Der Wirtschaftsexperte

Wenn man glaubt, es geht nicht mehr, wird sich irgendwo immer wieder jemanden finden, der einem eines Besseren belehrt.

Und …

Wer jetzt glaubt, dass es von Vorn herein schon immer so war, ja, der hat Recht gehabt. Wir erleben es Tag für Tag, da ein kleines Lichtlein vor sich hin glüht und versucht, alle anderen zu über(be)lichten.

Heute bei einem Lebensmitteldiscounter…

An der Kasse steht ein ca. 62 Jahre alter Mann. Das ist im Prinzip ja nichts ungewöhnliches, da jeder irgendwann auch einkaufen gehen muss, sofern er etwas zu Essen im Kühlschrank haben will. Soweit lief auch alles noch ganz gut – Er hat die Sachen, die er kaufen wollte, auch auf das Fließband gelegt und wartete nun darauf, dass er an der Reihe ist, und seine ausgewählten Einkäufe abgerechnet werden können.

Normalität an Kasse 3, wie es tagtäglich mindestens millionenmal in Deutschland passiert und bislang zwar etwas nervig, aber ansonsten nicht erwähnenswert ist. Ja, … wäre da nicht Ansatzweise dieser Mann gewesen:

Zunächst fiel seine teure Kleidung auf. Das ist für sich auch noch nichts besonderes, viele Menschen haben teure Kleidung. Aufsehen erregte er jedoch mit seinem Verhalten, als die Kassierin eine Tüte mit Pilzen ohne Strichcode hin hielt und meinte, diese müssten auf jeden Fall erst noch gewogen werden – Er habe es vergessen.

Nun, der Discounter hat für diesen Fall in Kassennähe extra eine Waage stehen, mit der Kunden dieses nachholen können, während die Kassierin weiter die Ware abrechnet. Unser Freund war von seinem selbstsicheren Auftreten etwas abgerückt und wirkte leicht bestürzt und verunsichert, als er mit einem direkt Auftrag einer Kassiererin zur Waage geschickt wurde und wirkte wie jemand, der sich in seinem Treiben ganz genau beobachtet fühlte.

Es dauerte ewig, bis er den Knopf für die Pilze auf der ansonsten automatischen Waage gefunden hatte – eine Zeit, die ihm eindeutig sehr zu schaffen machte, da unterdessen die Kassiererin erst einmal Dosen und Brot über den Strichcodeleser zog und er – als er zurück kam – sich einer ganzen Anzahl von aufgetürmten Waren gegenüber sah, die noch nicht wieder im Einkaufskorb lagen und ganz offensichtlich niemand Anstalten machte, ihm zu helfen.

Und dann fiel der Kassierin zu allem Überfluss auch noch auf, dasss noch mehr Gemüse und Obst auf dem Band lagen, die alle nicht mit Strichcode aus der Waage versehen waren. Paralell wuchs die Schlange von wartenden Kunden, die bereits unruhig wurden.

Um nun Zeit zu sparen, ist die Kassierin selber aufgestanden und hat die Tüte mit den Äpfeln zur Waage gebracht, später kam noch ein Kollege hinzu, ihr zu helfen. Die betont höfliche und hilfsbereite Art, mit der die beiden dabei vorgingen, zeigte ihm, dass er mehr als nur einen Fehler gemacht hatte und er jetzt nichts mehr dagegen tun konnte, um diese ganze Situation noch zu retten. Unser Freund stand dem entsprechend sehr unsicher und irgendwie verzweifelt daneben, unfähig, bei dem Treiben seinen Beitrag leisten zu können – außer unruhig und verunsichert lächeln zu können und in einem gewählten Akademikerdeutsch sich zu bedanken. An der Stelle fand er auch seine Selbstsicherheit zurück, es handelte sich um einen Vorgang, den er gewohnt war. Wie es von Außen wirkte, schien er nicht überhaupt nicht zu realisieren.

Nachdem die Einkäufe eingeladen waren, kam es zum Höhepunkt: Dem Bezahlen.

Er zückte eine Kreditkarte und legte sie auf den Tresen … und erstarrte. Die Dame an der Kasse eröffnete ihm, dass Kreditkarten nicht akzeptiert werden, ausschließlich EC oder Bahrzahlungen möglich seien. Er war nun endgültig ratlos, weil seine Kreditkarten nicht akzeptiert werden würden und gab dieses auch zu bedenken. Die Dame an der Kasse erklärte wiederholt, dass er entweder Bargeld oder Electronic Cash mit Pin verwenden müsse. Jetzt wusste er gar nicht mehr, was er tun sollte und holte in seiner Hilflosigkeit noch einmal sein Portemonaie heraus, klappte es auf und holte 22 Kredit- und Kontokarten heraus, und suchte die Karte, die in diesem speziellen Fall – einem Discounter an der Kasse – zu benutzen sei. Die Dame an der Kasse war bewundernswert ruhig und höflich, was ihn nur noch mehr verunsicherte, da im Umkehrschluss die Gesichter der anderen wartenden Kunden eindeutig verrieten, dass die Geduld mit seinem hilflosen Verhalten langsam ein Ende fand.

In seiner absoluten Verzweiflung holte er große Scheine aus dem Portemonaie hervor und bezahlte seinen Einkauf doch in Bar. Er war also nicht im Stande, unter all seinen Karten, die er besaß, eine EC-Karte zu finden, er hat nicht einmal gewusst, was das ist.

was dieser Mensch auch immer für einen Beruf hat oder in welcher gehobenen Position er sich gerade befindet:

Tragisch ist, dass ein Mensch, der gemäß Kleidung und Auftreten in einer hohen Position tätig ist und mit einer Unterschrift ganze Existenzen im Namen der großen wirtschaftlichen Zusammenhänge vernichten könnte, auf der anderen Seite nicht einmal im Stande ist, auch nur die einfachsten Dinge im täglichen Leben wie das Kaufen von Pilzen zu erledigen, sobald es keinen netten Menschen mehr gibt, der ihn in dem Moment fast wie ein Kind die Hand nehmen muss.

Irgendwie traurig, oder?


Ihr habt auch solche Erlebnisse gehabt? Schreibt sie in die Kommentare!
Wir freuen uns 🙂

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