehen sollte, es ist ein gemieteter Parkplatz.

“Außerdem: Haben Sie einen größeren oder kleineren Wagen gekauft? Wir müssen erst einmal gucken, ob der dann auch noch hier rauf passt.”

Gut, wenn sie das so sieht, also gab ich zu bedenken: “Ich wollte lediglich bescheid sagen, dass ab Freitag bitte dieser Parkplatz wieder frei ist.” “Wieso? Ich parke gar nicht so, ich habe es jetzt nur eilig. Und ich habe noch ganz viel aus zu laden.”

Dummerweise stand sie vor einem leeren Wagen. Ich gab es zu bedenken und fragte höflich nach: “Warum können Sie denn den Wagen nur hier ausladen, und nicht dort, wo sie gemietet haben?”

“DAS GEHT SIE NICHTS AN!!!!”

Da ich an dieser Stelle nicht weite rkam, versuchte ich einen alternativen Ansatzpunkt: “Also wenn Sie hier so mittig und schräg stehen, und anschließend dort vorne noch jemand parkt, komme ich nicht mehr richtig raus.”

“ACH WAS! DIE PARKT SOWIESO IMMER GANZ VORNE! IST DER NEUE WAGEN DENN SO VIEL GRÖßER!?”

“Nein, der ist etwas kleiner, aber wir nutzen den viel dienstlich, und wenn wir nicht richtig raus kommen, dann gibt es Probleme.”

“WAS SOLL DAS, DROHEN SIE MIR??? SIND SIE NOCH GANZ DICHT ODER WAS?”

“In Ordnung, ich wollte Sie lediglich bitten, ab Freitag wieder weiter links auf ihrem Parkplatz zu stehen, wenn ich nicht auf meinen Parkplatz komme, gibt es Probleme.”

“JAJA, ABER JETZT HABE ICH ES EILIG UND SOWIESO! NU BIN ICH WEG!”

Joa, das ist alles in allem doch eigentlich ganz gut gelaufen. Mal abgesehen, dass man für dieses Sozialverhalten eigentlich hätte … ach was soll’s. Diese Plantschkuh ist in der ganzen Straße als Nervensäge bekannt, und ab auch noch in einer eigenen Geschichte als leuchtendes Beispiel für progressive Nachbarschaftlichkeit verewigt, was will man also mehr? Aber da es ansonsten ein so unsagbar schöner Tag war, sollte man sich selbigen nicht durch so etwas vermiesen lassen. Also bin ich zurück zu meinen Zelten, habe die neugierigen Nachbarsblicke aus dem eigenen Haus im Garten freundlich erwidert und eigentlich mich weiter daran gemacht, meiner Arbeit nach zu gehen.

Ich weiß nicht wie viel Zeit ich damit zugebracht habe, aber plötzlich hörte man Autotürengeklapper und ein 70-Jähriger Rentner kam auf mich zugestürmt und begrüßte mich mit den Worten:

“WAS fällt Dir ein, meine Lebensgefährtin zu bedrohen, HÄ?????”
“Guten Tag erst einmal…”
“UND??? DEINE ANTWORT?”
“Öhm, meine Antwort für was?”
“WIESO BEDROHST DU …”

Ich bin auf ihn zugegangen und hab meine Hand gehoben:

“STOPP! Nummer eins, wer hat Ihnen erlaubt, mich zu dutzen?”
“…”

Es ist erstaunlich, wie Menschen reagieren, wenn man nicht eingeschüchtert, sondern offensiv auf sie zugeht. Ehrlich. “Gut, dass wir diesen Zusammenhang erst einmal geklärt haben. Und jetzt habe ich eine Frage: Worum geht das überhaupt? Das werden ‘Sie’ “, natürlich demonstrativ betont, “mir jetzt bestimmt erklären können, oder?” “NUN, SIE HABEN MEINE LEBENSGEFÄHRTIN MIT DER WEGNAHME IHRES PARKPLATZES GEDROHT! ICH WARNE SIE – ICH RUFE DIE POLIZEI!”

Unterdessen schob sich gerade eine demonstrativ wehleidige Frau Schmollma aus dem Wagen und humpelte auf zwei Krücken langsam auf uns zu und blieb in einer Entfernung stehen. Er zeigte auf sie und meinte: “SEHEN SIE? Die Frau ist auf den Parkplatz angewiesen, sie hat Rheuma UND Arthrose in beiden Knien, in den Fußgelenken und die Hände sind auch angegriffen!” Und verächtlich führte er noch an: “Wie können Sie nur mit dem Parkplatz drohen? Die Frau hat total Angst vor Ihnen!”

Das war ja eine spannende Interpretation meiner Aussagen von vorhin. Sie hat mich angepöbelt und nicht umgekehrt, dann parkt Sie falsch und nicht ich, und reagierte schwer beleidigt, wenn sie darauf aufmerksam gemacht wird, dass ein Parkplatz nicht bedeutet, dass der Wagen irgendwo stehen darf. Dann hat sie vorhin noch gelogen, da ihr Wagen leer war und anschließend hetzt sie jetzt ihren Freund auf mich, der genauso lächerlich-peinlich soziale Kontakte zu knüpfen pflegt wie sie. Ich habe hingegen lediglich darauf hingewiesen, dass es Probleme gibt, wenn ich nicht auf den gemieteten Parkplatz komme, weil sie falsch steht.

Aber OK, man muss ja fragen:

“Hier liegt wohl ein Missverständnis vor, was genau habe ich denn gesagt?”
“Sie haben sie bedroht.”
“Ja, das sagten Sie schon, aber was habe ich denn zu ihr gesagt?”
“Ich warne Sie, lassen Sie meine Lebensgefährtin in Ruhe, sonst hole ich die Polizei!”
“Dann gehe ich davon aus, dass Sie mir nicht mitteilen wollen, was ich genau zu Ihrer Lebensgefährtin gesagt haben soll? Ich weiß nämlich genau, was ich gesagt habe. Der Vergleich würde bestimmt ein Missverständnis aus der Welt schaffen.”
“Ich bin an Ihren Lügen nicht interessiert!”

Hehe, das ist ja putzig, er ist an meinen ‘Lügen’ nicht interessiert. Naja, wenn er das so will, … aber ich muss ja Form wahren:

“Na gut, möchten Sie denn wenigstens erfahren, was ich wörtlich gesagt habe? Ich habe es nämlich zufällig mit meinem Smartphone aufgenommen, dann können Sie es sich selber anhören, auch wie, Ihre Lebensgefährtin mich anpöbelte auf den Hinweis, dass ich hier künftig auch zu stehen gedenke…”

Ein reiner Bluff, aber ich wusste vorher schon, dass der daran kein Interesse hat, denn dann hätte er ja den Beweis, wie unglaublich dreist sie ihn angelügt hat und wie peinlich er sich hier gerade benimmt. Und – wie es immer so ist – wenn man solchen Menschen ein Horn hinhält, dann bläst er auch hinein und tutet ganz laut vor sich hin:

“Ich habe keine Lust, mich mit Ihnen aus einander zu setzen! ich erwarte, dass sie meine Lebensgefährtin nicht mehr belästigen und bedrohen, sonst geht das vor Gericht!”

