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Der Jäger

Komisch, wenn Du im Licht einer einzigen Laterne Dich umschaust in diesem Märchenwald, wie viele Schauergestalten Du sehen kannst. ich wundere mich nicht, warum die Dörfler gerade diesen Abschnitt als „Märchenwald“ ansehen und selbst die Holzfäller es meiden, hier dem Tagewerk nach zu gehen.

Naja, ich als Jäger kenne mich in diesen Wäldern aus, aber mir glaubt keiner, wenn ich sage: „Dieser ist alles, aber weder ein Zauberwald noch ein Märchenwald“ Eine solche Geschichte eignet sich nur, um Kindern Angst machen, damit sie nachts nicht mehr in den Wald gehen. Recht so! Dieser Wald ist bei Nacht gefährlich, wenn auch nicht durch Mythen und Zauberei. Und dennoch, immer wieder laufen bei Nacht Kinder in den Wald… . Wisst Ihr eigentlich, was mich immer wieder ärgert? Diese Dörfler verlassen sich zu sehr darauf, daß ich sie wiederfinde und zurück bringe. Wie auch in dieser Nacht. Sie suchen ein paar Stunden und dann verschwinden sie wieder in ihr Dorf und sagen sich, morgen ist auch noch ein Tag. Und wehe, man hört im Wald noch einen Wolf irgendwo heulen. Dann laufen sie wie aufgeschreckte Schafe um ihr Leben. Und ich bin es dann, welcher hier alleine durch den Wald läuft und das Kind zurück bringt, wohl wissend, daß niemand mir auch nur ein bisschen Anerkennung zollen wird.“ Ärgerlich machte sich der Jäger alleine auf die Suche nach dem Kind. Er liebte diesen Wald, besonders dieses Stückchen, wo die höchsten Bäume stehen. Sehr oft hatte er früher mit seiner Tochter hier den Sonnenaufgang abgewartet, wenn die ersten Strahlen sich durch die Nebel bohrten und sie in die höheren Zweige vertrieb. Und eines Morgens war sie einfach nicht mehr da. Weggelaufen, eines Nachts mitten in den Wald. Er hatte sie nie wieder gefunden, und er trug die alleinige Schuld, hat die Haustür nicht abgeschlossen! Die Dörfler ließen ihn im Stich. Haben sie eigentlich jemals ein Kind wiedergefunden, wenn es sich nachts im Wald verirrte? Er kann sich nicht daran erinnern.

Er erinnerte sich noch gut daran, als seine eigene Tochter vor so vielen Jahren im Wald verloren gegangen ist. „Wir können nicht mehr tun…“ haben sie gesagt und sind umgedreht. Sie ließen ihn alleine in diesem Wald. Und wann immer er auszieht auf Jagd, sucht er nach seiner Tochter. Die Dorfjugend machte sich inzwischen lustig über ihn, und manch seltsames Gerücht über finstere Rituale, nach denen er sein Kind – seine einzige Tochter – geopfert haben soll, um mehr Macht zu bekommen über die alten Waldgeister. Er hatte sich schon damit abgefunden, doch der Schmerz sitzt tief.

So wanderte er durch die mondlose Nacht. Immer dichter und finsterer wurde der Wald im Schein seiner kleinen Laterne. Vorbeihuschende Schatten, die ihn umgaben, umgarnten und locken wollten… . Er schloß die Augen. „Trugbilder!“ , sprach er laut zu sich selber, „So etwas gibt es nicht!“ Als Antwort auf diese Frechheit hörte er im Wind ein leises Seufzen und ein Flüstern, der ihm einen kalten Schauer den Rücken hinterlaufen lies. Schon oft war er in mondloser Nacht hier im Wald auf Pirsch, aber dieses mal ist es anders. Er hatte das Gefühl, gejagt zu werden, Opfer in einem abartigen Spiel, welches ihn zur Beute machte. Was wäre eine schönere Beute als ein Jäger, welche die Tricks und Kniffe seine Opfer kannte? Er verwarf diesen Gedanken schnell und fing an, ein altes Kinderlied zu pfeifen. Für kurze Zeit half es, aber er wagt es nicht, sich um zu drehen. Nebel kam auf und zog in Schwaden langsam durch den Wald. Im Schein der Laterne sah der Jäger unwirkliche Gestalten, welche mit Tentakeln nach ihm greifen wollten, doch jedes mal, wenn er seine kleine Lampe ihnen entgegen stellte, scheuten sie zurück und wagten sich niemals näher heran als bis zum Rand des schwachen Lichtkegels. Trotzig schob der Jäger seine Lampe vor und schrie in die finstere Nacht: „Was wollt ihr von mir! Ich habe niemals etwas unrechtes getan!“ Als Antwort bekam er das schwache Schluchzen eines Kindes, irgendwo gar nicht weit weg vor ihm. Entschieden und mit festem Schritt bahnte er sich den Weg durch das feuchte Unterholz und lief auf das Schluchzen zu. Noch ein paar Minuten und er wird nicht mehr alleine sein. Die Laterne hoch haltend betrat er eine Waldlichtung. Die Nebelgeister zuckten vor ihm scheu zurück. Weit entfernt sah der Jäger eine Gestalt mitten auf der Lichtung, ein kleines Mädchen, welches zusammengesunken an einem Stein lehnte.

„Hallo, …“, sagte der Jäger sanft, als er sich langsam näherte, „keine Angst, ich bin hier, um dir zu helfen.“ Das kleine Mädchen umarmte ihn und hielt sich schluchzend fest. „Ich habe angst…“ flüsterte es in sein Ohr. „Brauchst du nicht, ich bin jetzt da. Sag mir doch, wo kommst du her?“ „Ich weiß es nicht“, antwortete das kleine Mädchen, „ Ich war schon immer hier.“ Er nahm das kleine Mädchen auf den Arm und schritt mit ihr durch den Wald in Richtung des Dorfes. „Wir finden deine Eltern schon.“ beruhigte er sanft das Kind auf seinen Armen.

So liefen sie in einer mondlosen Nacht durch den Wald. Das kleine Mädchen in seinen Armen schaute ihn mit bleigrauen Augen an und fragte nach seinem Namen. Dem Jäger erschauerte es unter dem Blick des Kindes, irgendwie schienen diese Augen ihn zu durchbohren. „Ich bin Piet, „ log er. Irgendwie wollte er diesem Kind einfach nicht erzählen, wer er wirklich war. Das Mädchen kuschelte sich an ihn und ihre kalten Hände zogen ihm die Wärme aus den Gliedern. „Ich bin Marie,“ sprach sie schutzsuchend, „bleibst du bei mir?“

Es ist schon lange her, aber dieses Kind erinnerte ihn stark an seine eigene Tochter, selbst der Name war gleich. Ihm wurde unheimlich. „Wir finden schon deine Eltern,“ wich er ihrer Frage aus. Der Nebel und die Finsternis wurde langsam drückend und Feuchtigkeit legte sich auf seine Kleidung. Er begann immer mehr zu frieren. Selbst die Flamme seiner Laterne schien sich zu verdunkeln und nicht mehr so warm und einladend zu leuchten. Er wischte diesen Gedanken bei Seite. Die Augen und seine Fantasie spielten ihm einen bösen Streich, hier in diesem Wald ist nichts, was er fürchten müßte! Und dennoch, er kam sich sehr einsam vor, auch wenn er nicht alleine war. Die Kälte fraß sich seine Beine hinab in die Füße, lähmten ihn allmälich. Immer noch schaute ihn das kleine Mädchen an, wärend sie, so kam es ihm vor, immer weiter in die Dunkelheit liefen, anstatt den Morgen endgegen. „Was hällst du von einer kleinen Pause, Marie?“, fragte er, wärend er sie absetzte und sich ein paar Minuten Pause gönnte. „ist es noch weit, Piet?“, fragte Marie Er schaute sich um…

Wo war er eigentlich? Er hat doch jedes Stückchen Wald hier schon durchwandert in den letzten 20 Jahren, aber dieser Ort kam ihm völlig fremd vor. „Noch eine Stunde etwa.“, log er sie wieder an. Ihre bleigrauen, forchenden Augen machten ihn nervös, und er wich ihrem Blick aus, indem er sich seinem Rucksack zuwandte und etwas zu Essen heraus zog. „Hast du Hunger, Marie?“

Mit jeder Minute, die sie hier saßen, schien die Dunkelheit und der Nebel dichter heran zu kriechen und sie verschlingen zu wollen. Was den Jäger aber nun besonders störte, war diese unnatürliche Stille, es ist, als ob die Welt den Atem anhielt und beobachtete, was sich hier an dieser Stelle ergab. So etwas hatte er noch nie erlebt. Langsam wurde ihm zumindest wieder warm, und so packte er seine Sachen geräuschvoll und hieß Marie, daß es an der Zeit wäre weiter zu gehen.

„bringst du mich jetzt nach Hause?“, fragte Marie auf seinem Arm. „Ja, „, versprach er, „ich werde dich nach nach Hause bringen.“ Das kleine Mädchen schmiegte sich wieder an ihn und wärmte sich die eiskalten Hände.
Wie lange waren sie so unterwegs? Er wußte es nicht mehr. Irgendwann ist die Laterne aus gegangen und in der Finsternis und dem Nebel lief er festen Schrittes weiter, bis er nicht mehr wußte, wo er noch hin gehen sollte. So beschloss er, auf den Morgen zu warten, legte sich hin, und das Mädchen kuschelte sich in seine Arme. Frierend schloß er die Augen und versuchte, noch ein bisschen zu schlafen, bis die frühen Sonnenstrahlen ihn wecken sollten. Dann, so war er sich sicher, würde er genau wissen, wo er sich ist und den Weg nach Hause finden…

Am nächsten Morgen kam ein Holzfäller aus dem Wald und hieß einigen, mit zu kommen. Er hätte den Jäger gefunden. Er war tot. Und in seinen Armen hielt er noch immer zärtlich das Skelett eines kleinen Kindes, ein Mädchen.
Doch erschrocken waren alle über den Gesichtsausdruck. Sein Gesicht lächelte, als habe er gefunden, was auch immer er suchte. Doch seine hohlen Augen ließen eindeutig erkennen, daß seine Seele nicht freiwillig aus dem Körper gezogen wurde.
Und noch etwas war seltsam:

Dort, wo die Überreste des kleinen Kindes seinen Körper berührten, waren Erfrierungen zu sehen. Und trotz allem schien der Körper nicht wirklich tot zu sein. Der Jäger und das Kind wurden gemeinsam beerdigt, auf daß ihre Seelen gemeinsam einen Weg nach Hause finden. Niemand wagte es, diese beiden Körper zu trennen.

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Das Licht der Feen

“Die Welt war einst in Dunkelheit gehüllt. Am Tage herrschte der mächtige Tagstern, in der Nacht seine Schwester, die Mondin mit all ihrer Schönheit. In dieser Zeit, da die Sterne noch nicht am Firmament hell strahlten, lebte eine kleine Grille. Ihre Aufgabe war es, den Hahn zu wecken, damit er des Morgens laut den Tagstern begrüßen konnte. Dafür schenke die Mondin ihr eine kleine zirpende Geige. Die Grille war glücklich. Jeden Abend begrüßte sie mit ihrem Lied die Mondin, wenn sie sanft das Himmelszelt emporkletterte. Und jeden Morgen, wenn der Feuerball des mächtigen Tagsterns mit seinen flammenden Armen den Himmel feuerrot färbte, begrüßte sie ihn mit einem wunderschönen Lied. Die Grille liebte ihre Aufgabe, und sie spielte meisterhaft ihr kleines Instrument.

Eines Nachts schaute sie in das schwarze samtene Tuch, welches den Himmel umsponn, und fragte sich, warum der Himmel in der Nacht nicht auch so schön leuchtet wie am Tag. Nachdem die Grille sich einen ganzen Monat lang den Kopf darüber zerbrochen hatte, fragte sie schließlich die Mondin: “Bist du nicht traurig darüber, daß der Himmel nicht rot,blau, gelb, orange und in vielen Farben leuchten kann, wie er es bei deinem Bruder macht?”

“Nun,”, antwortete die Mondin in einem hellen uns sanften Ton, “das ist die besondere Magie meines Bruders. Dank ihm schillern auch die Regenbögen in den buntesten Farben, an deren Ende die Kobolde ihren Topf mit Gold verstecken. Ich gönne es ihm.” Die Grille schaute hinauf zur Mondin: “Dafür bist du geheimnisvoll und wunderschön. Aber du mußt auf deinem Weg durch das Himmelszelt sehr einsam sein, …” Die Mondin sprach da leise: “Die Herzen dieser Welt schauen zu mir auf, und bitten mich, ihnen Liebe zu schenken. Wie kann ich da einsam sein?”Darauf wußte die Grille auch keine Antwort.

