Der Warpingeneur

Wer erinnert sich noch:

“Beamen ist unmöglich, da es der heisenbergschen Regel eindeutig widerspricht!”
“Nicht, wenn wir einen Heisenberg-Kompensator zwischenschalten”
“…”


Und die Diskusion zwischen Science Fiction und realer Physik war beendet… Im gesamten Star Trek – Universum durfte seit diesem Tag alles gebeamt werden, was eben laut Drehbuch nicht zu instabil oder empfidlich war. Später stellte Captain Piccard die gewagte These auf, dass man selbst virtuelle Gegenstände aus den Holodecks beamen könne, sofern man Musterverstärker anwendet und die Heisenberg-Kompensatoren abkoppelt. Das hat aber dann doch nicht funktioniert.

Auf der anderen Seite haben die Drehbuchautoren Technologieen beschrieben, die zur damaligen Zeit einfach bizarr wirkten, aber heute, im Jahre 2015, entweder realisiert oder deren generelle Möglichkeit im Rahmen von Durchführbarkeitsstudien aufgezeigt wurden. Selbst das immer wieder auftauchende bioneurale Interface ist in seinen Grundzügen bereits erfunden.

Aber was braucht man im Jahr 2015, um auf Konventions einen guten Waprkerntechniker mimen zu können? Nun, neben einer passenden Uniform und irgendwelchem Spielzeug vor allem eines: Das notwendige Vokabular, um unglaublich wichtig zu klingen! Genau dieser Frage möchte ich heute auf den Grund gehen.

Vorweg allerdings noch ein Sicherheitshinweis

Diskutieren Sie niemals – NIEMALS – mit dem hier vermittelten “Wissen” mit einem wirklich überzeugten Trekki, der sämtliche offiziellen technischen Handbücher über die fiktive Technologie aus Star Trek gelesen und auswendig gelernt hat. Manche Menschen nehmen sehr persönlich und reagieren emotional und nicht logisch …

Und geht es los mit dem Grundwortschatz

Zu einem guten Grundwortschatz gehört, möglichst solche Füllworte zu verwenden, die eigentlich jeder kennt, und richtig angewendet einfach nur bombastisch und gebildet klingen:

– aktiv
– relativ
– pro
– multi

Das war doch nicht so schwierig, oder? Was noch fehlt, sind ein paar Vokabeln, um den Ort zu beschreiben, in dem sich ein Problem befindet:

– primär
– sekundär
– tertiär
– sub

Dazu braucht man noch ein paar wichtig klingende Hauptworte:

– Phase
– Matrix
– System
– Neutrino
– Plasma
– Defekt
– Quanten
– Emission
– Laser

Diese Hauptworte kann man in fast jedem nur erdenklichen technischen Zwischenfall benutzen, um irgend etwas zu erklären oder auch nicht – aber lesen Sie selber, wie man folgendes Szenario zu einem echten Problem werden lassen kann …


Es liegt typisches Problem auf einem Raumschiff vor, ein Sensor hat ungewöhnliche Messergebnisse erhalten und ein Problem gemeldet. Also fragt die Brückencrew natürlich im Maschinenraum nach und bekommt neben einer Bestätigung auch einen erste Fehleranalye präsentiert:

Wir haben scheinbar einen Defekt im primären Bereich des tertiären Subsystems im sekundaren Plasmafluss der Systemmatrix.
Die Messwerte zeigen deshalb einen ungewöhnlichen Anstieg in den Neutrinowerten durch den Quantenausstoß im Antrieb.

Und was man dagegen tun kann:

Nun, man könnte einen proaktiven Multiphasenlaser an die betroffenen Plasmaleitungen legen, dass sollte die Emissionen relativieren, aber mittelfristig sollten wir das beschädigte Teil doch austauschen.

Grundsätzlich hat man hier nur drei Ausagen gemacht:

1. Ja, der Motor ist etwas lauter und es qualmt am Auspuff mehr als sonst.

2. Das ist normal für einen solchen Motor, aber wir haben da so ein Dingsbums, dass so was unterbinden kann. Ach ja, und dieses Dingsbums ist kaputt.

3. Wenn es den Captain stört, können wir natürlich erstmal ein Kaugummi an die richtige Stelle kleben. Macht zwar das Dingsbums nicht wieder heil, aber qualmt halt dann nicht so viel.


Der Grundwortschatz basiert also auf Worten, die wirklich exisitieren, und deren Anwendung zumindest grundlegend in einem plausibel klingenden Zusammenhang stehen. Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, was ein proaktiver Multiphasenlaser überhaupt sein soll, er ist mir in diesem Moment gerade eingefallen, und ich habe im Nachhinein noch das eine oder andere Wort in der Liste weiter oben ergänzt. Wichtig ist in diesem Zusammenhang also weniger was man von sich gibt, sondern wie! Es muss so natürlich und normal klingen und dabei so technisch wirken, dass der Gesprächspartner die Aussage abnickt, weil man das Problem “so” gar nicht erklären kann, aber genau weiß, was man dagegen tun kann.

So einfach wird man zum brillanten Warp-Techniker!