Oh, eine klare Ansage von ihm, ich soll sie unter keinen Umständen ansprechen. Da muss man auf Nummer sicher gehen:

“Also, wenn die Frau Schmollma im Weg steht und ich nicht auf meinen Parkplatz komme, soll ich sie unter keinen Umständen bitten, sich korrekt hin zu stellen, habe ich das richtig verstanden? Ich frage jetzt nur, weil wir regelmäßig auch einen größeren Transporter mieten und der natürlich dort auch stehen darf, … ”

“NA UND, DAS IST NICHT MEIN PROBLEM!”

Na, da hat er doch den Nagel auf den Kopf getroffen, er wohnt ja nicht bei ihr und es ist naheliegenderweise auch nicht sein Problem. Streng genomm versucht er gerade sogar, ihr problematisches Sozialverhalten zu meinem Problem zu machen. Aber da er es ja selber so wollte und mit ihr wohl auch ganz genau besprochen hat, möchte ich mich da nicht weiter einmischen, und meinte nur noch:

“O.K.”

“FEIN”

Na, dann werde ich eben die Hausverwaltung bemühen, sie zu bitten, korrekt und schnell um zu parken, indem ich im Zweifelsfall den Hausmeister hinzu ziehe. Ich soll sie ja nicht bitten, weil er sonst die Polizei ruft wegen irgend einer ominösen Erpressung. Und wenn sie sich dann darüber bei mir beschwert sage ich: Ihr Lebensgefährte hat mir verboten, sie selber an zu sprechen und kurz um zu parken.

Auf jeden Fall hat das Leben mir wieder eins gezeigt, dass es niemals langweilig werden wird auf dieser Welt.

Es ist überflüssig, zu erwähnen, wie jetzt Frau Schmollmas Auto steht – zwar gerade, aber demonstrativ auf zwei Parkplätzen. Es ist also eine Frage der Zeit, wann es in die nächste Runde gehen wird, …

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Die Nebelwaldschmiede

„Wie ist das eigentlich passiert? Wo bin ich überhaupt?“, dachte Boraida schaute sich um… Das letzte, woran er sich erinnerte, war, ja, eine Art von Ruck oder Stoß und nun war er hier. Das einzige Problem ist: Was war „hier“?

Boraida sah sich noch genauer um…

Ein Wald – Und Nein, er erinnerte sich nicht mehr an diesen Ort. Er fluchte, wahrscheinlich ist ein Ast vom Baum gefallen, und hat ihn getroffen. Und jetzt kann er sich nicht mehr erinnern. Ja genau, das wird es sein! Bloß… was macht man, wenn man in einem dunklen Wald sich plötzlich nicht mehr erinnern kann, woher man kam oder wo man hin wollte? Schließlich kam er zum Schluss, dass er dieses Rätsel wohl jetzt nicht lösen wird und er auf den Sonnenaufgang warten sollte. Jetzt in Panik irgendwo hin zu laufen bedeutet, den Pfad zu verlassen, und das wäre mit Sicherheit falsch. So suchte er sich einen versteckten Ort am Wegesrand, und legte sich schlafen.

Alpträume quälten ihn die kurze Zeit, die er wohl schlief.

Schatten fielen über ihn her, irgendjemand rief etwas, immer wieder war da dieses helle Knacken, Blitzen oder Leuchten! Und dann… Blut! So endlos viel Blut! Boraida schreckte hoch aus dem Alptraum. Etwas hatte ihn GESTOCHEN! Im Traum! So etwas… so etwas gab es doch gar nicht, im Traum hat man niemals Schmerzen, nicht einmal in einem Alptraum, das weiß doch jedes Kind!

Instinktiv schaute sich Boraida die Stelle an, und da war sie, die Stichwunde aus dem grausamen Traum. Er nahm sein Messer in die Hand und schaute sich um. „Wer ist da?!“, rief er wütend, „Wer immer du bist, du
wirst diesen Ort nicht mehr lebend verlassen, du Feigling!“

Niemand antwortete.

Und dennoch: Irgendetwas stimmte hier nicht! Nicht einmal ein Tier schien hier zu sein. Lediglich der frühen Morgenstunden unwirkliches Dämmerlicht und ein toter Wald, sonst nichts. Wieso war ihm das vorhin nicht aufgefallen? Fröstelnd viel sein Blick auf die Klinge, und er bemerkte ein paar Tropfen frisches Blut an ihr. „Das kann doch nicht wahr sein…“ Fassungslos betrachtete er das Messer, und ein kalter Schauer lief ihm den Rücken hinunter. So saß er endlos erscheinende Stunden und wagte nicht, noch einmal ein zu schlafen. Was war geschehen, das er hier an diesem verfluchten Ort gelandet war?

Plötzlich stieg Panik in ihm auf, befahl ihm zu rennen. Egal wohin, Hauptsache weg von hier!

Irgendwann – er wusste nicht wann – kam Nebel auf, und die ersten Sonnestrahlen blitzten durch die ersten Zweige. Er schaute sich um, und fand einen kleinen Pfad, der sich durch den Wald bahnte. Boraida atmete auf. Endlich ein Weg. Wo ein Weg ist, da ist auch ein Haus. Irgendeine andere Seele, welche er nach dem Weg aus diesem Wald fragen könnte. Erleichtert atmete er durch machte sich auf, dieser Schauermär ein Ende zu bereiten.

Stunden vergingen.

Der Weg wandte sich wie eine Schlange durch die sanften Hügel und Täler, immer wieder schien es derselbe Baum am Wegesrand zu sein, wie im Tal zuvor. Kein Tier zu hören, nicht einmal eine Fliege summte ihr Lied.

Nur diese geisterhafte Stille.

Und dann dieser Nebel, der sich in den Bäumen verfangen hatte und seltsame Gestalten bildete …
„Verdammt, das ist bloß ein Wald wie jeder andere, jetzt reiß dich mal zusammen!“ schrie Boraida ärgerlich zu sich selbst. „Nur ein Wald, nichts weiter! Davon hast du schon mehr als einen durchwandert.“ Wie eine Rasierklinge durchschnitt seine Stimme die nebelgeschwängerte Luft, trieb hinaus und wurde verschluckt. Strafend schien die Stille ihm Schelte zu heißen, die Ruhe gestört zu haben.