So vergingen die Tage und Nächte. Die Grille sah, wie der Himmel sich purpur färbte, der Tagstern die Regenbögen zum Erstrahlen brachte und am Ende des Tages in einem feurigen Rot sich von der Welt verabschiedete. Und dann legte sich das samtene Tuch der Nacht über das Land und mit ihm kam die magische Stille, wenn die Mondin erschien. Das konnte doch nicht sein, daß die Mondin nur eine schlafende Welt um sich herum hat, das ist unfair! Sie, die Mondin, ist doch so endlos viel schöner, geheimnisvoll und schenkt allen Wesen auf der Erde die Liebe, und soll einsam am Himmelzelt wandern bis zum Ende aller Tage? NIEMALS!

An diesem Morgen weckte die Grille mit ihrem Lied den Hahn, wie sie es immer tat, und zusammen begrüßten sie den Tagstern, wie er rot am Himmel aufging. Doch an diesem Morgen war es anders. Mutig trat die Grille dem Tagstern entgegen und erzählte davon, wie einsam doch die Mondin am Firmament ist, auch wenn sie von jedem geliebt wird. Der Tagstern hörte aufmerksam zu und sprach in einer Stimme so schön wie die der Mondin: “Ich beschloss, den Himmel rot und blau zu färben, damit alle wissen, es ist mein Reich, meine taghelle Welt. Meine Schwester hat die dunkle Welt haben wollen, es war allein ihre Entscheidung. Ich habe nicht das Recht, über ihre Entscheidungen zu urteilen.”

Mit diesen Worten verstummte der Tagstern und ließ die Grille mit ihren kleinen Gedanken alleine. Was hatte die Mondin vor mit ihrem Reich? Diese schöne, nein, WUNDERSCHÖNE Mondin wolte doch bestimmt nicht alleine sein, und die Grille würde sie noch in dieser Nacht fragen. So beobachtete sie sehnsüchtig, wie der Tagstern über den Himmel wanderte, sich mit rötlichen und purpurnen Farben verabschiedete und die Taghelle Welt mit ihm ging. Der Himmel färbte sich purpur, wurde dunkelblau und aks er fast schwarz war, erschien die Mondin und schimmerte leuchtend über den kleinen Kopf der Grille. Da sprach die Grille: “Oh Mondin, du schönstes Wesen von allem, was es auf dieser Welt gibt, wie kann ich mich deinem Reich anschließen, auf daß es so schön wird wie du?” Die Mondin schaute hinab zu der kleinen Grille und sprach sanft: “Mir und meinem Reich zu dienen, ist eine große Aufgabe, die nur mit Liebe und Hingabe erfüllt werden kann bis zum Ende aller Tage.” Die Grille schaute hinauf und sprach: “Aber ich habe mich doch schon vor langer Zeit verliebt, und zwar in dich. Was kann es schöneres geben, als dir zu dienen? Es ist, so bin ich fest von überzeugt, meine Bestimmung.”

Die Mondin lächelte hinab, als sie jenes hörte, und leuchtete in einem sanften rötlichen und warmen Schimmer – magischer und geheimnisvoller als jemals zuvor. “Wenn es so sehr dein Wunsch ist, wie kann ich ihn ablehnen? Doch der Weg in mein Reich ist lang und voller Wunder.” An diesem morgen verschlief der Hahn, da keine Grille mit ihrer Geige ihn weckte. Erschrocken krähte er laut auf, und verneigte sich vom dem Tagstern: “Verzeiht mir, mein Herr, ich habe meine Aufgabe nicht erfüllt.” Voller Scham erwartete der Hahn seine schelte. Der Tagstern, schon hell am Himmel, sprach: “Hab keine Sorge, dein kleiner Freund, die Grille, ist auf den Weg, ihre Bestimmung zu finden. Dich trifft hier keine Schuld.”

Die kleine Grille schlief am Tage versteckt und wanderte mit der Mondin viele Nächte und unterhielt sich mit ihr, spielte ihr viele Lieder auf der kleinen Geige und tanzte dazu, so sehr freute sie sich, bei der Mondin zu sein. Schließlich erreichten sie einen alten, knorrigen Baum. “Hier ist es…”, flüsterte die Mondin geheimnisvoll, “der Eingang in mein Reich, ein Feenbaum.” Die Grille fragte neugierig: “Was ist ein Feenbaum? Er sieht so leer aus?” “Noch”, antwortete die Mondin lächelnd, “denn du wirst ihn mit Leben füllen. Und ich habe für dich, die Grille, die bermerkte, wie leer der Himmel ist, eine ganz besondere Aufgabe ausgesucht.” Der Grille wurde schwindelig, die Mondin persönlich hatte ihr eine Aufgabe ausgesucht, ein großes SChicksal? Einem so kleinen und unscheinbaren Wesen sollte es vergönnt sein, … “Was muß ich tun?” fragte die Grille voller Ehrfurcht. Die Mondin lachte, als sie sprach: “Ich habe ein Geschenk für dich, lege dich bei den Wurzeln dieses alten Baumes schlafen, und vertraue mir. Dir wird kein Leid geschehen.” Und so legte sich die Grille im Schatten des Baumes nieder und schlief voller Vertrauen ein.

Am nächsten Abend, kurz nach Einbruch der Nacht erwachte die Grille und fühlte sich irgendwie anders. Sie suchte sich einen kleinen See und schaute hinein und sah in das Gesicht einer Fee. Über ihr im Spiegel des Sees sah sie die Mondin leuchten, wie sie sanft auf ihr Kind hinab blickte. “Ja,”, sprach die Mondin auf den fragenden Blick der Grille, “das bist du, die erste aller Feen. Schau einmal zum Himmel…”

Und als die junge Fee zum Himmel erblickte, da sah sie eine Sternschnuppe über das samtene Schwarz glitzern, einer Träne gleich, so weit das Auge reichte zog sie ihre Bahn und deutete auf einen Stern. Es war weit im Norden der allererste Stern, der seit Gedenken am Himmel zu sehen ist. Seit diesem Tage heißt es, daß jedes mal, wenn ein neuer Stern am Himmel leuchtet, erblickte eine neue Fee das Licht dieser Welt. Und eine Sternschnuppe, so heißt es, ist eine freudenträne der Mondin, daß sie nie wieder alleine über das Himmelszelt wandern müßte.

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Wassergeister

Die Geschichte, von der ich Euch berichten möchte, ist die Legende eines alten  Segelschiffes, welches herrenlos auf dem Meer trieb…

Es wird berichtet, daß vor vielen 100 Jahren ein Schiff auslief, um eine neue Welt zu entdecken. Kurze Zeit später tauchte zwar das Schiff wieder auf, aber die Besatzung war nirgends zu finden. Wer dieses seltsame Schiff aber betrat, der hatte das Gefühl, nicht alleine zu sein. Irgendwie – ja – wie soll man das beschreiben, schien die Besatzung noch vor nicht einmal fünf Minuten hier geatmet und gelebt zu haben, wenn nicht sogar anwesend ist.

Dieses berichtete zumindest einer jener Matrosen, welche im Auftrag der Krone auf einem Bergungsschiff mit fuhr, das herrenlose Boot ein zu holen. Nach diesen Begebenheiten weigerte er sich vehement, noch ein einziges mal zur See zu fahren.

Was war geschehen?

Dieser Matrose war Schiffsschreiner und als solcher einer der verantwortlichen für die Reparaturarbeiten an Bord dieses Schiffes. Kurz nachdem der mitgereiste Kapitän mitsamt seiner Bergungsmannschaft überwechselte, schlug das Bergungsschiff Leck. Alle Versuche, das Leck zu finden und ab zu dichten, schlugen fehl und so beschloss man, daß das Bergungsschiff sich auf den Weg zum Heimathafen auf macht, bevor es sinken werde.

Eiligst schuf man die womöglich benötigten Materialien und Vorräte hinüber und dann lies man die Mannschaft auf dem Geisterschiff zurück.

In den ersten Stunden suchte man intensiv nach Überresten der einstigen Mannschaft und nach Hinweisen auf Krankheiten. Nichts dergleichen wurde gefunden. Doch im untersten Deck des Schiffes fand man eine kleine Luke, welche direkt zur Außenhaut des Schiffes führt, wo sich ein kleiner Hohlraum befand.

Und in diesem Hohlraum fanden sie etwas…

Es war ein kleiner Schrein, auf dem getrocknetes Blut war. In die Wände waren seltsame kryptische Symbole eingeritzt, und niemand der Matrosen konnte sie lesen oder verstand ihren Sinn. Nur seltsam war, daß der Raum aus sich selber heraus zu leuchten schien.

Was aber diesen Raum so unheimlich machte, war die Tatsache, daß nach Sonnenuntergang man in diesem Raum das Gefühl hatte, als ob das Schiff selber zu beobachten schien und wartete.

Die Reparaturen liefen zügig voran und schneller als geplant nahm das Schiff Kurs auf die Heimat. Jeder der Matrosen war erleichtert bei der Aussicht, endlich dieses Schiff verlassen zu können.

Am 4. Tag des Morgens fehlte schließlich einer der Matrosen. Zunächst nahm man an, er sei über Bord gefallen, aber die Nachtwachen auf Deck behaupteten, sie hätten derartiges bemerkt, und einer schwor, ihn gesehen zu haben, wie er nach unten stieg  durch die Luke.

Man fand ihn dort, doch sein Körper war nicht einfach tot gewesen. Er schien dort schon seit vielen Jahrzehnten zu liegen und war vollkommen ausgetrocknet. An der Wand stand eingeritzt ins Holz eine Warnung, das Schiff sofort zu verlassen.

Am folgenden Tag verschwand wieder jemand. Doch dieses mal hat ihn keiner gefunden. Man erinnerte sich daran, daß er noch am Morgen mit seltsam geweiteten Augen umherlief und sich von den anderen absonderte. Nun war er tot.

Das Schlimmste aber war, daß das Ruder brach und die Fahrt für die Aufwendige Reparatur unterbrochen werden mußte, zu weit von der Küste entfernt. Um Unruhen zu verhindern lies der Kapitän die Luke versiegeln und lies Wachen aufstellen.

Doch Zur Wachablösung waren die Wachen verschwunden….

Ein treibendes Schiff, eine verängstigte Besatzung und 3 Verschwundene Menschen sowie eine vertrocknete Leiche, welche schon 10 Jahre zwischen den Schiffsplanken lag, obwohl er mit den anderen zusammen an Bord wechselte, und dahinschwindendende Lebensmittel…

Und dann – es war der siebte Tag – verschwand der Kapitän. Als letztes sah man ihn in die Kapitänsunterkunft gehen. Nachdem man ihn nirgendwo fand, entfernten Freiwillige das Siegel von der Luke und stiegen hinab. Sie fanden die vertrocknete Leiche des Kapitäns dort unten, vor dem kleinen Altar gebeugt, mit Fesselwunden an den Handgelenken. Noch etwas lies den Freiwilligen in der Kammer das Blut in den Adern gefrieren. Die Symbole begangen stärker zu leuchten und zu pulsieren und die Matrosen glaubten, einen Flüsterkanon zu hören. Sie schienen zu flüstern: “Wir finden auch Dich”, und ein jeder fühlte sich persönlich angesprochen.

Nach der Seebestattung des Kapitäns übernahm der 1.Mart die Schiffsführung. Das Ruder wurde im Laufe des Tages repariert und endlich nahm das Schiff wieder Kurs auf in Richtung Westen, immer auf die Küste zu. Erstaunlich war, daß, je dichter man an die Küste heran kam, sich die Unfälle häuften. Seile rissen aus unerklärlichen Gründen, Haken und Ösen sprangen heraus, oder die Segel lösten sich. Schon lange glaubte man nicht mehr an Unfälle. Irgend etwas wollte verhindern, daß die Mannschaft ihr Schiff in den sicheren Hafen bringt.

Der Navigator der Mannschaft war der nächste, welcher das Schicksal der bis dato verstorbenen teilen mußte. in seiner kleinen Arbeitsstube löste sich ein Deckenbalken und zerschlug ihm den Schädel. Es stellte sich heraus, daß jemand den Balken zersägt hatte.

Von da an war klar, daß dieses Schiff einen von der Mannschaft voll in seinen Bann gezogen hatte und es nicht dulden würde, wenn der Rest zu fliehen versuchte. Die Manschaft belauerte sich gegenseitig, und auf Anweisung des Marts blieb jeder in jedermann Sichtweise und keiner läuft mehr alleine auf dem Schiff herum.

Der Schreiner schrieb in seinem Tagebuch  noch oft von diesem Augenblick, als alle hilflos standen und sich gegenseitig belauerten:


“Wir saßen und standen auf dem Deck des Schiffes und versuchten uns daran zu erinnern, daß wir Kameraden seien, Schicksalsgenossen, welche von einem Geisterschiff gefangen gehalten werden, doch die Angst vor einem Saboteur, welcher unsere Reparaturen vernichten will, ist nur noch mehr Öl in das Feuer des Mißtrauens, das und alle umgibt.