Der erweiterte Wortschatz…

“Wir haben eine temporär mittelfristige und irreparable Unterbrechung in der Energiekopplung, die primäre Phase führt keinen Elektronenfluss mehr. Die Funktionalität kann jedoch wiederhergestellt werden, in dem man mit einem manuellen Oberflächenstrukturmanipulator eine temporäre Energiequelle in die integrierte Vorrichtung implementiert.”

“Das Netzteil ist kaputt und wir brauchen ein neues. Bis das da ist, könnte man mit einem Schraubendreher das Batteriefach aufschrauben und eine Batterie verwenden …”

Wenn es um das Beschreiben geht, ist die deutsche Sprache einmalig. Tatsächlich gibt es kaum eine Sprache auf der Welt, die sonst noch so endlos viele komplexe Möglichkeiten erlaubt, eine einfache Handlung beschreiben. Das hängt damit zusammen, dass im Deutschen unter anderem zwei Worte, die eigentlich gar nichts mit einander zu tun haben, zusammengesetzt eine völlig neue und andere Bedeutung bekommen können, die im richtigen Kontext verwendet wiederum noch etwas anderes bedeuten kann. Daraus ergeben sich unendlich viele Möglichkeiten, neue Wortkreationen und -kombinationen zu erfinden. Und genau das macht diese Sprache so komplex und vielschichtig.

In unserem Fall hat das nur Vorteile:

Ich habe oben einen Schraubendreher als “manuellen Oberflächenstrukturmanipulator” bezeichnet. Die Erklärung dafür ist eigentlich ganz einfach. Ich nehme den Schraubendreher und drehe damit eine Schraube aus dem Gehäuse. Damit manipuliere ich zwangsläufig die Oberfläche von dem Gehäuse. Hätte ich einen Akkuschrauber benutzt, bei dem ich auf einen Knopf drücke um die Schraube drehen zu lassen, wäre es übrigens ein “semi-automatischer partiell autonomer Oberflächenstrukturmanipulator”. Verwende ich einen Schraubedreher oder Akkuschrauber, bei dem ich unterschiedliche Köpfe einsetzen kann, dann kann ich dem Begriff noch ein “adaptiv” hinzufügen.

Das Spiel kann man mit fast jedem Werkzeug machen:

Was ist zum Beispiel eine “biomechanische Kompressions- und Destabilisierungsvorrichtung mit erweiterten Kompetenzen” ?

Bei diesem seltsamen Werkzeug handelt es sich um einen handelsüblichen Hammer. Und die erweiterten Kompetenzen sind der Möglichkeit geschuldet, dass man auch einen Nagel in die Wand hauen kann, es handelt sich also nicht um einen Vorschlaghammer, da der entweder spezielle oder rudimentäre Kompetenzen hat – es kommt auf den Blickwinkel an.

Und jetzt stellen wir uns einfach mal vor, dass wir uns beliebige Werkzeuge erfinden dürfen!


Um noch einmal das Beispiel von ganz oben auf zu greifen:

Wir haben scheinbar einen Defekt im primären Bereich des tertiären Subsystems im sekundaren Plasmafluss der Systemmatrix.
Die Messwerte zeigen deshalb einen ungewöhnlichen Anstieg in den Neutrinowerten durch den Quantenausstoß im Antrieb.

Und was man dagegen tun kann:

Nun, man könnte einen proaktiven Multiphasenlaser an die betroffenen Plasmaleitungen legen, dass sollte die Emissionen relativieren, aber mittelfristig sollten wir das beschädigte Teil doch austauschen.

Die ungestellte Frage ist natürlich hier, wie man einen Multiphasenlaser so einstellt, damit er an einer Plasmaleitung proaktiv arbeiten kann?

Die Antwort ist einfach und brilliant:

Wir brauchen für die optischen Leiterbahnen einen orduthedaxen Relativitätswandler, der die allgemeine Phasenkonvergenz assimilieren und proaktiv adaptiert re-emittieren kann. Völlig sinnbefreit, aber klingt super.

Und welches Werkzeug benötige ich dafür?

Logisch: Einen “Restriktiven Multispektralen Mehrphasenregulator”, denn sonst können wir ja die Phasenkonvergenz nicht rekonfigurieren, was eine allgemeine Assimilation unmöglich macht.

Nicht verstanden ? – EGAL! Hauptsache, es klingt wichtig.


Wo findet man die Fachbegriffe

Nun, das ist ganz einfach, es gibt insgesamt 725 Episoden aus dem Star Trek – Universum sowie 12 Kinofilme. Seit 1966 (!) ist Star Trek fast ununterbrochen in Kino und Fernsehen präsent! Wir haben nächstes Jahr also 50-Jähriges Jubiläum. Nur Dr. Who mit seiner TARDIS ist da noch länger so konsequent unterwegs, hat aber keine Kinofilme…

Es ist also gar nicht schwer, und wer im Internet nach Inspiration und Begriffen sucht, wird auf jeden Fall fündig werden.

In diesem Sinne:

Lebt lang und in Frieden!

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