Schweigend und einsam lief Boraida weiter durch den Wald, hörte nichts als seine eigenen Fußstapfen. Hinter sich sah er, wie die Sonne den Himmel in ein Meer von Purpur färbte und dann verschwand. Die zweite Nacht in dieser unwirklichen Wildnis begann. Bis tief in die Nacht folgte er dem Weg, bis er einfach nicht mehr weiter konnte. Er aß sein letztes Stückchen Brot und trank den letzten Tropfen Wasser, den er noch bei sich hatte. „Auf dich, Tod“, prostete er in die Luft, „Ich wette, du hast mich wohl gefunden!“ Danach legte er sich schlafen, und beschloss, auf den Tod zu warten.

Alpträume schüttelten ihn, …

Da war wieder dieses Donnergrollen, irgend jemand schrie etwas und dann blitzte es, gefolgt von einem sengenden Schmerz in seinem Bein. Von Angst und Panik ergriffen schreckte er hoch. Panisch schaute er nach seinem Bein, doch dort war nur eine Narbe von einer Verletzung, an die er sich nicht erinnerte. Aber der sengende und glühende Schmerz aus dem Traum verfolgte ihn weiter, er traute sich nicht, ein zu schlafen. Stattdessen dachte er nach. Warum hatte er solche Träume? So saß er den Rest der Nacht an einem Baum am Wegesrand und beobachtete, wie der Frühnebel aufzog und die Sonne ankündigte.

DING… DING … DINGDING … ZSCH…

Boraida schaute auf und rieb sich den Schlaf aus den Augen. Klingt fast wie das vertraute Hämmern aus einer Schmiede. Aber hier draußen? Mitten in der Wildnis? Vielleicht träumt er ja auch, der Beweis mit dem Schmerz funktioniert ja hier auch nicht. Irgendwo links von ihm, im Wald, war das Geräusch. Boraida dachte nach, sollte er es riskieren, den Weg zu verlassen? Hunger und Durst erleichterten es ihm, eine Antwort zu finden. So schlug er sich in die Büsche, und lief zu dem Geräusch. Ding … Ding … Um ihn schloss sich der Nebel zu einem undurchdringlichen und unheimlich wabernden Wall.

Das Geräusch wurde lauter.

„Hallo? Ist da jemand?“ Boraida bahnte sich seinen Weg durch das unerbittliche Unterholz. „Bitte, ich bin nur ein Wanderer, der sich verlaufen hat!“ Da hörte das Hämmern auf und eine Stimme antwortete: „sind wir das nicht alle?“ Boraida kam näher und sah sich um. Kein Pfad führte zu der Schmiede, sie schien wirklich einsam und verlassen mitten in diesem Wald zu stehen, umgeben von einer undurchdringlich wirkenden Nebelmauer.

„Bitte“, fragte er, „wo ist das nächste Dorf?“ Der Schmied schaute seinen Gast an: „Aber du bist doch
eben erst hier angekommen, warum so viel Eile?“ Mit diesen Worten hämmerte er wieder auf seinem Amboss und führte seine Arbeit fort. DING… DING… „Ich möchte Euch ja wirklich nicht auf die Nerven fallen, aber…“ fing Boraida an, da unterbrach ihn der Schmied knapp: „Ich bin gerade an einer kritischen Stelle!“ und hämmerte dann eine Weile schweigend vor sich hin. Schließlich beträufelte er sein Werk mit Öl und hielt es stolz in die Höhe: „Und? Wie findest du es?“ „Na ja, es ist…“ Boraida suchte nach einem passenden Wort. Das Ding sah aus wie ein zerknittertes Papier oder ein vertrocknetes Blatt. Aber mit Sicherheit nicht wie das Werk eines Meisterschmieds. „Genau!“ sagte der Schmied, „es ist alles, was man braucht.“ Damit legte er den Schmiedehammer beiseite und ging in Richtung Hütte.

„Guter Mann“, fing Boraida an, „ich möchte wirklich nicht unhöflich sein, aber wo ist das nächste Dorf? Ich muss dringend…“ Der Schmied drehte sich plötzlich um und fragte mit eisigem Blick: „Müssen? Gestern Abend hast du gar nichts mehr vor gehabt und jetzt musst du auf einmal wieder?“ Boraida spürte, wie in ihm der Zorn aufstieg: „Pass mal auf, Väterchen, es ist mir völlig egal, wer du bist, aber du sagst mir jetzt sofort wo das nächste Dorf ist, oder…“ „Oder was?“ Der alte Schmied schaute ihn erwartungsvoll an.

Unvermittelt drehte er sich wieder um und kicherte wirr: „Ich weiß, was ich jetzt mache. Ich gehe jetzt einfach erstmal was essen. Ich habe richtig Hunger.“ Boraida stürzte sich von hinten mit gezogenem Messer auf den Schmied und schrie: „Du verdammter Hundesohn, dir zeig ich, was es bedeutet, mich zu veralbern! DU warst es, der mich beobachtet hat und das schon die ganze Zeit! Ich wusste es doch!“ Mit diesen hasserfüllten Worten bohrte sich die Klinge in den Körper des Schmieds. Er riss sich mitsamt dem Messer los. Boraida nahm instinktiv den großen Schmiedehammer und schlug voller Hass nach dem Kopf. Ein Knacken – Nach endlos erscheinenden Sekunden sackte der Schmied langsam und lautlos flüsternd in sich zusammen.

Eine geisterhafte Stille waberte in diesem Augenblick in der Luft, greifbar und doch ohne Substanz. Boraida fröstelte. Irgendwie kam ihm dieses Bild bekannt vor, hatte er das schon einmal erlebt? Natürlich, in seinem Traum! Ein Stich, ein Knacken, Lichtblitze und …

Eiskalt lief ihm der Gedanke den Rücken hinunter.

Eilig durchsuchte er die Hütte des Schmieds, nahm die Lebensmittel an sich, und rannte so schnell er konnte hinaus in den Nebel in Richtung des Weges. Bloß weg von diesem verfluchten Ort! Nach kurzer Zeit fand er den alten Weg wieder und setzte seinen Weg fort. Er drehte sich auf diesem seltsamen Weg nicht einmal mehr um. „Boraida, wo bist du da nur rein geraten?“ Auch dieses Mal antwortete lediglich diese unwirkliche Stille…

Er teilte sich die Verpflegung sorgfältig ein, doch nach endlosen Tagesmärschen neigte auch sie sich dem Ende. Der Weg jedoch schien endlos zu sein. Die Zeit verging nur langsam. Boraida wusste schon lange nicht mehr, wie lange er unterwegs war. Schon vor Tagen war ihm das letzte Wasser und Brot ausgegangen und der trostlose Waldweg lief immer weiter vor sich hin. Tagsüber diese greifbare Stille und des Nachts schüttelten ihn grausame Alpträume. Eine Weile dachte er darüber nach, wer er wirklich war und was er wohl vergessen hatte, als er vor so endlos langen Tagen und Nächten hier mitten im Wald aufgewacht war. Aber nun wurde es ganz allmählich unwichtig, denn nur er war da. Ganz alleine und einsam. Als seine erbeuteten Lebensmittel zur Neige gingen, teilte er sie erneut ein, doch es half nichts.