So achten wir verstohlen auf die Handgriffe unserer Genossen, und immer wieder brach Streit aus wegen Nichtigkeiten, die sonst niemand beachtet hätte. Sie können es sicherlich nicht verstehen, wie hilflos man sich fühlt, wenn man um sich herum nichts als Wasser hat und das einzige, das Sie vor dem Ertrinken bewahren kann, ist darauf aus, Sie um zu bringen…

Dieses Schiff war mit allem an Bord unnatürlich und niemand vermochte zu erklären, was nicht stimmt. Es ist immer dieses Gefühl, beobachtet zu werden. Und alle haben diesen blutigen Altar gesehen, auf dem des Kapitäns Leiche gefesselt lag, schon seit Jahrzehnten ausgetrocknet und tot. Die Fesselmale an seinen Handgelenken zeugen davon, daß er sich nicht freiwillig her gab. Aber wo war er gewesen? Und wo war Fred gewesen, der erste, dessen vertrocknete Leiche wir fanden? Auch er hatte  Fesselmale an den Handgelenken.

Wir alle sitzen nun hier und überlegen uns, was uns wohl noch widerfahren wird. Den Gesichtern nach sind viele entschlossen, lieber früher als nötig ins Wasser zu springen und an Land zu schwimmen, ungeachtet der Gefahr durch Haie hier an diesem verfluchten Ort. Selbst Elmsfeuer der folgenden Nacht erschienen uns wie die Boten noch größerem Unheils.

 

 Unser 1. Mart , Svenson , benimmt sich seit dem Morgen seltsam. Irgendetwas ist ihn gefahren. Wir haben ihn dabei erwischt, wie er Taue mit einem Messer kappte und die Segel damit von den Masten holen wollte. Als wir ihm in die Augen schauten, … wie soll man so etwas beschreiben? Die Augen glänzten matt und farblos, man hatte das Gefühl, in einen holen Schädel zu blicken. Er versuchte nicht einmal zu entkommen, ließ sich völlig weggetreten entwaffnen und einsperren. Jetzt waren wir nur noch 5 vom ganzen Tross. Alle anderen waren verschwunden und tauchten nach und nach als vertrocknete Leichen wieder auf dem Schiff auf. Was uns auffiel war, daß nicht alle diese Fesselmale an den Handgelenken hatten. Spät in dieser Nacht hörten wir ein lautes Krachen aus dem Rumpf des Schiffes und machten uns geschlossen auf den Weg. Die Tür, welche das Gefängnis für den ersten Mart verschloss, war aus der Ankerung gerissen worden und is gegen die andere Seite geschleudert worden. Der Mart war nicht mehr im Raum.

Wir fanden ihn tief im Rumpf des Schiffes vor jenem kleinen Altar, wo er gerade das Blut aus seinen Adern betend im Raum verteilte. Das schaurige aber war das monotone Flüstern eines Chorus, welcher sich aus dem Schiff heraus erhob und langsam anschwoll. Gleichzeitig fingen die seltsamen Zeichen an zu pulsieren.

 Oh ich hasse dieses Schiff.

 

 

Wir rannten zu fünft an Deck, die Panik saß uns im Nacken. Ich bin mir sicher, irgendetwas verfolgte mich den ganzen Weg hinauf. Als wir jedoch an Deck ankamen, erschraken wir über das sich uns dargebotene Bild… Das Schiff war in einer sternlosen Nach mitten in einer Nebelbank gelandet. Die Elmsfeuer kletterten Unheil verkündend die Taue vom Mast hinab und schienen sich auf uns zu bewegen zu wollen. Und unter uns rumorte es, als ob irgendetwas aufgewacht ist.

Wir haben etwas geweckt, was wir niemals hätten wecken dürfen und ein jeder von uns würde nun die Strafe für diesen Frevel erhalten.

Ich glaube, wir sollten verdammt werden, auf Ewig auf diesem Schiff zu verweilen, ohne jemals wieder frei zu kommen. Doch dazu mußten es uns erst hier an diesem Ort umbringen.

 

 

Die Nacht verlief schleppend, und wir wußten, wenn wir einschlafen und uns aus den Augen verlieren würde jemand von uns am morgigen Tage tot sein. So kämpften wir 2 Tage und Nächte gegen die Müdigkeit an, doch schließlich übermannte es uns und wir schliefen ein.

 

 

Sieben Stunden? Vielleicht auch acht Stunden mögen es gewesen sein. Aber als ich aufwachte, war das Licht nur noch ein einheitliches und diffuses Dämmerlicht. Aber das Schiff hat sich verändert. Irgendwie, ja, es hat den Anschein, als ob vor nicht ganz fünf Minuten eine ganze Besatzung das Schiff Hals über Kopf verlassen hatte. Man konnte fast noch den Geruch aus der Kombüse wahrnehmen. Ich bekam es mit der Angst zu tun. Waren jetzt die anderen nicht mehr da, oder bin ich verschwunden und saß mit hohlen Augen an Deck dieses verfluchten Schiffes? Mich überkam das nackte Grausen.

Kopflos sprang ich über Bord in die kalten Fluten. Als die Wellen über mir zusammenschlugen, dachte ich, dies sei gewesen, was man von mir verlangt hat. Doch nun war es zu spät, ich lies mich von den Wellen treiben und erreichte schließlich eine Brandung an einem unbekannten Ort.

 

 

Als die Sonne über den Horizont stieg, erwachte ich. Ich viel auf die Knie und begann, aus Dankbarkeit zu beten. Eines weiß ich genau, ich werde niemals wieder zur See fahren.

 Doch eines weiß ich bis heute nicht… Bin ich nun Gefangener eines Traumes oder bin ich real hier? Ich versuche, mein Leben zu leben, aber die schreckliche Angst, eines Morgens auf diesem Schiff auf zu wachen, bleibt bestehen und ich werde es wohl nie erfahren so lange ich lebe.”


Dieser Schreiner verfiel dem Irrsinn nach einigen Jahren und begann zuguterletzt Selbstmord, laut schreiend sprang er von der Klippe, ES möge ihn endlich los lassen und er in Frieden schlafen auf Ewig. Wünschen wir ihm alles Gute auf seiner Reise in eine andere Welt, und dass er nie wieder dieses Schiff betreten muß….

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Herzen im Schatten der Nacht

Es war dunkel. Naja, eigentlich nicht ganz, denn die Mondin schien durch das Fenster, durch das ich hinaus blickte. Vergangenheit, zukunft, alles vermag die Mondin zu erzählen, wärend sie hell ihre Bahn über das Firmament des Himmels ihrem Weg folgt.
Doch heute war es anders. Ich schaute hinauf in die Schwärze des Firmaments und dachte mir noch, es sei eine wunderschöne Nacht, als ich die Mondin flüstern hörte:
“Warum ist dein Herz so endlos traurig? Warum weint es so?”
Erst dachte ich, ich hätte mich getäuscht, aber dann fragte die Mondin noch ein weiteres mal.
Die Mondin, hoch oben am Himmel, mal blass, mal weiß am Himmel, mal in warmen Farben getaucht, sollte mein kleines Herz gehört haben, wie es vor Trauer wein? Meine Gedanken überschlugen sich.
“Ja”, sprach die Mondin, “Ich habe dich wirklich gesehen. Was macht dich so traurig?”

Ich klagte in diesen einsamen Minuten mein ganzes Leid, was auch immer mein Herz zum Weinen bringt.
Und die Mondin hörte zu.
Dann war Stille.
Einsamkeit.
Undendliche Leere.
Und dann geschah es…
Die Mondin sprach sanft und voller Zuversicht: “Lass mich dir eine Geschichte erzählen…”
Und die Mondin begann zu erzählen:

Einst teilten sich die Tiere dieser Erde den Boden gemeinsam. Von dem großen Bären bis hin zur kleinsten Maus lebten sie alle zusammen und waren glücklich. Nur ein Tier war sehr unglücklich: Eine kleine Maus. Was war bei dieser Maus anders? Nun, sie schaute den Vögeln zu, wie sie von dem mächtigen Tagstern, der Sonne, das Fliegen lernten. Und sie war voller Neid. Aber es war nicht dieser Neid, als wenn eine andere Maus mehr Futter besaß, nein, es war der Neid der Sehnsucht. Zu fühlen, wie der Wind fröhlich an ihr vorbei streicht, wenn sie durch die Luft tanzt. sie schaute dem Tagstern zu, wie er den Vögeln das Fliegen lehrte und übte des Nachts heimlich, was sie am Tag zuvor sah. Selbst die Sterne schauten weg, als sie die Maus vom Hang purzeln sah. Einzig die Mondin schaute zu, und war traurig darüber, zu sehen, wie die kleine Maus ihren Traum nicht aufgab. Schließlich lernten die Vögel das Fliegen und verließen die Erde, um in der Höhe ihre Nester zu bauen. Sie lehrten den Kindern, was er, der mächtige Tagstern, ihnen beigebracht hatte und waren von Stund an die Wesen des Windes und der Luft. Die Maus blieb auf der Erde einsam und verlassen zurück. Doch tief in ihrem Herzen gab sie niemals auf. Sie übte und übte, aber es wollte nicht gelingen. Schließlich tat es der Mondin so weh, dass sie das Verbot, mit den Tieren zu sprechen, ignorierte. Sie war schließlich neben dem großen Stern des Nordens das mächtigste Wesen der Nacht am Firmament. Und so entschied sie, zu der Maus zu sprechen: “Was trübt so sehr dein Herz, kleine Maus?”

Die Maus schaute sich ganz erschrocken um:”Wer spricht da?” Die Mondin began in warmen rötlich-gelben Farben zu lächeln:”Ich war das, schau nur mutig in den Himmel, kleine Maus.” Die Maus schaute schüchtern hinauf zur großen Mondin, wie sie hell und schön am Himmel leuchtete und sprach: “Es ist nicht erlaubt, daß ich mit die, oh mächtige Mondin, spreche.” Die Mondin lächelte sanft, als sie antwortete: “Nun, deshalb spreche ich auch mit dir. Die Sterne hören weg, und der mächtige Tagstern, mein Bruder, die Sonne, schläft. Wer also soll es verraten?” Die Maus schaute schüchtern hinauf: “Ich bestimmt nicht!”

“Na siehst du”, sprach die Mondin voller Zuversicht, “und ich habe doch dich angesprochen, also was soll dir schon passieren?” Die Maus überlegte. Ja, was sollte der mächtigen Mondin schon passieren, außer schwach an manchen Tagen neben ihrem Bruder am Himmel zu leuchten? Ihr gehörte der Nacht. Und so klagte sie das Leid ihres Herzens, dass sie wie die Vögel am Himmel den Tag begrüßen möchte. Da sprach die Mondin: “Nun, diesen Wunsch kann ich dir nicht erfüllen. Meinem Bruder gehört der taghelle Himmel. Mir aber gehört die Nacht. Und was ich in dieser Zeit mache, das entscheide ich allein. Selbst der Stern des Nordens darf darüber nicht entscheiden.” Die Maus schaute hinauf zur Mondin. Sie verstand nicht. Die Mondin lächelte ihr zu, und sprach auf einer Weise, dass es die kleine Maus verstand: “Die Nacht gehört mir ganz alleine. Ich bestimme, wer meine Luft durchkreuzen darf. Die Vögel sind es nicht. Ich habe beschlossen, dass du es sein wirst.” Die Maus stellte ihre Ohren auf. Da sie nicht glaubte, richtig gehört zu haben, fragte sie halb neugierig, halb voller Vorfreude und Angst schüchtern: “Ich, oh mächtige Mondin? Warum ausgerechnet ich?”

Die Mondin antwortete: “Nun, mein Bruder, die Sonne, nahm die schönsten Wesen der Erde, um ihnen das Fliegen zu lehren. Die Vögel waren voller Freude, die Entscheidung gehört zu haben und steckten ihre Schnäbel in die Höhe. Ich aber sehe den tiefen Wunsch in deinem Herzen, die Sehnsucht, eine neue Welt zu erobern. Warum sollst du, kleine Maus, nicht das Fliegen lernen? Es ist ein Geschenk, dass ich deinem Herzen mache, denn es gab bei allen Schmerzen niemals das Träumen auf. Und glaube mir, ich habe gesehen, wie die anderen Mäuse über den Traum gelacht haben.”
Die Maus war außer sich vor Freude: “Wann lerne ich fliegen? Bitte, ich möchte es so sehr…” Die Mondin lachte auch eine Weise, wie nur sie es Verstand: “Geduld, kleine Maus, denn alles hat seinen Preis. Willst du nicht vorher wissen, was du dafür bezahlen musst?” Die Maus schaute in den nächtlichen Himmel zur Mondin empor: “Was gibt es denn, dass es sich nicht lohnt, für den Traum eines Herzens zu bezahlen? Wenn das Herz nur fünf Minuten in ihrem Leben voller Freude tanzen kann, ist es das nicht wert? Ich würde alles bezahlen, selbst mein Leben würde ich geben für einen Augenblick, am Himmel tanzen zu können wie die Vögel, zu spüren, wie die Luft an mir vorbei streicht!”

Die Mondin schaute zu der Maus sanft hinab: “Nun, dein Leben ist es nicht, dass ich verlange. Aber ich sagte dir, mir gehört nur die Nacht. Mehr kann ich dir nicht bieten, als unter mir im Wind zu tanzen. Und das ist der Preis. Wenn du dich für mich entscheidest, sagst du meinem Bruder, dem Tagstern, der Sonne, ein Lebewohl. Er wird dir nicht böse sein, dessen sei dir sicher. Aber du kannst nur auf einer der beiden Seiten stehen, so will es das Gesetz der Sterne. Entscheide dich also nicht zu schnell, denn alles hat seine Konsequenzen.” Mit diesen Worten verstummte die Mondin. So schaute die Maus zu, wie die Mondin und die Sterne verblassten. Langsam färbte sich das tintige Schwarz des Himmels in ein dunkles blau, und im Norden erschien ein blasser, rötlicher Schimmer. Dieser rötliche Schimmer begann zu brennen und die Sonne, der mächtige Tagstern, erhob sich leuchtend rot über den Horizont. Der Himmel schien in dem Augenblick zu brennen, als die warmen strahlen die Erde berührten und den Tieren ihre erste wärme schenkten. Die Vögel erwachten und begangen, ihre Lieder zu singen. Die Füchse schlichen in der Röte des Morgens umher, Dachse schlichen unter die Erde, um zu schlafen, und das Leben fing von Vorne an.
Nur nicht für die Maus. Sie sah zum Himmel hinauf, und irgendetwas wusste tief in ihr, es war das letzte Mal, dass sie die Sonne über den Horizont hat steigen sehen. Und sie spürte den Blick der Sonne, wie sie das Letzte mal auf die Maus hinab blickte. Da hörte sie die Sonne mit dunkler Stimme sprechen: “du möchtest also mich verlassen?” Die Maus zuckte zusammen: “Nein, also, ich weiß auch nicht, ich möchte nur das Fliegen lernen, …”

Der mächtige Tagstern lächelte, als er sprach: “Das ist nur den Vögeln gestattet zu der Zeit, da der Himmel mir gehört. Es wurde entschieden, und selbst ich kann dieses nicht widerrufen. Aber meine Schwester hat mir von dir erzählt, kleine Maus, und ich beschließe, es ist deine Entscheidung. Niemand wird dir böse sein, wenn du deinem Herzen folgst. Aber wähle gut! Denn du wirst mit deiner Wahl leben müssen.” mit diesen Worten zog der Tagstern seine stille Bahn am Firmament.

Die Maus sah dem Tagstern zu, wie er über das Firmament zog, und ihm die Vögel folgten, singend, im Wind tanzend, und sie war traurig. Sie verstand jetzt, dass sie entweder ihrem Herzen folgen müsste, oder aber dem Tagstern und ihrer Bestimmung. Beides war nicht möglich. Sie beobachtete den Tagstern, wie er langsam und gemächlich in der rötlichen Glut des Feuers den Boden berührte in der unfassbaren Ferne, und eine einsame Träne viel auf den Boden. Es war der letzte Tag ihres Lebens, aber sie wusste, dass sie ihrem Herzen folgen muss.

Als der Tagstern sich mit einem letzten roten Abendgruß verabschiedete und er Mondin Reich verließ, wusste die Maus, was zu geschehen hatte. Sie wandte sich voller Stolz der Mondin zu und sprach: “Ich werde meinem Herzen und dem Weg der Mondin folgen, bis zum Ende aller Tage!” Die Mondin lächelte und antwortete, “So sei es.”, und eine einsame Träne der Mondin viel in den Kelch einer Mondblume. Sie sprach abermals: “Trinke den Kelch der Mondblume leer, und lege dich schlafen. Ich werde dich wecken, sobald mein Reich über der Erde herrscht.” Die Maus nahm die geheimnisvoll silbrig glänzende Träne auf, und trank sie voller Freude in einem Zug. Kaum hatte sie die Träne der Mondin getrunken, überkam sie eine seltsame Müdigkeit. Ihre Glieder wurden schwer und sie legte sich im Schatten einer kleinen Höhle schlafen. Des Tagsterns letzter rötlicher Gruß war am Himmel zu sehen, und sie glaubte zu hören, wie er rief: “Du bist deinem Herzen gefolgt, viel Glück auf deinem Weg…” , als die Mondin hell und klar am Firmament erschien.

“Und?”, sprach sie sanft, “Hast du etwas bemerkt?” Die Maus schaute an sich hinab, und bemerkte ihre neuen Flügel. Sie schaute zuerst verwundert, und flatterte voller erstaunen umher. Die Mondin sprach zuversichtlich: “Du weißt, wie es geht, denn das ist mein Geschenk an dich! Nur zu…”

Und mit vor Freude tanzendem Herzen erhob sich erste Fledermaus der Nacht über den Boden, um ihrem Herzen zu folgen, und nicht der Bestimmung eines Lebens.”

Die Mondin lächelte mir sanft zu, und mir wurde warm um das Herz. Irgendwie wusste ich, dass sie Recht hat. Ich würde fliegen lernen… und meinem Herzen folgen, wo immer es mich auch hin führt. Ich muss lediglich den Mut finden, mich für mein Herz zu entscheiden.

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Die Weisheit aller Dinge

Hell stieg der rote Ball des Tagsterns über den Horizont und kündigte den Morgen an. Der erste Frühlingstau schimmerte in bunten Farben, eine seltsame Stille überzog das gesamte Land. Die Luft, vom frühen Nebel noch geschwängert, war herrlich frisch, als ich über die Wiese ging. Ich blickte mich um, und sah meine eigenen Spuren, wie sie sich durch das Gras wand. “Fast wie eine Schlange”, dachte ich bei mir und aus alten Zeiten viel mir eine Geschichte ein, als die Schlange noch Beine hatte und immer unzufrieden war mit sich. Schließlich schnitt sie sich die Beine ab, um endlich lautlos durch das Gras gleiten zu können, und sie dachte sich, jetzt würde sie alle Geheimnisse dieser Welt erkunden können. Und sie sucht noch bis zum heutigen Tag die Weisheit aller Dinge, verbittert und still gleitet sie vor sich hin. Denn auf ihrer Suche hatte sie eines vergessen, nämlich warum sie sich auf die Suche gemacht hatte.

Und ihr kam in den Sinn:

Wenn sie herausfinden würde, warum sie sich auf die Suche nach aller Weisheit gemacht hatte, dann würde sie auch finden, wonach sie immer gesucht hat.

Und so schleicht die Schlange lautlos durch das Gras, auf der Suche nach dem Anfang aller Dinge Lebens, dem Anfang der Dinge, die wohl – so glaubt sie es – das Ende aller Dinge sein wird. Ein beschwerlicher Weg, durch Sturm und Regen führt er, durch Hunger und Durst. Einmal, da fand sie ein kleines kaninchen, welches am Wegesrand saß und bitterlich weinte. da fragte die Schlange: “Warum weinst du denn?” “Ach,…” schniefte das Kaninchen, “ich habe meine Geschwister verloren, und jetzt weiß ich nicht mehr, wie ich sie finden soll. Ich habe so große Ohren, ich höre selbst noch das ferne Rauschen des Windes in den Bergen, aber ich kann sie nicht finden. Wo sind sie nur?”  Die Schlange überlegte kurz und antwortete: “ich kann dir helfen! Manchmal sind die großen Ohren nicht on Bedeutung, selbst wenn du den Wind in den fernen Bergen hörst. Ich kann das nicht, denn ich habe keine Ohren. Aber ich spüre das laufen deiner Geschwister. Lass mich dich leiten.”

Und so folgte das Kaninchen der Schlange bis zu seinen Geschwistern, da die Schlange sie laufen spürte. Schließlich fanden sie sie. Da sprach das kaninchen überglücklich: “Wie soll ich mich jemals bedanken?” Die Schlange fragte: “Weißt du, wo ich den Anfang aller Dinge finde? Denn dort werde ich wissen, warum ich alle Weisheit suche.” Das Kaninchen wußte es nicht, doch sprach es leise: “Ich würde an deiner Stelle den Nordwind fragen, er weiß bestimmt, wo du den Anfang aller Dinge findest.”

So machte sich die Schlange auf, den Nordwind zu suchen. Nach langer Zeit der Wanderung fand sie ihn tief in den Gebirge der Nordberge. Eisig wehte er über die Gipfel hinab. Da saß ein Adler am Fuße des Berges und weinte.

Die Schlange fragte:”Warum bist du so traurig, daß du weinen mußt?” Der Adler sprach traurig: “Ach, ich habe mir den Flügel gebrochen. Und bis er nicht geheilt ist, bin ich es auch nicht. Ich vermisse so das Rauschendes Windes, wenn es durch meine Schwingen singt.” Die Schlange überlegte kurz und sprach aufmunternd: “Schau mich an, ich habe weder Flügel noch Beine, und dennoch finde ich einen Weg, den Wind zu spüren. Folge mir.” Die Schlange wand sich einen Baum hinauf, und er Adler folgte ihr. Bis in die höchsten Wipfel kletterten sie voller Mühe gemeinsam. Da sprach die Schlange: “Warte kurz, ich will dir etwas schenken.”

Wärend der Adler im Schutz der dicken Äste kauerte, um nicht hinunter zu fallen, sammelte die Schlange kleine Zweige und Äste, und baute ein großes Nest weit oben in den Zweigen. Breit und groß, daß der Adler nicht hinunterfallen kann. Sie sprach zum Adler: “Nun komm hinauf und setze dich hier hinein. Im Schutze des Nestes wirst du den Wind spüren können, bis du wieder mit dem Wind fliegen kannst.” Der Adler saß in seinem nest und drehte seinen Körper in den Wind. Die Freude kehrte zu ihm wieder und die Tränen trockneten.”Wie kann ich dir nur helfen, liebe Schlange?”, fragte der Adler fröhlich. Die Schlange antworte: “Kannst du den Nordwind fragen, ob er den Weg zum Anfang aller Dinge kennt?” Der Adler schloß die Augen und antwortete nach kurzer Zeit: “Nein, er weiß es nicht.Aber er findet, du solltest den Südwind
fragen.”

So machte sich die Schlange auf den Weg zum Südwind. Als sie weit gereist war in die fernen Berge des Südens und am Fuße des großen Südberges angekommen war, spürte sie die warme und liebevolle Wärme. Sie war ganz anders als der eiskalte Nordwind. Da dachte sich die Schlange, vielleicht ist der Nordwind ja das Ende aller Dinge, eiskalt und doch wunderschön, und der Südwind ist der Anfang. Doch wo ist dann die Weisheit alle Dinge?

Wie die Schlange so überlegte, hörte sie wieder ein leises Weinen. Es war eine Blume, die sich schüchtern im Schatten der Berge versteckte. “Warum weinst du?”, fragte die Schlange abermals. “Ach,”, antwortete die Blume traurig, “ich spüre den Südwind, wie er vorbei säuselt und meine Blätter streichelt, und ich sehe die Bienen, wie sie an mir vorüberfliegen, aber ich weiß einfach nicht, warum sie niemals zu mir kommen.”

Die Schlange überlegte kurz, und sprach damm: “ich kann dir helfen! Sie nahm die Blume aus dem Schatten und brachte sie an einen Ort, wo sie die Blume umgeben von grünen Moos und sonnigen Flecken neu einpflanzte. Als die Sonne und der warme Südwind die Blätter umsorgten, geschah etwas wunderbares. Die Blätter färbten sich feuerrot und golden, und rochen lieblicher den je. Da war die Blume überglücklich und fragte: “Wie kann ich dir jemals danken?” Die Schlange fragte: “Kennst du den Anfang aller Dinge?” Die Blume überlegte kurz und antwortete:”Nein, aber der Südwind weiß, wo du die Antwort findest. Frage den Mond und die Sterne!” Als die Schlange sich umwandte, landete eine einsame Adlerfeder neben der Blume und wärmte sie.

So wanderte die Schlange durch einen tiefen dunklen Wald und zur Mitternachtsstunde erreichte sie eine kleine Lichtung. Und dort wartete sie auf den Mond und die Sterne. Die Wolken lichteten sich endlich und da war sie:

Die Mondin, hell und klar leuchtete sie auf die Schlange hinab.