Gnadenlos schwanden sie dahin und mit ihnen auch seine Hoffnung zu überleben. Am Ende seiner Kräfte sank er auf die Knie und sprach laut: „Tod? Auf ein Neues, das letztes Mal hast du mich ja doch nicht erwischt!“ Mit diesen Worten sackte er kraftlos zusammen und schlief ausgedorrt von Hunger und Durst ein. Früh am Morgen erwachte er, wie immer, von einem grausigen Alptraum geschüttelt. Ein Knacken, ein Donnergrollen, irgendetwas traf ihn und immer wieder das Gesicht des Schmieds. Er kauerte sich voller Panik zusammen unter einem Baum und wartete auf den Sonnenaufgang. „Tod, nimm endlich deine gnädige Hand und erlöse mich!“ klagte er. Er konnte fühlen, wie er den Verstand verlor.

Doch nichts geschah.

Oder doch? Oh er hätte schwören können, dass… – Eine Stimme? Still blieb er sitzen und lauschte. Da kam ihm doch tatsächlich jemand entgegen! Es war eine Frau und sie sang ein Lied. Nun, sie musste von irgendwoher gekommen sein, vielleicht ein Dorf. Sie kann er fragen. Also stand er auf und mühte sich den Weg entlang, ihrer Stimme entgegen. Schließlich, in einem seichten Tal kam sie ihm entgegen.

Sie tanzte und sang.

Als sie Boraida sah, kam sie freudig angelaufen und begrüßte ihn herzlich. „Willkommen Fremder…“, kicherte sie, „hast du dich verlaufen?“ „Nein.. ja… also ich weiß nicht.“ fing Boraida an. Er hatte mit Vielem gerechnet, aber nicht mit dieser Situation hier. „Na, dann komm doch einfach erstmal mit mir mit.“
schlug sie fröhlich vor. „Sehr gerne!“ Boraida war einfach nur glücklich, endlich nach so langer Zeit einen anderen Menschen zu treffen. „Wie ist denn dein Name?“ Sie schaute ihn fröhlich an: „Ich bin Anna.“ So liefen sie gemeinsam den Weg entlang, allerdings zurück durch das Tal, aus dem er gerade kam.
Nach einer Weile fragte Boraida: „Darf ich fragen, wohin wir gehen?“ Sie kicherte fröhlich: „Zum Schmied! Er ist der einzige hier weit und breit, und er wollte mir etwas ganz besonderes schenken.“

Abrupt blieb Boraida stehen.

Selbst wenn sie den langen Weg schaffen würden, der Schmied war doch von ihm erschlagen worden „Anna…,“, fing er vorsichtig an, „findest du nicht, das es etwas weit ist, um einfach mal eben dort hin zu gehen?“ Anna schaute ihn mit einer Mischung aus Unverständnis und Neugier an und deutete auf den sanften Hügel, der vor ihnen lag: „Wieso? das ist doch gleich da oben, links vom Weg.“ Als er ihrer Hand mit den Blicken folgte, hörte er es:

DING… DING… DINGDING…

Er war bis zum Ende seiner Vorräte tagelang gewandert, und jetzt… nein, es muss eine andere Schmiede sein! „Kommst du?“, fragte sie und zog ihn an der Hand weiter. Er ließ sich mitziehen, teilweise aus Neugier, teilweise weil er gar nicht so recht wusste, was er tun sollte. Hatte ihn sonst jemand gesehen? Eigentlich nicht, und das hieße, er könne gleich als unschuldiger Zeuge zufällig auftauchen. Heimlich ließ er das leere Bündel, welches er dem Schmied geklaut hatte, hinter einem Baum verschwinden und ließ sich von ihr mitziehen.

Sie erreichten den Hügel und schlugen sich dort in das Unterholz. Nach ein paar Metern erreichten sie einen kleinen Pfad, welcher sich in Richtung Schmiede schlängelte. Anna kicherte: „viele finden den kleinen Pfad nicht, und bahnen sich einen Weg quer durch das Unterholz.“ Boraida wurde abwechselnd heiß und kalt – irgendwie kannte er den ganzen Ort hier. So wenig kann er doch nicht gewandert sein in all den vielen Tagen!

Schließlich kamen sie um die Ecke und … da stand er, der Schmied!

Anna lies seine Hand los und rannte freudig auf den Schmied zu, um ihn zu begrüßen. „Hallo Anna!“ rief der Schmied und umarmte sie herzlich. Dann blickte er auf und schaute Boraida direkt in die Augen. „Wer ist denn dein Freund?“ „Ach, nur ein Wanderer, der sich verlaufen hat.“ Der Schmied wandte sich Anna wieder zu: „Sind wir das nicht alle?“ Kichernd sagte sie: „Ich glaube, er muss ganz dringend irgendwo hin…“ Der Schmied nahm Anna in den Arm und ging mit ihr zur Hütte. Beiläufig sagte er: „Jetzt gehen wir erst einmal essen, ich habe einen riesigen Hunger. Boraida hingegen war der Hunger in diesem Moment vergangen.

Was zum Teufel war hier los?

Stunden vergingen, und nach einer Weile kam der Schmied aus seiner Hütte und ging direkt zum Schmiedeblock, um seine Arbeit zu beginnen. Boraida saß etwas abseits, und wartete auf Anna. Sie kam nicht. „Schmied?“, fragte er, „Wo ist Anna geblieben?“ Der Schmied antwortete ohne einmal auf zu sehen: „Hier ist niemand.“ Boraida stand auf und meinte genervt: „Das kann nicht sein, ich bin mit Anna den Hügel hier hinauf gekommen.“ Der Schmied legte sein Werkzeug beiseite und schaute ihm direkt in die Augen Dann sprach er fest: „Jüngelchen, behauptest du etwa, dass ich lüge?“ Boraida glaubte zu spüren, wie der Blick ihn zu durchbohren schien, bis tief in die Abgründe seiner eigenen Seele.

Er erwiderte den Blick und fragte standhaft: „Wer bist du?“

Der Schmied taxierte ihn noch einige Sekunden, drehte sich auf einmal um und begann, etwas Eisen in sein
Schmiedefeuer zu legen. „Nur der Schmied.“, meinte er, „Nicht mehr und nicht weniger.“ „Der Schmied?“ – Boraida wurde wütend – „Der Schmied von was?“ Er antwortete nicht, tat so, als ob diese Frage niemals gestellt worden wäre. Boraida ging gerade auf den Schmied zu: „Ich habe eine Frage gestellt, höflich wäre eine Antwort! Der Schmied von WAS bist du?“ Mit diesen Worten packte er den Schmied an der Schulter. Da wirbelte er herum und fixierte Boraida mit einem eiskalten Blick: „Nur der Schmied von dem, was du siehst.“ „Und…“, fing Boraida verärgert an, „was sehe ich?“

Der Schmied fing an zu lachen: „Eine Schmiede, was sonst?“

Boraida schlug ihm mit der Faust so hart ins Gesicht, dass er zu Boden ging und Blut spuckte. „Also, fangen wir noch einmal an, du bist der Schmied von WAS? Ich hätte gerne ein paar Antworten auf meine Fragen, oder…“ „Oder Was?“, der Schmied stand auf und schaute Boraida erwartungsvoll an. Anstatt eine Antwort ab zu warten griff der Schmied mit seinen Tellergroßen Händen nach Boraidas Hals und drückte ihm die Luft weg. „Du glaubst doch nicht wirklich, dass sich die Geschichte wiederholt oder?“ raunte er grinsend ins Ohr. Boraida spürte wie etwas seine Kehle zuschnürte und die Lungen zu brennen begannen – nach Luft schrien! In Panik griff er nach seinem Messer an der Hüfte und warf es. Er traf das Bein des Schmieds, doch der lachte nur gehässig. „Stock und Stein, brechen mir ein Bein, oh…“ Im Todeskampf trat und schlug er wild um sich, doch die eisernen Pranken des Schmieds hielten ihn wie Zangen fest und pressten gnadenlos das Leben aus seinem Leib. Irgendwann sank endlich dunkelroter Nebel, der den
Blick verschwimmen ließ. Das letzte, das er noch vernahm, war das wirre Lachen des Schmieds.

Dann wurde es dunkel, still und leer.

Boraida saß senkrecht im Gebüsch. Neben ihm lag Anna … und schlief? Er stubbste sie an. „Anna?“, fragte er. Sie räkelte sich und rieb sich dann den Schlaf aus den Augen. „Guten Morgen!“, rief sie fröhlich. Er dachte nach. Immerhin lebte er noch, also schlecht konnte der Morgen schon einmal nicht sein. Aber wie ist er hierhin gekommen? „Hast du mich hierher gebracht?“, fragte er. Sie schaute ihn fragend an: „Ne, wir sind von dahinten gekommen und haben uns hier schlafen gelegt.“ Dann kicherte sie „Und du hast im Traum gesprochen. Ist ja lustig, was du alles geträumt hast.“ Er dachte nach. Na ja, das würde wohl vieles erklären. Wenn ALLE Erlebnisse bis jetzt ein Traum gewesen waren, dann würde es bedeuten, dass…

Er schaute nach den Stichwunden, die er immer im Traum erlitten hat.

Sie waren nicht da. Keine einzige. Also doch ein Traum? Misstrauisch blickte er sich um. Die rötliche
Morgensonne blitzte durch die Zweige und hier und da zwitscherte ein Vogel sein Morgenlied, eine Biene
summte vorbei. Er öffnete seinen Vorratsbeutel. Ja, da waren noch viele Lebensmittel, mehr als genug. Und er hatte Hunger. Es ist als hätte er tagelang nichts gegessen. Naja, dachte er sich, bestimmt alles nur Einbildung, bei einem so echt erscheinenden Traum. „Hast du Hunger, Anna?“ fragte er, als er das Frühstück vorbereitete. „Oh ja“, antwortete sie, „ich könnte ein ganzes Spanferkel verdrücken. Aber Brot wird es auch tun, denke ich.“ Dann kicherte sie.Er dachte nach, was wollten sie hier eigentlich noch,
irgendwie ist es ihm entfallen. Naja, dachte er sich, sie wird es bestimmt wissen. Also fragte er vorsichtig mit einem schiefen Grinsen: „Und was machen wir nach dem Frühstück?“ „Och…“ antwortete sie und warf sich demonstrativ zurück in ihr Bett aus weichem Waldboden zurück, „wie wäre es, wenn wir hier bleiben, und einfach mal rasten? Wir sind ja schließlich nicht seit gestern unterwegs. Und der Schmied läuft uns nicht weg.“ Sie streckte sich genussvoll auf dem weichen Boden und kicherte. Er setzte ein schelmisches Lächeln auf, aber in seiner Kehle spürte er nichts anderes als einen erstickten und
lautlosen Schrei.

Nach dem Frühstück gingen sie gemeinsam einen sanften Hügel hinauf. Jenen, den er schon so oft gesehen hatte im Traum. Nur der Wald war nicht als ewiger Grabhügel dem Tode geweiht, still und eisig, sondern voller Leben. Kaninchen spielten am Wegesrand, Vögel sangen um die Wette und das Stakkato eines Spechts stimmte munter mit ein. Boraida wusste nicht, wo er zuerst hinschauen sollte, so viel gab es zu entdecken und zu sehen. Anna tanzte neben ihm glücklich den Weg hinauf und freute sich über jedes Wesen, welches sie sah. Welch sonniges Gemüt, dachte sich Boraida, so was hatte er noch nie erlebt. Unvermittelt blieb sie stehen und kniete sich dann hin, um mit irgendjemandem zu reden. „Hallo, Herr Hummel“, fing sie an, „Wie ist das werte Wohlbefinden?“, kicherte sie. Boraida schaute ihr neugierig über die Schulter und auf einer Butterblume am Wegesrand saß wirklich eine Hummel und brummte mit den Flügeln. „Ist nicht war, echt?“, staunte Anna, „Und das habt ihr gemacht?“ kicherte sie wieder. „Aber findet ihr das nicht etwas unfair?“ Boraida stubbste sie leicht an: „Was… ähm… was machst du da, Anna?“ „Och,“ meinte sie knapp, „ich hör mir nur den neuesten Klatsch und Tratsch an. Du glaubst ja gar nicht, was seinem Vetter dritten Grades hier in der Nähe passiert ist, BOA…!“ „Öh… ja… also…“, fing Boraida an, „findest du nicht, das es etwas wichtigeres gibt, das wir tun müssen?“

Sie stand auf und schaute ihn mit ihren bleigrauen Augen an.

„Was denn?“, fragte sie neugierig. „Also ich gehe nur zum Schmied, weil du zum Schmied gehen willst.“ „Aber ich dachte, du hast … „, fing sein Protest an, aber irgendwie fand er nicht die richtigen Worte, da er ja alles nur geträumt hatte. Und das hieße, dass Anna eben nicht auf den Weg zum Schmied ist. Wenn er sich doch nur erinnerte, was er tun wollte, verdammt noch eins! „Was hast du denn wichtiges zu tun?“, bohrte sie nach. „Das hast du mir überhaupt noch gar nicht erzählt!“ Er glaubte ein Funkeln in den Tiefen ihrer Augen zu sehen, als sie bemerkte, dass da ein Messer war in seinem Ego, welche sie genussvoll herumdrehen kann. „Naja, …“ sagte er hilflos, „ist so ‚ne Art von Geheimauftrag, da darf ich nicht so reden.“ Sie nahm ihn bei der Hand und zog ihn weiter: „Na denn mal los, Herr Geheimnisträger!“ Schweigsam lief er mit.