Die Schlange blickte hinauf und fragte: “Kennst du den Anfang aller Dinge?” Die Mondin antwortete:”Ja, ich kenne den Anfang aller Dinge.” Die Schlange wurde unruhig und wand sich voller Aufregung: “Kennst du auch das Ende aller Dinge?” Abermals antwortete die Mondin mit wunderschöner sanfter Stimme: “Ja , ich kenne auch das Ende aller Dinge.”
Da fragte die Schlange: “Und kennst du auch das Geheimnis aller Weisheit?” So lange schon war sie unterwegs, sie fand den eiskalten, klaren Nordwind wie den warmen und sanften Südwind. Und jetzt, in dieser einen Nacht, würde sie die Antwort finden. Die Mondin antwortete: “Ja, ich kenne das Geheimnis der Weisheit.” Die Schlange flehte: “Bitte, sag es mir, so lange schon suche ich, ich schnitt mir sogar die Beine ab, und schwor, sie erst wieder wachsen zu lassen, wenn ich den Anfang, das Ende und die Weisheit gefunden habe…!”

Da sprach die Mondin sanftmütig: “Ich kann es dir nicht sagen, denn was du suchst, wirst du selber finden müssen. Aber ich gebe dir einen Hinweis. Warte auf dieser Lichtung, bis du meinen Bruder, den Tagstern über den Horizont erglühen siehst und schaue dann nach Süden. Und dann wirst du es sehen.” So wartete die Schlange die ganze Nacht auf der Lichtung, welche im Tau zu schimmern begann und das Licht der Mondin einfing.

Gespannt schaute sie zum Firmament hinauf und sah, wie erst die Sterne verblassten und der Himmel sich in ein dunkles Tintenblau färbte und der Morgen sich ankündigte mit einem ersten Streifen von Morgenröte. Auf einmal erschien im gleißenden Feuer die Sonne am nördlichen Himmel. Da blickte die Schlange nach Süden und sah, wie die Mondin verblasste.
Und sie rätselte:

Was wollte die Mondin mir nun sagen?

Was haben Nordwind, der Südwind, ein Adler, der darauf wartet, in den eisigen Norden gleiten zu können, gleiten zu können und eine Blume, die aufleuchtete, als sie das erste mal ihren Schatten verliess, gemeinsam? Und warum verblaßte die Mondin im Süden als der Tagstern im Norden erschien?
Es gibt doch kein Anfang und kein Ende, alles ist ein Kreis, wie soll sie da jemals das Ende finden?

Die Schlange verstand es nicht, doch sie wußte eins:

Sie würde nie wieder ihre Beine wachsen lassen können, denn sie hatte das Ende aller Dinge nicht gefunden.Und den Anfang würde sie auch nie finden, denn sie is genau da, wo einst ihre Suche anfing, Vielleicht würde sie eines Tages die Weisheit aller Dinge finden. Doch es würde viel Zeit ins Land gehen.

Und so hinterlies sie eine schlängelnde Spur im Morgentau, und sie sucht bis zum heutigen Tage.

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Mermaid*hunt*ing

In den letzten Jahren haben sich zahlreiche neuartige Trendsportarten entwickelt. Zuletzt bekannt geworden ist das “Real Life Mermaiding”, bei der die Teilnehmer alles unternehmen, eine echte Meerjungfrau zu werden und als solche zu leben. Damit könnte eine wundervolle, mystische und sehr schöne Gestalt endlich aus den großen Zooaquarien dieser Welt befreit werden und ihnen einen Weg zurück in die freie Wildbahn geebnet werden.

Und wir freuen uns:

Nachdem in der Renaissance-Zeit diese wundervollen Wesen eher als asoziale, selbstgerechte und äußerst rachsüchtige Zippen und unberechenbar agressive Kreaturen des Meeres – wohl auf Grund eines Missverständnisses bei Serie von misslungenen PR-Kampagnen zur Rettung von Schiffbrüchigen – im wahrsten Sinne des Wortes unter das Messer kamen, waren sie nämlich innerhalb kürzester Zeit von der Bildfläche verschwunden. Es wäre schön, wenn die Weltmeere endlich wieder etwas bunter werden und verspielte Meerjungfrauen am Strand beobachtet werden könnten.

Wie es jedoch immer so ist: alles hat seine Schattenseiten.

Über diesen eigentlich sehr erfreulichen Trend zu mehr Farbe und Spaß in der Welt äußerte sich vor allem bei dem Vorstand des eher unbekannten Sportanglervereins “Angelbuben Klein-Grützenhoven e.V.” mit heftiger Kritik.

Grund genug für Ars Balistica, der Sache einmal nach zu gehen, und deshalb haben wir uns einen Termin bei Herman Bomelheinz, dem amtierenden Vorsitzenden des Vereins gemacht:


AB: Herr Bomelheinz, wie kommt es, dass Sie diesen Trend so extrem ablehnen.

Bomelheinz: Also das kann man so nicht sagen. Hier liegt eher ein Art von Grundmissverständnis vor.

AB: Nun, Sie haben sich da sehr unkonventionell ausgedrückt.

Bomelheinz: Ja, stimmt schon, aber das ist total aus dem Kontext gerissen worden und via Twitter einmal um die Welt gezogen. Tatsächlich gemeint habe ich etwas ganz anderes.

AB: Was haben Sie denn gemeint?

Bomellheinz: Nun, ich finde, Fische und Fischerei ist ein ernsthaftes Thema, dass nicht mit Spaß verwechselt werden darf.

AB: Ja … und?

Bomelheinz: Nun, ich weiß nicht, wie ich das erklären soll. Kennen Sie das Gefühl, stundenlang mit einem Stock und sich selbst regungslos auf einem Boot zu sitzen, und letztendlich einen Fisch zu beobachten, welcher sich langsam den Köder nähert? Dieser Spannungsmoment ist unglaublich! Naja und dank dieses Real Life Mermaiding eiert plötzlich so eine Zippe um das Boot und … BUPF! … Alle Fische sind weg. Wie würde es Ihnen da gehen? Angler sind da zu Rech erst einmal verärgert.

AB: Naja, die Reaktion ist da schon verständlich.

Bomelheinz: Genau, aber wir haben uns nach dem ersten verständlichen Ärger natürlich etwas neues Überlegt und in unserer Satzung die Meerjungfrauen zu Fischen deklariert. Und damit war das Problem eigentlich sehr schnell beseitigt, da anders als Fische Meerjungfrauen recht zutraulich sind.

AB: Sie haben also mit Ihren Vereinsmitgliedern gezielt Jagd auf Meerjungfrauen gemacht?

Bomelheinz: Aber nein, wir sind ein ANGEL- Verein und keine Jäger. Wir haben sie unter anderem weggefischt.

AB: Und dann… ?

Bomelheinz: Naja, da der Fischschwanz bei Meerjungfrauen erfreulich groß ist, nun, wir haben sie an die Sushi-Bar um die Ecke verkauft.

AB: Das ich das richtig verstehe … Sie haben die Meerjungfrau … Die hätten das doch sehen müssen?

Bomelheinz: Aber nein, da haben wir natürlich im Vorfeld drann gedacht. Wir haben natürlich nur die fischerne Hälfte verkauft. Und spätestens seit wir das Geld daraus bekommen haben, naja haben wir uns sogar über diese suspekte Meerjungfrauenschule auf der anderen Seite unseres Anglersees richtig gefreut.

AB: Sie haben nur den Schwanz verkauft? Wie haben Sie …

Bomelheinz: Also für die Erste haben wir noch ganz klassisch ein Beil und eine Motorsäge benutzt, aber später dann haben wir extra für Meerjungfrauen eine Kreissäge mit Spritzschutz umgerüstet.

AB: Ja, aber sie können doch nicht? Wie haben … was machen Sie mit der anderen Hälfte?

Bomelheinz: Das ethische Problem dahinter haben wir natürlich schon bei der ersten Meerjungfrau erkannt:

Sobald der Fischanteil weg ist, ist es zwar nur ein halber, aber immerhin ein ganzer Mensch. Wir haben an dieser Stelle nur unsere Satzung etwas anpassen müssen und betrachten jetzt das Wesen als Ganzes, und zwar vor der Verarbeitung. Und das Problem war gelöst.

AB: Das ist krank …

Bomelheinz: Nein, das ist die Nahrungskette, Natur ist nun einmal brutal. Und mal ganz ehrlich, wer sich selbst zum Fisch macht, riskiert nun einmal einen Angler, der es auf seine Gräten abgesehen hat. Wir haben hier lediglich eine interessante Marktlücke in der örtlichen Versorgung mit Meeresfrüchten gefunden.

AB: Aber das sind auch keine echten Meerjungfrauen?!

Bomelheinz: Ist uns auch aufgefallen, in einigen nicht bestätigten Fällen soll beim Sägen der Schwanz aus Silikon bestehen. Da sehen Sie aber mal ganz ehrlich, wie Meerjungfrauen drauf sind. Da werden unschuldige Landbewohner drauf gebracht, sich einen künstlichen Fischschwanz an zu legen und BUMM:

Wir sind hier die Bösen!

Aber das halten wir da ehrlich gesagt ähnlich wie die Schokoladenhersteller.

AB: Was hat das mit Schokolade zu tun?

Bomelheinz: Nun, was glauben Sie denn, wie viele unschuldige Käfer, die sich von der Kakaobohne ernähren, aus Versehen mit in der Schokolade landen? Da kräht aber letztendlich kein Hahn nacht, und hier ist es nicht anders. Vernünftig filetiert und liebevoll gewürzt merkt es doch kaum einer. Und das hat natürlich aus betriebswirtschaftlicher Sicht hochinteressante Perspektiven…

AB: Da hoffen wir inständig, dass der Trend bald abebbt und Meerjungfrauen zu selten werden, so dass sich das nicht mehr lohnt.

Bomelheinz: Wie gesagt, haben wir interessante betriebswirtschaftliche Perspektiven durch unsere Betrachtungsweise erhalten. Und sollte dieser Fall eintreffen, haben wir bereits Pläne in der Tasche.

AB: Verraten Sie es mir?

Bomelheinz: An einem anderen Standort, den ich noch nicht öffentlich bekannt geben will, arbeiten wir bereits an einer “Mermaid Production Fascility”

AB: Sie reden von einer Meerjungfrauenschule?

Bomelheinz: Also jetzt werden Sie aber wirklich etwas sadistisch und abartig, obwohl eine gewisse Analogie zu finden wäre, wenn man bedenkt, dass die kleinen Delikatessen ihren Platz in der Nahrungskette schnellstmöglich lernen sollen. Nein, ich rede wirklich über eine Fabrik, an dessen Ende in Fischtanks vorbereitet Meerjungfrauen herauskommen. Der Rohstoff sind da natürlich entsprechend interessierte Frauen und – logischerweise –  künstliche Fischschwänze, die wir ihnen in unerwarteter Qualität günstig anbieten inklusive Testschwimmbecken, um die Leckerbissen an ihr kurzes Leben als Meerjungfrau zu gewöhnen.

AB: Wie soll das denn funktinoieren… Ich meine …?

Bomelheinz: Das ist der raffinierte Schachzug: Lebensmittelkonformer Kleber im Fischschwanz- und fertig ist die echte Meerjungfrau. Gründlich verarbeitet dürfte das hinterher niemandem weder auffallen noch wirklich interessieren.

AB: Und wenn sich keine mehr meldet … ?

Bomelheinz: Diesen Fall haben wir natürlich mit bedacht und haben eine Meinungsforschungseinrichtung mit entsprechenden Falltüren im Boden gleich mitgeplant. Einmal unten im Schalldichten “mentalen Vorbereitungsraum” angekommen, bekommt nur diejenige Essen und Trinken, die auch Meerjungfrau werden möchte. Sie sehen also, auch hier läuft alles absolut freiwillig. Sie muss ja nicht zustimmen.

AB: Dass es aber dann niemals echte Meerjungfrauen sind, ist Ihnen egal … ?

Bomelheinz: Immer diese Detailfragen… Drücken wir das mal so aus:

Offiziell wissen wir hier in der Verarbeitung von nichts, aber um Fehler zu vermeiden, bekommt natürlich jede Meerjungfrau vor dem eigentlichen Verarbeitungsprozess die Möglichkeit, zu zeigen, dass es kein echter Schwanz ist. Wenn es so ist, kann sie den doch ausziehen, oder?

Und unsere Vereinssatzung macht den moralischen Schalldämpfer bei diesem Rumgejammer und den Beteuerungen, es handele sich um eine Verwechslung und sie wären reingelegt worden:

Es sind offiziell Fische, und Fische sprechen nicht.

Und sollte wider erwarten doch mal jemand zuhören,  sind Meerjungfrauen nicht unbedingt für ihre Ehrlichkeit bekannt. Und DAS ist eine seit Jahrhunderten bekannte Tatsache.