DING DIND DING…. DINGDING … ZSCH…

Unheil verkündend dringen die Geräusche der Schmiede durch den Wald. Je mehr sie sich der Schmiede näherten, desto stiller wurde es. Es war, als wenn die Natur und alles Leben respektvoll Abstand hielt vor diesem Ort. Anna zog Boraida gnadenlos in diese eisige Stille. Er lies sich mitziehen. „Komm schon, oder traust du dich nicht?“, flötete sie fröhlich dabei. Er seufzte, dachte nur noch daran, diese schicksalhafte Begegnung hinter sich zu bringen und endlich …ja…wohin eigentlich dann zu gehen?Vielleicht ist diese Schmiede ja wirklich das Einzige, was er im Augenblick noch hat in seinem Leben?
Plötzlich standen sie vor der Abzweigung. Nebel legte sich wie aus dem Nichts über das Land und
die Zeit schien still zu stehen. Nur noch er, Anna und diese verfluchte Schmiede waren da. „Na los jetzt, du Wanderer!“ Anna zog ihn gnadenlos in das Unterholz. Die Dornen ritzten ihn an den Versen und er stolperte mehr als nur einmal. Und dann standen sie vor der Schmiede.

Da stand er, der Schmied.

Doch sein Anblick, Boraida gefror das Blut in den Adern. Ein Auge des Schmieds war rot gefärbt und er hatte Würgemale am Hals! Das Bein war verbunden von einer Stichwunde. Er sah seine beiden Gäste an und sagte nichts. Schaute einfach nur, mehr nicht. Schließlich zerschnitt Anna diese Stille mit ihrer fröhlichen Stille: „Ich habe ihn wiedergefunden, den verlorenen Wanderer. Ist das nicht toll?“ Der Schmied nickte: „Ja, die Träume finden alles.“ Anna kicherte: „Meinst du, er verläuft sich wieder?“ Der Schmied schaute aus seinem blutroten Auge heraus Boraida groß an und zuckte dann mit den Schultern: „Das wird sich zeigen.“ Mit diesen Worten drehte er sich um und schmiedete weiter.

DING … DING … DINGDING… ZSCH

„Äh… Herr Schmied?“ Der Schmied hob die Hand: „Einen Augenblick, ich bin gerade an einer kritischen
Stelle!“ Anna ließ Boraidas Hand los und lief zum Schmied hin. Der Schmied hielt ein glattes Blatt Metall hoch und Anna fragte: „Und, ist es fertig?“ Der Schmied nickte, und antwortete: „Lass uns was Essen gehen.“

Damit nahm er Anna in den Arm und sie gingen zu der Hütte hinüber.

Boraida blieb alleine zurück, und sah sich um. Auf dem Amboss lag noch das glatte Metallblatt. Neugierig ging er hin und nahm es in die Hand. Seltsame Linien und Figuren waren darauf zu sehen, aber er konnte nichts erkennen. Und dennoch, es war ihm alles bekannt. Fasziniert betrachtete er die Linien.

„Ja, das ist für dich, Jüngelchen…“

Boraida zuckte zusammen, er hatte gar nicht bemerkt, wie der Schmied wieder herausgekommen war. „Wo ist Anna?“, fragte er. „Überall und Nirgends.“ antwortete der Schmied, „Hast du sie nicht erkannt?“ „Du meintest, Träume finden alles… Ist sie das? Ein Traum?“ Boraida schaute den Schmied fragend an. „Sie, Du, Ich… ist das wichtig, wer wessen Traum ist? Du bist hier.“ „Wie bin ich hierher gekommen?“ Der Schmied schaute Boraida aus seinem roten Auge an: „Wie alle, die hierher kommen, wenn sie nicht wissen, wohin sie gehen sollen.“ „Wie oft war ich schon hier?“, fragte Boraida. „Ist das wichtig?“, meinte der Schmied. Boraida runzelte die Stirn… „nicht wirklich“ antwortete er. „Aber woher komme ich? Bin ich tot?“ „Nein“ antwortete der Schmied, „Tot bist du nicht. Andrerseits, was ist schon der Tod, wenn du nicht gelebt hast oder weißt, wo dein Leben ist?“ „Ich möchte nur wissen, wer ich bin, und wie ich nach
Hause zurückkomme.“ „Möchtest du wirklich dein altes Leben zurück?“, fragte der Schmied. „Deswegen bin ich hier, oder? Mein altes Leben ist irgendwie gestorben und ich wusste nicht wohin?“ Der Schmied sagte: „Das weiß ich nicht, warum du hier bist. Du bist aber hier, und das ist die Tatsache.“ Boraida schaute sich das metallene Blatt an, und sah, wie sich feine Linien darauf abzeichneten, in den hellsten Farben glitzerten. „Ich halte hier mein altes Leben in der Hand, oder? Ist es denn besser als der neue Weg?“ Der Schmied zuckte mit seinen Schultern: „Es ist ein neuer Weg. Du kannst alles sein, was immer du willst. Träume leben. Oder wieder dorthin zurück, wo du hergekommen bist.“ „Wie bin ich denn hierher gekommen?“, fragte Boraida. „Nun, du wusstest nicht mehr, wo du sonst hin gehen solltest. Alle kommen dann zu mir.“ „Und wer bist Du, Schmied?“ Statt einer Antwort drückte ihm der Schmied eine kleine Dose in die Hand: „Das hier ist für dich, da sind alle Antworten enthalten die du brauchst. Es ist ein Glücksbringer für die Zukunft.“

Boraida öffnete die Dose und sah sich selbst in einem Spiegel.

Lange Zeit betrachtete er sich selber im Spiegel, bevor er eine Entscheidung traf. Er legte das metallene
Blatt ins Feuer und betrachtete, wie die Linien rot aufglühten und dann verschwanden. Dann sprach er: „ich bin ein Wanderer, der sich verlaufen hat…“ Der Schmied antwortete: „Sind wir das nicht alle? Was suchst du denn, Wanderer?“ Boraida suchte nach einer guten Antwort und sagte nach einer Weile langsam: „Ein neues Leben.“ Der Schmied klopfte ihm auf die Schulter: „Lass uns doch erst einmal was essen, ich habe einen riesigen Hunger…“ Schweigend aßen sie zusammen. Dann fragte der Schmied: „Und, wohin geht die Reise nun?“ Boraida legte das Messer auf den Tisch und lächelte:

„In die Berge, ich habe gehört, dort kann ich auf dem höchsten Gipfel die Sterne pflücken…”

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Autohassende Autofahrer

Ja, so kann es einem passieren, wenn man so mir nichts, dir nichts auf einer Party eingeladen ist, auf der man eigentlich weder etwas zu suchen hat, noch irgendwie sich damit identifizieren kann, was da so „abgeht“.