SO, ich hoffe, alle Ihre Fragen sind beantwortet, wie es dazu kam, dass wir als “die Bösen” in der Presse gehängt werden sollen. Ganz im Gegenteil, wir lieben sogar Meerjungfrauen, sie sind eine unersetzbare Größe in unserem schönen Ort geworden, und wir wünschen uns noch viele weitere Meerjungfrauen, die wir hier geliefert bekommen.


Einen Tipp gab uns Herman Bomelheinz noch mit auf den Weg:

Wenn wir durch den Ort wandern, sollten wir unbedingt den ortsansässigen Souvenierladen des Anglervereins besuchen. Als Besonderheit bietet dieser Souvenierladen nämlich wunderschöne und liebevoll gearbeitete Meerjungfrauenschwänze aus zweiter Hand an, die man wirklich benutzen kann.

Und zwar zu unschlagbaren Preisen…

Und Wir ?

Wir werden Klein-Grützenhoven wohl niemals wieder betreten, aber wohl auch niemals wieder vergessen.

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Die Nebelwaldschmiede

„Wie ist das eigentlich passiert? Wo bin ich überhaupt?“, dachte Boraida schaute sich um… Das letzte, woran er sich erinnerte, war, ja, eine Art von Ruck oder Stoß und nun war er hier. Das einzige Problem ist: Was war „hier“?

Boraida sah sich noch genauer um…

Ein Wald – Und Nein, er erinnerte sich nicht mehr an diesen Ort. Er fluchte, wahrscheinlich ist ein Ast vom Baum gefallen, und hat ihn getroffen. Und jetzt kann er sich nicht mehr erinnern. Ja genau, das wird es sein! Bloß… was macht man, wenn man in einem dunklen Wald sich plötzlich nicht mehr erinnern kann, woher man kam oder wo man hin wollte? Schließlich kam er zum Schluss, dass er dieses Rätsel wohl jetzt nicht lösen wird und er auf den Sonnenaufgang warten sollte. Jetzt in Panik irgendwo hin zu laufen bedeutet, den Pfad zu verlassen, und das wäre mit Sicherheit falsch. So suchte er sich einen versteckten Ort am Wegesrand, und legte sich schlafen.

Alpträume quälten ihn die kurze Zeit, die er wohl schlief.

Schatten fielen über ihn her, irgendjemand rief etwas, immer wieder war da dieses helle Knacken, Blitzen oder Leuchten! Und dann… Blut! So endlos viel Blut! Boraida schreckte hoch aus dem Alptraum. Etwas hatte ihn GESTOCHEN! Im Traum! So etwas… so etwas gab es doch gar nicht, im Traum hat man niemals Schmerzen, nicht einmal in einem Alptraum, das weiß doch jedes Kind!

Instinktiv schaute sich Boraida die Stelle an, und da war sie, die Stichwunde aus dem grausamen Traum. Er nahm sein Messer in die Hand und schaute sich um. „Wer ist da?!“, rief er wütend, „Wer immer du bist, du
wirst diesen Ort nicht mehr lebend verlassen, du Feigling!“

Niemand antwortete.

Und dennoch: Irgendetwas stimmte hier nicht! Nicht einmal ein Tier schien hier zu sein. Lediglich der frühen Morgenstunden unwirkliches Dämmerlicht und ein toter Wald, sonst nichts. Wieso war ihm das vorhin nicht aufgefallen? Fröstelnd viel sein Blick auf die Klinge, und er bemerkte ein paar Tropfen frisches Blut an ihr. „Das kann doch nicht wahr sein…“ Fassungslos betrachtete er das Messer, und ein kalter Schauer lief ihm den Rücken hinunter. So saß er endlos erscheinende Stunden und wagte nicht, noch einmal ein zu schlafen. Was war geschehen, das er hier an diesem verfluchten Ort gelandet war?

Plötzlich stieg Panik in ihm auf, befahl ihm zu rennen. Egal wohin, Hauptsache weg von hier!

Irgendwann – er wusste nicht wann – kam Nebel auf, und die ersten Sonnestrahlen blitzten durch die ersten Zweige. Er schaute sich um, und fand einen kleinen Pfad, der sich durch den Wald bahnte. Boraida atmete auf. Endlich ein Weg. Wo ein Weg ist, da ist auch ein Haus. Irgendeine andere Seele, welche er nach dem Weg aus diesem Wald fragen könnte. Erleichtert atmete er durch machte sich auf, dieser Schauermär ein Ende zu bereiten.

Stunden vergingen.

Der Weg wandte sich wie eine Schlange durch die sanften Hügel und Täler, immer wieder schien es derselbe Baum am Wegesrand zu sein, wie im Tal zuvor. Kein Tier zu hören, nicht einmal eine Fliege summte ihr Lied.

Nur diese geisterhafte Stille.

Und dann dieser Nebel, der sich in den Bäumen verfangen hatte und seltsame Gestalten bildete …
„Verdammt, das ist bloß ein Wald wie jeder andere, jetzt reiß dich mal zusammen!“ schrie Boraida ärgerlich zu sich selbst. „Nur ein Wald, nichts weiter! Davon hast du schon mehr als einen durchwandert.“ Wie eine Rasierklinge durchschnitt seine Stimme die nebelgeschwängerte Luft, trieb hinaus und wurde verschluckt. Strafend schien die Stille ihm Schelte zu heißen, die Ruhe gestört zu haben.

Schweigend und einsam lief Boraida weiter durch den Wald, hörte nichts als seine eigenen Fußstapfen. Hinter sich sah er, wie die Sonne den Himmel in ein Meer von Purpur färbte und dann verschwand. Die zweite Nacht in dieser unwirklichen Wildnis begann. Bis tief in die Nacht folgte er dem Weg, bis er einfach nicht mehr weiter konnte. Er aß sein letztes Stückchen Brot und trank den letzten Tropfen Wasser, den er noch bei sich hatte. „Auf dich, Tod“, prostete er in die Luft, „Ich wette, du hast mich wohl gefunden!“ Danach legte er sich schlafen, und beschloss, auf den Tod zu warten.

Alpträume schüttelten ihn, …

Da war wieder dieses Donnergrollen, irgend jemand schrie etwas und dann blitzte es, gefolgt von einem sengenden Schmerz in seinem Bein. Von Angst und Panik ergriffen schreckte er hoch. Panisch schaute er nach seinem Bein, doch dort war nur eine Narbe von einer Verletzung, an die er sich nicht erinnerte. Aber der sengende und glühende Schmerz aus dem Traum verfolgte ihn weiter, er traute sich nicht, ein zu schlafen. Stattdessen dachte er nach. Warum hatte er solche Träume? So saß er den Rest der Nacht an einem Baum am Wegesrand und beobachtete, wie der Frühnebel aufzog und die Sonne ankündigte.

DING… DING … DINGDING … ZSCH…

Boraida schaute auf und rieb sich den Schlaf aus den Augen. Klingt fast wie das vertraute Hämmern aus einer Schmiede. Aber hier draußen? Mitten in der Wildnis? Vielleicht träumt er ja auch, der Beweis mit dem Schmerz funktioniert ja hier auch nicht. Irgendwo links von ihm, im Wald, war das Geräusch. Boraida dachte nach, sollte er es riskieren, den Weg zu verlassen? Hunger und Durst erleichterten es ihm, eine Antwort zu finden. So schlug er sich in die Büsche, und lief zu dem Geräusch. Ding … Ding … Um ihn schloss sich der Nebel zu einem undurchdringlichen und unheimlich wabernden Wall.

Das Geräusch wurde lauter.

„Hallo? Ist da jemand?“ Boraida bahnte sich seinen Weg durch das unerbittliche Unterholz. „Bitte, ich bin nur ein Wanderer, der sich verlaufen hat!“ Da hörte das Hämmern auf und eine Stimme antwortete: „sind wir das nicht alle?“ Boraida kam näher und sah sich um. Kein Pfad führte zu der Schmiede, sie schien wirklich einsam und verlassen mitten in diesem Wald zu stehen, umgeben von einer undurchdringlich wirkenden Nebelmauer.

„Bitte“, fragte er, „wo ist das nächste Dorf?“ Der Schmied schaute seinen Gast an: „Aber du bist doch
eben erst hier angekommen, warum so viel Eile?“ Mit diesen Worten hämmerte er wieder auf seinem Amboss und führte seine Arbeit fort. DING… DING… „Ich möchte Euch ja wirklich nicht auf die Nerven fallen, aber…“ fing Boraida an, da unterbrach ihn der Schmied knapp: „Ich bin gerade an einer kritischen Stelle!“ und hämmerte dann eine Weile schweigend vor sich hin. Schließlich beträufelte er sein Werk mit Öl und hielt es stolz in die Höhe: „Und? Wie findest du es?“ „Na ja, es ist…“ Boraida suchte nach einem passenden Wort. Das Ding sah aus wie ein zerknittertes Papier oder ein vertrocknetes Blatt. Aber mit Sicherheit nicht wie das Werk eines Meisterschmieds. „Genau!“ sagte der Schmied, „es ist alles, was man braucht.“ Damit legte er den Schmiedehammer beiseite und ging in Richtung Hütte.

„Guter Mann“, fing Boraida an, „ich möchte wirklich nicht unhöflich sein, aber wo ist das nächste Dorf? Ich muss dringend…“ Der Schmied drehte sich plötzlich um und fragte mit eisigem Blick: „Müssen? Gestern Abend hast du gar nichts mehr vor gehabt und jetzt musst du auf einmal wieder?“ Boraida spürte, wie in ihm der Zorn aufstieg: „Pass mal auf, Väterchen, es ist mir völlig egal, wer du bist, aber du sagst mir jetzt sofort wo das nächste Dorf ist, oder…“ „Oder was?“ Der alte Schmied schaute ihn erwartungsvoll an.

Unvermittelt drehte er sich wieder um und kicherte wirr: „Ich weiß, was ich jetzt mache. Ich gehe jetzt einfach erstmal was essen. Ich habe richtig Hunger.“ Boraida stürzte sich von hinten mit gezogenem Messer auf den Schmied und schrie: „Du verdammter Hundesohn, dir zeig ich, was es bedeutet, mich zu veralbern! DU warst es, der mich beobachtet hat und das schon die ganze Zeit! Ich wusste es doch!“ Mit diesen hasserfüllten Worten bohrte sich die Klinge in den Körper des Schmieds. Er riss sich mitsamt dem Messer los. Boraida nahm instinktiv den großen Schmiedehammer und schlug voller Hass nach dem Kopf. Ein Knacken – Nach endlos erscheinenden Sekunden sackte der Schmied langsam und lautlos flüsternd in sich zusammen.

Eine geisterhafte Stille waberte in diesem Augenblick in der Luft, greifbar und doch ohne Substanz. Boraida fröstelte. Irgendwie kam ihm dieses Bild bekannt vor, hatte er das schon einmal erlebt? Natürlich, in seinem Traum! Ein Stich, ein Knacken, Lichtblitze und …

Eiskalt lief ihm der Gedanke den Rücken hinunter.

Eilig durchsuchte er die Hütte des Schmieds, nahm die Lebensmittel an sich, und rannte so schnell er konnte hinaus in den Nebel in Richtung des Weges. Bloß weg von diesem verfluchten Ort! Nach kurzer Zeit fand er den alten Weg wieder und setzte seinen Weg fort. Er drehte sich auf diesem seltsamen Weg nicht einmal mehr um. „Boraida, wo bist du da nur rein geraten?“ Auch dieses Mal antwortete lediglich diese unwirkliche Stille…

Er teilte sich die Verpflegung sorgfältig ein, doch nach endlosen Tagesmärschen neigte auch sie sich dem Ende. Der Weg jedoch schien endlos zu sein. Die Zeit verging nur langsam. Boraida wusste schon lange nicht mehr, wie lange er unterwegs war. Schon vor Tagen war ihm das letzte Wasser und Brot ausgegangen und der trostlose Waldweg lief immer weiter vor sich hin. Tagsüber diese greifbare Stille und des Nachts schüttelten ihn grausame Alpträume. Eine Weile dachte er darüber nach, wer er wirklich war und was er wohl vergessen hatte, als er vor so endlos langen Tagen und Nächten hier mitten im Wald aufgewacht war. Aber nun wurde es ganz allmählich unwichtig, denn nur er war da. Ganz alleine und einsam. Als seine erbeuteten Lebensmittel zur Neige gingen, teilte er sie erneut ein, doch es half nichts.

Gnadenlos schwanden sie dahin und mit ihnen auch seine Hoffnung zu überleben. Am Ende seiner Kräfte sank er auf die Knie und sprach laut: „Tod? Auf ein Neues, das letztes Mal hast du mich ja doch nicht erwischt!“ Mit diesen Worten sackte er kraftlos zusammen und schlief ausgedorrt von Hunger und Durst ein. Früh am Morgen erwachte er, wie immer, von einem grausigen Alptraum geschüttelt. Ein Knacken, ein Donnergrollen, irgendetwas traf ihn und immer wieder das Gesicht des Schmieds. Er kauerte sich voller Panik zusammen unter einem Baum und wartete auf den Sonnenaufgang. „Tod, nimm endlich deine gnädige Hand und erlöse mich!“ klagte er. Er konnte fühlen, wie er den Verstand verlor.

Doch nichts geschah.

Oder doch? Oh er hätte schwören können, dass… – Eine Stimme? Still blieb er sitzen und lauschte. Da kam ihm doch tatsächlich jemand entgegen! Es war eine Frau und sie sang ein Lied. Nun, sie musste von irgendwoher gekommen sein, vielleicht ein Dorf. Sie kann er fragen. Also stand er auf und mühte sich den Weg entlang, ihrer Stimme entgegen. Schließlich, in einem seichten Tal kam sie ihm entgegen.

Sie tanzte und sang.

Als sie Boraida sah, kam sie freudig angelaufen und begrüßte ihn herzlich. „Willkommen Fremder…“, kicherte sie, „hast du dich verlaufen?“ „Nein.. ja… also ich weiß nicht.“ fing Boraida an. Er hatte mit Vielem gerechnet, aber nicht mit dieser Situation hier. „Na, dann komm doch einfach erstmal mit mir mit.“
schlug sie fröhlich vor. „Sehr gerne!“ Boraida war einfach nur glücklich, endlich nach so langer Zeit einen anderen Menschen zu treffen. „Wie ist denn dein Name?“ Sie schaute ihn fröhlich an: „Ich bin Anna.“ So liefen sie gemeinsam den Weg entlang, allerdings zurück durch das Tal, aus dem er gerade kam.
Nach einer Weile fragte Boraida: „Darf ich fragen, wohin wir gehen?“ Sie kicherte fröhlich: „Zum Schmied! Er ist der einzige hier weit und breit, und er wollte mir etwas ganz besonderes schenken.“

Abrupt blieb Boraida stehen.

Selbst wenn sie den langen Weg schaffen würden, der Schmied war doch von ihm erschlagen worden „Anna…,“, fing er vorsichtig an, „findest du nicht, das es etwas weit ist, um einfach mal eben dort hin zu gehen?“ Anna schaute ihn mit einer Mischung aus Unverständnis und Neugier an und deutete auf den sanften Hügel, der vor ihnen lag: „Wieso? das ist doch gleich da oben, links vom Weg.“ Als er ihrer Hand mit den Blicken folgte, hörte er es:

DING… DING… DINGDING…

Er war bis zum Ende seiner Vorräte tagelang gewandert, und jetzt… nein, es muss eine andere Schmiede sein! „Kommst du?“, fragte sie und zog ihn an der Hand weiter. Er ließ sich mitziehen, teilweise aus Neugier, teilweise weil er gar nicht so recht wusste, was er tun sollte. Hatte ihn sonst jemand gesehen? Eigentlich nicht, und das hieße, er könne gleich als unschuldiger Zeuge zufällig auftauchen. Heimlich ließ er das leere Bündel, welches er dem Schmied geklaut hatte, hinter einem Baum verschwinden und ließ sich von ihr mitziehen.

Sie erreichten den Hügel und schlugen sich dort in das Unterholz. Nach ein paar Metern erreichten sie einen kleinen Pfad, welcher sich in Richtung Schmiede schlängelte. Anna kicherte: „viele finden den kleinen Pfad nicht, und bahnen sich einen Weg quer durch das Unterholz.“ Boraida wurde abwechselnd heiß und kalt – irgendwie kannte er den ganzen Ort hier. So wenig kann er doch nicht gewandert sein in all den vielen Tagen!

Schließlich kamen sie um die Ecke und … da stand er, der Schmied!

Anna lies seine Hand los und rannte freudig auf den Schmied zu, um ihn zu begrüßen. „Hallo Anna!“ rief der Schmied und umarmte sie herzlich. Dann blickte er auf und schaute Boraida direkt in die Augen. „Wer ist denn dein Freund?“ „Ach, nur ein Wanderer, der sich verlaufen hat.“ Der Schmied wandte sich Anna wieder zu: „Sind wir das nicht alle?“ Kichernd sagte sie: „Ich glaube, er muss ganz dringend irgendwo hin…“ Der Schmied nahm Anna in den Arm und ging mit ihr zur Hütte. Beiläufig sagte er: „Jetzt gehen wir erst einmal essen, ich habe einen riesigen Hunger. Boraida hingegen war der Hunger in diesem Moment vergangen.

Was zum Teufel war hier los?

Stunden vergingen, und nach einer Weile kam der Schmied aus seiner Hütte und ging direkt zum Schmiedeblock, um seine Arbeit zu beginnen. Boraida saß etwas abseits, und wartete auf Anna. Sie kam nicht. „Schmied?“, fragte er, „Wo ist Anna geblieben?“ Der Schmied antwortete ohne einmal auf zu sehen: „Hier ist niemand.“ Boraida stand auf und meinte genervt: „Das kann nicht sein, ich bin mit Anna den Hügel hier hinauf gekommen.“ Der Schmied legte sein Werkzeug beiseite und schaute ihm direkt in die Augen Dann sprach er fest: „Jüngelchen, behauptest du etwa, dass ich lüge?“ Boraida glaubte zu spüren, wie der Blick ihn zu durchbohren schien, bis tief in die Abgründe seiner eigenen Seele.

Er erwiderte den Blick und fragte standhaft: „Wer bist du?“

Der Schmied taxierte ihn noch einige Sekunden, drehte sich auf einmal um und begann, etwas Eisen in sein
Schmiedefeuer zu legen. „Nur der Schmied.“, meinte er, „Nicht mehr und nicht weniger.“ „Der Schmied?“ – Boraida wurde wütend – „Der Schmied von was?“ Er antwortete nicht, tat so, als ob diese Frage niemals gestellt worden wäre. Boraida ging gerade auf den Schmied zu: „Ich habe eine Frage gestellt, höflich wäre eine Antwort! Der Schmied von WAS bist du?“ Mit diesen Worten packte er den Schmied an der Schulter. Da wirbelte er herum und fixierte Boraida mit einem eiskalten Blick: „Nur der Schmied von dem, was du siehst.“ „Und…“, fing Boraida verärgert an, „was sehe ich?“

Der Schmied fing an zu lachen: „Eine Schmiede, was sonst?“

Boraida schlug ihm mit der Faust so hart ins Gesicht, dass er zu Boden ging und Blut spuckte. „Also, fangen wir noch einmal an, du bist der Schmied von WAS? Ich hätte gerne ein paar Antworten auf meine Fragen, oder…“ „Oder Was?“, der Schmied stand auf und schaute Boraida erwartungsvoll an. Anstatt eine Antwort ab zu warten griff der Schmied mit seinen Tellergroßen Händen nach Boraidas Hals und drückte ihm die Luft weg. „Du glaubst doch nicht wirklich, dass sich die Geschichte wiederholt oder?“ raunte er grinsend ins Ohr. Boraida spürte wie etwas seine Kehle zuschnürte und die Lungen zu brennen begannen – nach Luft schrien! In Panik griff er nach seinem Messer an der Hüfte und warf es. Er traf das Bein des Schmieds, doch der lachte nur gehässig. „Stock und Stein, brechen mir ein Bein, oh…“ Im Todeskampf trat und schlug er wild um sich, doch die eisernen Pranken des Schmieds hielten ihn wie Zangen fest und pressten gnadenlos das Leben aus seinem Leib. Irgendwann sank endlich dunkelroter Nebel, der den
Blick verschwimmen ließ. Das letzte, das er noch vernahm, war das wirre Lachen des Schmieds.

Dann wurde es dunkel, still und leer.

Boraida saß senkrecht im Gebüsch. Neben ihm lag Anna … und schlief? Er stubbste sie an. „Anna?“, fragte er. Sie räkelte sich und rieb sich dann den Schlaf aus den Augen. „Guten Morgen!“, rief sie fröhlich. Er dachte nach. Immerhin lebte er noch, also schlecht konnte der Morgen schon einmal nicht sein. Aber wie ist er hierhin gekommen? „Hast du mich hierher gebracht?“, fragte er. Sie schaute ihn fragend an: „Ne, wir sind von dahinten gekommen und haben uns hier schlafen gelegt.“ Dann kicherte sie „Und du hast im Traum gesprochen. Ist ja lustig, was du alles geträumt hast.“ Er dachte nach. Na ja, das würde wohl vieles erklären. Wenn ALLE Erlebnisse bis jetzt ein Traum gewesen waren, dann würde es bedeuten, dass…

Er schaute nach den Stichwunden, die er immer im Traum erlitten hat.

Sie waren nicht da. Keine einzige. Also doch ein Traum? Misstrauisch blickte er sich um. Die rötliche
Morgensonne blitzte durch die Zweige und hier und da zwitscherte ein Vogel sein Morgenlied, eine Biene
summte vorbei. Er öffnete seinen Vorratsbeutel. Ja, da waren noch viele Lebensmittel, mehr als genug. Und er hatte Hunger. Es ist als hätte er tagelang nichts gegessen. Naja, dachte er sich, bestimmt alles nur Einbildung, bei einem so echt erscheinenden Traum. „Hast du Hunger, Anna?“ fragte er, als er das Frühstück vorbereitete. „Oh ja“, antwortete sie, „ich könnte ein ganzes Spanferkel verdrücken. Aber Brot wird es auch tun, denke ich.“ Dann kicherte sie.Er dachte nach, was wollten sie hier eigentlich noch,
irgendwie ist es ihm entfallen. Naja, dachte er sich, sie wird es bestimmt wissen. Also fragte er vorsichtig mit einem schiefen Grinsen: „Und was machen wir nach dem Frühstück?“ „Och…“ antwortete sie und warf sich demonstrativ zurück in ihr Bett aus weichem Waldboden zurück, „wie wäre es, wenn wir hier bleiben, und einfach mal rasten? Wir sind ja schließlich nicht seit gestern unterwegs. Und der Schmied läuft uns nicht weg.“ Sie streckte sich genussvoll auf dem weichen Boden und kicherte. Er setzte ein schelmisches Lächeln auf, aber in seiner Kehle spürte er nichts anderes als einen erstickten und
lautlosen Schrei.

Nach dem Frühstück gingen sie gemeinsam einen sanften Hügel hinauf. Jenen, den er schon so oft gesehen hatte im Traum. Nur der Wald war nicht als ewiger Grabhügel dem Tode geweiht, still und eisig, sondern voller Leben. Kaninchen spielten am Wegesrand, Vögel sangen um die Wette und das Stakkato eines Spechts stimmte munter mit ein. Boraida wusste nicht, wo er zuerst hinschauen sollte, so viel gab es zu entdecken und zu sehen. Anna tanzte neben ihm glücklich den Weg hinauf und freute sich über jedes Wesen, welches sie sah. Welch sonniges Gemüt, dachte sich Boraida, so was hatte er noch nie erlebt. Unvermittelt blieb sie stehen und kniete sich dann hin, um mit irgendjemandem zu reden. „Hallo, Herr Hummel“, fing sie an, „Wie ist das werte Wohlbefinden?“, kicherte sie. Boraida schaute ihr neugierig über die Schulter und auf einer Butterblume am Wegesrand saß wirklich eine Hummel und brummte mit den Flügeln. „Ist nicht war, echt?“, staunte Anna, „Und das habt ihr gemacht?“ kicherte sie wieder. „Aber findet ihr das nicht etwas unfair?“ Boraida stubbste sie leicht an: „Was… ähm… was machst du da, Anna?“ „Och,“ meinte sie knapp, „ich hör mir nur den neuesten Klatsch und Tratsch an. Du glaubst ja gar nicht, was seinem Vetter dritten Grades hier in der Nähe passiert ist, BOA…!“ „Öh… ja… also…“, fing Boraida an, „findest du nicht, das es etwas wichtigeres gibt, das wir tun müssen?“

Sie stand auf und schaute ihn mit ihren bleigrauen Augen an.

„Was denn?“, fragte sie neugierig. „Also ich gehe nur zum Schmied, weil du zum Schmied gehen willst.“ „Aber ich dachte, du hast … „, fing sein Protest an, aber irgendwie fand er nicht die richtigen Worte, da er ja alles nur geträumt hatte. Und das hieße, dass Anna eben nicht auf den Weg zum Schmied ist. Wenn er sich doch nur erinnerte, was er tun wollte, verdammt noch eins! „Was hast du denn wichtiges zu tun?“, bohrte sie nach. „Das hast du mir überhaupt noch gar nicht erzählt!“ Er glaubte ein Funkeln in den Tiefen ihrer Augen zu sehen, als sie bemerkte, dass da ein Messer war in seinem Ego, welche sie genussvoll herumdrehen kann. „Naja, …“ sagte er hilflos, „ist so ‚ne Art von Geheimauftrag, da darf ich nicht so reden.“ Sie nahm ihn bei der Hand und zog ihn weiter: „Na denn mal los, Herr Geheimnisträger!“ Schweigsam lief er mit.