Fairerweise sei jetzt vorher mal was gesagt, ich bin – auch wenn ich es kann – kein überzeugter Autofahrer. Das hat viele Gründe, vor allem aber wirklich das Verkehrsaufkommen in der Großstadt sowie das unübersichtliche Parkplatzproblem.

Und wenn ich die Wahl habe zwischen meiner Spielkonsole oder einem guten Buch in der Bahn und hinter dem  Steuer sitzend zu fluchen, da mal wieder kein Parkplatz zu bekommen ist, wähle ich eher die Spielkonsole oder ein Buch und komme entspannt am Ziel an.

Ich fahre nicht gerne Auto, aber auf Grund meiner Selbständigkeit und meinem Tätigkeitsfeld ist es hin und wieder nicht zu vermeiden. Und man kann sagen, was man will, ein intelligent eingesetztes Fahrzeug kann viel – wirklich sehr viel – Stress nehmen und die Lebensqualität steigern.

Und ja, ich finde auch, dass zu viele Autos unterwegs sind, ich bin auch der Meinung, dass ein übergroßer SUV in der Innenstadt von Hamburg eigentlich nichts zu suchen hat. Ich stelle sogar die durchaus gewagte These auf, dass 40 – 60 Prozent des allgemeinen Straßenverkehrs absolut überflüssig sind und aus reiner Bequemlichkeit und fehlendem Verständnis für das Konzept eines Autos entstehen:

Ich habe ein Auto, also muss ich es auch bei jeder sich bietenen Gelegenheit nutzen, und sei es, um einfach amit zum nächsten Zigarettenautomaten zu fahren.

Das weiß ich genau, weil ich die Strecken mit dem Auto UND mit der Bahn gefahren bin. Zeitersparnis mit dem Auto: 5 bis 7 Minuten – Kosten für Sprit, Autoabnutzung, etc. deutlich über dem, was eine Fahrkarte pro Tag kostet. Und ich habe Zeit zum Schreiben, Spielen, Rumspinnen, kann die halbe Strecke mit meiner Lebenspartnerin zusammen fahren, und, und, und.

ich gebe aber zu, ich liebe mein Auto, denn es macht Spaß, es einfach nutzen zu können, wenn der Regen vom Himmel fällt. Und Wenn ich wirklich mal mit meinem ganzen Hobbygedönse in den Kurzurlaub will, genieße ich auch den Luxus, einfach mal etwas mehr als üblich einpacken zu können.

Kurz:

Ich denke wirklich, dass zu viele Autos wirklich überflüssig unterwegs sind, ich handele auch entsprechend, und stehe hinter meiner Meinung. Und nein, ein Auto weniger zu nutzen hat in meinem Fall tatsächlich nichts mit Umweltschutz zu tun…

Aber soviel zu mir, … jetzt geht es weiter…

Ich bin zu einer Volksbelustigung vorgelagen worden, die sich Halloweenparty nennt. Das war auch nicht ganz fair gewesen, aber ich konnte meine Lebensgefährtin schlecht mit dem Desaster alleine lassen und deren Kinder waren eingeladen. Außerdem liebe ich sie und gehe gerne mit, wenn Sie wohin geht. Und sie wollte da nicht alleine stehen, wo dann auch der Kern des Problems auftauchte.

Ich bin hier mit Menschen, denen ich sonst trotz aller Diskusionsfreude intuitiv aus dem Weg gegangen wäre, plötzlich auf engstem Raum kollidiert – und das zynischerweise am Abend von Halloween, zu der Zeit, da die Welt der lebenden und der Toten sich so nahe sind wie niemals sonst im Jahr. Und wer sich in Gefahr begibt, wird bekanntlich auch (hirn)totes finden.

Übrigends, das war auch das erste und das letzte Mal, dass ich auf dieser Party aufgetaucht bin und auch in den Folgejahren nie wieder diese komische Siedlung betreten habe. Nun, kommt die Frage, die wohl jeden interessiert:

Was zum Geier ist da vorgefallen?

Die magische Insel nennt sich „Autofreies Wohnen“ – wer sich dorthin begibt hat kein Auto und will auch gar keins haben. Deswegen geht man dahin. Und aus keinem anderen Grund. Eigenrlich eine logische Schlussfolgerung. Außer…. ja… außer… es handelt sich um die berühmten Paragraf-5-Wohnungen für Menschen, die

1. kein Auto haben
2. kein Auto haben wollen
3. sich auch keins leisten können und denen das ganz genehm ist, dann mit anderen zusammen zu sitzen und die ganze Zeit nichts anderes tun als gegen die bösen Autofahrer zu wettern, die Achse des Bösen und der Umweltverschmutzung per se, die Straßenrowdies der Neuzeit, die man allesamt nicht hoch genug besteuern kann, um ihnen einen Denkzettel zu verpassen, weil sie nichts besseres zu tun haben, als edlen Fußgängern den Raum zum Atmen zu nehmen, und die den Fahrradfahrern verbieten wollen, auf einer Straße zu fahren, wenn daneben ein ausgebauter Radweg sei und sowieso, wer ein Auto hat, muss sowieso viel zu reich sein und wer zu reich ist, kann gerne den Armen mehr abgehen, damit alle etwas davon haben, weil es ja nicht angehen kann, dass die in einer Gegend wohnen müssen, wo Autos Mangelware sind, aber wer braucht die schon, wir nicht, und ferner ist Mann schuld, weil ich bin eine aleinerziehende Mutter, die hier wohnen muss, un die böse Baufirma auf dem Gelände noch weitere Wohnblöcke baut, auch wenn es vorher schon bekannt war.

Oder so ähnlich. …

Als wir dazu kamen, war bereits die Diskusion über die bösen autofahrenden, Kinder mutteralleinelassenden und viel zu Rücksichtlosen in vollem Gange und wurde dadurch unterbrochen, dass die gesamte Kinderschar auf die Startplätze zum Halloweensammeln gebracht wurden. Und es waren erstaunlich viele Kinder in dieser autofreien Siedlung unterwegs, so dass es organisierte Truppen von 10 Kindern gab, die geschickt von Wohnblock zu Wohnblock geschleust wurden.

Nachdem die Kinder also in eine dieser Naschikommandos eingeteilt waren, standen wir uns zunächst die Beine in den Bauch… und nachdem es am 31. Oktober nach Sonnenuntergang überraschenderweise kalt wurde, schichen wir uns in den Vorraum eines dieser Wohnhäuser, der extra zum Warten offen stand und in der sich schon einige Eltern versammelt hatten.

Dummerweise keine Pärchen, sondern alleinerziehende Mamis.

Was da los war, als wir zu zweit auftauchten, kann man sich vorstellen:

Zunächst war da eisiges Schweigen, gefolgt von bösen und neidvollen Blicken. Und dann … noch mehr Schweigen und vorwurfsvolle Blicke. Und dann eisiges Schweigen und vorwurfsvoll-neidische Blicke. Und dann… kam ein einsames Hallo zur Begrüßung. Überflüssig, zu erwähnen, dass es ein eisiges, neidisches, und vorwurfsvolles Hallo war…

Nun, wenn man schon in so einen Partyhaufen gerät, hilft nur mitmachen. Also stellten wir uns mit genervten Gesichtern mit dazu – das war auch nicht wirklich schwer, weil wir von dieser Halloween-Party-Aktion wirklich genervt waren. Für die Kinder ist das ja alles nur ein riesenspaß, aber einfach nur dabei zu stehen und nichts zu tun, ist der Bringer, da kann man sich sowieso nichts besseres vorstellen.

SO, nachdem wir uns also zum nichtsmachen beschlossen haben, lockerte sich so langsam wieder die Stimmung die die ganzen selbstüberzeugten Mamis kehrten zu ihrem Ursprungsthema zurück, das Lästern.

„Habt ihr schon gehört, wie die tatsächlich unser schönes Haus verschandeln wollen, indem sie tatsächlich noch eins bauen wollen? Das geht nun nicht, weil ich sonst für mein Kind keine Abendsonne mehr im Fenster habe…!“ Verständnisvolles Nicken aller Beteiligten. „Genau“, kam da die Antwort, „ erst bauen die unser schönes Haus und dann bauen sie noch eins dazu!“

Ja, so kann man es natürlich auch sehen, wenn man auf eine halbe Baustelle zieht, bei der es von Anfang an geplant war. Aber dann ging es erst richtig los: „Ja, und du kannst es nicht glauben, die wollen da vorne eine Garage bauen … stellt Euch vor, eine Garage!!!“

Ein entrüstetes Raunen umzug den kleinen Raum.

„Wie kann man überhaupt nur Autofahren! So etwas tota umweltschädliches und ungesundes.“

Moment… ging es nicht eigentlich um…

„Ja genau, Autofahrer sind echt alle nicht ganz dicht. Mich hat auf der Straße letztens erst einer an der Kreuzung angefahren.“

… OK, also geht es nicht um einen Bebauungsplan, sondern um einen Beinaheunfall. Dummerweise kenne ich die Fahrerin vom Sehen und weiß, wie wichtig sie es findet, immer und überall so zu fahren, wie es nach ihrer Meinung Sinn ergibt, und nicht, wie die Verkehrsregel es gebietet. Besonders laut wurden ihre Beschwerden, als die Polizei sie deswegen tatsächlich angehalten hat. Wie man voraussetzen kann, bei Rot über eine vierspurige Kreuzung quer zu fahren, sei sinnvoll, habe ich in diesem Zusammenhang nicht ganz verstanden, aber es muss sinnvoll gewesen sein!

Und da ich ein unverbesserlich neugieriger Mensch bin, musste ich doch nachfragen: „Welche Kreuzung war es denn?“ Sie schaute mich an und meinte knapp: „Elligers Schramweg.“

Wusste ich es doch, da habe ich sie immer wieder quer mit dem Rad über die Kreuzung fahren sehen. Und das gab ich zu bedenken: „Bist du quer gefahren?“ Sie sah mich beleidigt an. „Ist das wichtig, entscheidend ist, dass der Autofahrer mich fast übersehen hätte!!!! Ich kenne mich schließlich an dieser Kreuzung aus.“

Also erstens, hätte bedeutet, hat er nicht, und zweitens ist es sehr woh wichtig, weil sie dann selber schuld war, und ihrer offensiven Reaktion nach wusste sie das auch. Und ich kenne diese Kreuzung, da sind regelmäßig „Beinaheunfälle“. Diese sind meistens dann, wenn die Fussgänger oder Radfahrer sich nicht an die Ampeln halten, sondern improvisieren. Aber OK, nachdem ich darauf nichts mehr gesagt habe, mischte sich eine ihrer Leidensgenossinnen ein:

„Ja, die Kreuzung kenne ich, die Autofahrer sind dort besonders verantwortungslos unterwegs. Das ist dort aber immer so. Und überhaupt, niemand braucht ein Auto, diese Dinger braucht echt kein Mensch!“

Oh, jetzt musste ich mich doch wieder einmischen:

„Naja,“ meinte ich, „das ist so nicht ganz richtig, manchmal braucht man schon ein Auto…“.

Nun hatte ich ihre volle Aufmerksamkeit: „N i e m a n d braucht so ein Ding. Das ist total unnötig und überbewertet.“ Das sah ich jetzt anders, zumal ich selbstständig war und hin und wieder mit meiner Ausrüstung ziemlich weit fahren muss: „Nun, ich habe bis zu einer halben Tonne Gepäck dabei, und muss schon mal weiter raus damit oder auch zum Kunden.“ „Ja na und?!“ , kam es als Antwort, „dafür kann man auch Alternativen finden als ein Auto!“ OK, dachte ich mir, wenn sie schon so gut ist: „Welche denn? Wie würdest Du eine komplette mobile Bogenbahn mit Zielscheiben, Absicherung, etc. zu einem Kunden bringen, 4 Stunden aufbauen und danach wieder damit zurück fahren nach Hause?“ „ Da gibt es genug öffentliche Verkehrsmittel, glaub mir..“ , antwortete sie sehr beleidigt.

Naja gut, das würde ich jetzt zu gerne sehen, wie sie das machen würde, wenn es ja so viele Möglichkeiten gibt aber OK. Auf eine so blöde Argumentationskette kommt auch nur jemand, der entweder kein Auto hat oder noch niemals in sochen Problemen steckte.

Glücklicherweise kam eine Ihrer Freundinnen gedankenlos daher: „Sag mal, reitet deine Tocher eigentlich noch?“ Sie drehte sich sofort zu dieser Person um: „Ja natürlich, aber es ist ein sehr sehr weiter Weg dorthin.“ „Ach, aber das lohnt sich doch, oder nicht?“ „Naja, die Bahn fährt da nicht so wie es gut wäre und außerdem fährt der Bus auch nicht so oft.“ „Und was machst du da?“  „Naja, ich leihe mir von meinem Freund das Auto und fahre meine Tochter dahin. Das ist einfacher…“

Also, fassen wir noch einmal zusammen:

1. Autofahrer sind alles Verbrecher
2. Niemand braucht ein Auto, auch nicht, wenn er eine halbe Tonne Gepäck hat
3. Wenn die Tochter wohin muss und es unbequem ist, leiht sie sich vom Freund ein Auto
4. Ein Auto ist ganz praktisch

 


Was wir daraus lernen können:

Wir sind Segelschiffe, welche sich immer nach dem Wind richten.

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