DING DIND DING…. DINGDING … ZSCH…

Unheil verkündend dringen die Geräusche der Schmiede durch den Wald. Je mehr sie sich der Schmiede näherten, desto stiller wurde es. Es war, als wenn die Natur und alles Leben respektvoll Abstand hielt vor diesem Ort. Anna zog Boraida gnadenlos in diese eisige Stille. Er lies sich mitziehen. „Komm schon, oder traust du dich nicht?“, flötete sie fröhlich dabei. Er seufzte, dachte nur noch daran, diese schicksalhafte Begegnung hinter sich zu bringen und endlich …ja…wohin eigentlich dann zu gehen?Vielleicht ist diese Schmiede ja wirklich das Einzige, was er im Augenblick noch hat in seinem Leben?
Plötzlich standen sie vor der Abzweigung. Nebel legte sich wie aus dem Nichts über das Land und
die Zeit schien still zu stehen. Nur noch er, Anna und diese verfluchte Schmiede waren da. „Na los jetzt, du Wanderer!“ Anna zog ihn gnadenlos in das Unterholz. Die Dornen ritzten ihn an den Versen und er stolperte mehr als nur einmal. Und dann standen sie vor der Schmiede.

Da stand er, der Schmied.

Doch sein Anblick, Boraida gefror das Blut in den Adern. Ein Auge des Schmieds war rot gefärbt und er hatte Würgemale am Hals! Das Bein war verbunden von einer Stichwunde. Er sah seine beiden Gäste an und sagte nichts. Schaute einfach nur, mehr nicht. Schließlich zerschnitt Anna diese Stille mit ihrer fröhlichen Stille: „Ich habe ihn wiedergefunden, den verlorenen Wanderer. Ist das nicht toll?“ Der Schmied nickte: „Ja, die Träume finden alles.“ Anna kicherte: „Meinst du, er verläuft sich wieder?“ Der Schmied schaute aus seinem blutroten Auge heraus Boraida groß an und zuckte dann mit den Schultern: „Das wird sich zeigen.“ Mit diesen Worten drehte er sich um und schmiedete weiter.

DING … DING … DINGDING… ZSCH

„Äh… Herr Schmied?“ Der Schmied hob die Hand: „Einen Augenblick, ich bin gerade an einer kritischen
Stelle!“ Anna ließ Boraidas Hand los und lief zum Schmied hin. Der Schmied hielt ein glattes Blatt Metall hoch und Anna fragte: „Und, ist es fertig?“ Der Schmied nickte, und antwortete: „Lass uns was Essen gehen.“

Damit nahm er Anna in den Arm und sie gingen zu der Hütte hinüber.

Boraida blieb alleine zurück, und sah sich um. Auf dem Amboss lag noch das glatte Metallblatt. Neugierig ging er hin und nahm es in die Hand. Seltsame Linien und Figuren waren darauf zu sehen, aber er konnte nichts erkennen. Und dennoch, es war ihm alles bekannt. Fasziniert betrachtete er die Linien.

„Ja, das ist für dich, Jüngelchen…“

Boraida zuckte zusammen, er hatte gar nicht bemerkt, wie der Schmied wieder herausgekommen war. „Wo ist Anna?“, fragte er. „Überall und Nirgends.“ antwortete der Schmied, „Hast du sie nicht erkannt?“ „Du meintest, Träume finden alles… Ist sie das? Ein Traum?“ Boraida schaute den Schmied fragend an. „Sie, Du, Ich… ist das wichtig, wer wessen Traum ist? Du bist hier.“ „Wie bin ich hierher gekommen?“ Der Schmied schaute Boraida aus seinem roten Auge an: „Wie alle, die hierher kommen, wenn sie nicht wissen, wohin sie gehen sollen.“ „Wie oft war ich schon hier?“, fragte Boraida. „Ist das wichtig?“, meinte der Schmied. Boraida runzelte die Stirn… „nicht wirklich“ antwortete er. „Aber woher komme ich? Bin ich tot?“ „Nein“ antwortete der Schmied, „Tot bist du nicht. Andrerseits, was ist schon der Tod, wenn du nicht gelebt hast oder weißt, wo dein Leben ist?“ „Ich möchte nur wissen, wer ich bin, und wie ich nach
Hause zurückkomme.“ „Möchtest du wirklich dein altes Leben zurück?“, fragte der Schmied. „Deswegen bin ich hier, oder? Mein altes Leben ist irgendwie gestorben und ich wusste nicht wohin?“ Der Schmied sagte: „Das weiß ich nicht, warum du hier bist. Du bist aber hier, und das ist die Tatsache.“ Boraida schaute sich das metallene Blatt an, und sah, wie sich feine Linien darauf abzeichneten, in den hellsten Farben glitzerten. „Ich halte hier mein altes Leben in der Hand, oder? Ist es denn besser als der neue Weg?“ Der Schmied zuckte mit seinen Schultern: „Es ist ein neuer Weg. Du kannst alles sein, was immer du willst. Träume leben. Oder wieder dorthin zurück, wo du hergekommen bist.“ „Wie bin ich denn hierher gekommen?“, fragte Boraida. „Nun, du wusstest nicht mehr, wo du sonst hin gehen solltest. Alle kommen dann zu mir.“ „Und wer bist Du, Schmied?“ Statt einer Antwort drückte ihm der Schmied eine kleine Dose in die Hand: „Das hier ist für dich, da sind alle Antworten enthalten die du brauchst. Es ist ein Glücksbringer für die Zukunft.“

Boraida öffnete die Dose und sah sich selbst in einem Spiegel.

Lange Zeit betrachtete er sich selber im Spiegel, bevor er eine Entscheidung traf. Er legte das metallene
Blatt ins Feuer und betrachtete, wie die Linien rot aufglühten und dann verschwanden. Dann sprach er: „ich bin ein Wanderer, der sich verlaufen hat…“ Der Schmied antwortete: „Sind wir das nicht alle? Was suchst du denn, Wanderer?“ Boraida suchte nach einer guten Antwort und sagte nach einer Weile langsam: „Ein neues Leben.“ Der Schmied klopfte ihm auf die Schulter: „Lass uns doch erst einmal was essen, ich habe einen riesigen Hunger…“ Schweigend aßen sie zusammen. Dann fragte der Schmied: „Und, wohin geht die Reise nun?“ Boraida legte das Messer auf den Tisch und lächelte:

„In die Berge, ich habe gehört, dort kann ich auf dem höchsten Gipfel die Sterne pflücken…”

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Interview mit einem Zombie

Hier ist es:

das wohl einzige Exklusivinterview mit einem Zombie, zu dem wir unseren Voluntär Peter Ungenau schickten:

AB: Hallo Herr … ähm …?
Zo: ZZZOARRRGH
AB: Herr Zorgh. Sie sind also hauptberuflich Zombie?
ZO: UUURRRR.
AB: Das ist ja eine interessante Berufswahl. Wie sind Sie darauf gekommen?
ZO: ARRRBREII
AB: Sie haben also eine Arbeit gesucht?
ZO: URRRR.
AB: Naja, Zombie will man ja bestimmt nicht “einfach mal werden”, was hat Sie zu diesem Beruf gebracht
ZO: UUUNTRRRFGANG WEEEERRRRlllt…
AB: Also war es der Weltuntergang, die große Zombieapokalypse. Stimmt natürlich, da herrschrte gerade am Anfang ein sehr großer Personalbedarf, bis die normale Weltordnung endlich zusammenbrach und die letzte Verteidigungslinie überwunden war.
ZO: UrRRR.
AB: Würden Sie es denn jetzt noch jemanden empfehlen, diesen Beruf zu wählen?
ZO: Urrurururururururrr…
AB: Also nicht. Nun kann ich auch gut verstehen, inzwischen ist es statistisch doch eine sehr hart umkämpfte Marktlücke.
ZO: Urrr. prooooormiestatussss weeergl…
AB: Das kann ich mir gut vorstellen, als es nur einige wenige kommerzielle Zombies gab, hat man schon alleine durch die Art des Berufs viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Besonders Frauen haben da sehr hysterisch reagiert, wenn so ein VAMP oder VIP mal auftauchte. Das ist jedoch jetzt ein Jahr her und Inzwischen stehen Zombies ja doch an jeder Ecke faul herum, wenn man das so sagen kann.
ZO: ARR!
AB: Ich entschuldige mich für das Wortspiel, es bot sich nur gerade an.
ZO: urr.
AB: Danke schön. Andere Frage:
Wie sieht denn inzwischen die Ausbildungslage aus. Ich meine, früher war das ja so, dass man ausschließlich in zertifizierten Geheimlaboren exklusive Verträge gekriegt hat. Hat sich da etwas geändert in den Auflagen. Einfacher ausgedrückt:

Sind die Hürden für diesen Beruf gesunken?

ZO: lll… llla … llllaicht.
AB: Ist also Áusbildungslage leichter geworden und inzwischen kann man das doch ziemlich einfach werden.
ZO: Llllaiddärrrr
AB: Und wie sieht das mit der Frauenquote aus? Political correctness, Sie verstehen schon … Diese Frage interessiert doch jeden Leser…
ZO: GÄRRRGH,…
AB: Das bedeutet, Sie sind insgesamt sehr gut aufgestellt, und erfüllen alle gesetzlichen Mindestanforderungen zur Frauenquote.
ZO: Urrr.
AB: Das ist doch erfreulich… wie sieht es denn mit dem Krankenstand nach dem Abschluss aus? Die Ausbildung soll sich teilweise ziemlich gesundheitsschädlich auf den Körper auswirken. Mir liegen bestätigte Berichte vor, dass es da so einige bislang totgeschwiegene Beschwerden geben soll.
ZO: Nnnnixxxxx…
AB: Also alles Gerüchte und üble Nachrede?
ZO: Uruuurrrrr. Nnnixgraaange… totsichr …
AB: Es wird sehr nachhaltig gearbeitet, und auf Probleme ein gegangen, bevor sie entstehen?
ZO: toot… sichr…
AB: Und das obwohl der Markt mittlerweile sehr überbevölkert ist. Respekt!
ZO: Daaaange… Essssssnjäääääz zsssaigen??
AB: Das kommt eigentlich später im Fragenkatalog, aber gerne, dann ziehen wir diese Fragen vor, und gehen zusammen mit Ihren Kollegen etwas essen, und Sie zeigen mir die kulinarischen Einflüsse, die Ihr Beruf als Zombie so mit sich bringt. Einverstanden?
ZO: urrr… lärrgerfrisschhflasch
AB: Habe ich das richtig verstanden, dass Sie und Ihre Kollegen wirklich frisch zubereitete Lebensmittel hier bekommen.
ZO: hrrhrhrhrr…
AB: Nein ehrlich, das ist eine logistiche Leistung, zumal wir ja wirklich weit draußen sind. Die Überlebenden essen teilweise die verdorbenen Reste ihrer Zivilisation und sind nur am Jammern. Was essen Sie denn so, ich meine, hier draußen im Einsatz?
ZO: frschflaisch… jagnnnn.
AB: Ich möchte ja jetzt nicht penetrant wirken, aber seit der Apokalypse gibt es hier eigentlich kein frisches Wild mehr, dass man noch jagen könnte. Oder irre ich mich?
ZO: Zaignnn fallääärr?
AB: Sie sind also ein Fallensteller, …
ZO: staignnnn schlaufff.e. daarrrrr….
AB: Ah … Also die Beute steht dann so wie ich jetzt hier in einer Schlaufe…? Und dann ?
ZO: zihän… bannnnt…
AB: Das ist raffiniert… die Beute klatscht dann so wie ich rückklings auf den Boden und hängt dann quasi ziemlich hilflos mit dem Kopf nach unten in der Luft. Und wenn sie pech hat und unglücklich aufgeschlagen ist, dreht sich noch alles. Aber mal ganz ehrlich, das klappt aber doch nur ziemlich selten, oder nicht? Sonst wäret ihr alle im Kreis hier nicht so ganz ausgemärgelte Gestalten.
ZO: Oooochhhhhh…
AB: Dann bedanke ich mich doch mal für diese Demonstration, ich schlage vor, wir machen nach dem Essen mit dem Interview weiter, ich übertrage den bisherigen Teil nur kurz an die Redaktion und dann könne wir in Ruhe uns dem Essem widmen. Ist das in Ordnung für Sie?

ZO; Nmmaaahlzeit…


Leider konnten wir unseren Voluntär, der sich in das Herz der Zombieapokalypse auf gemacht hat, nach dem Essen nicht nicht mehr erreichen. Wir hatten dabei noch so viele interessante Fragen, die unbeantwortet blieben. Aber bei dem bisher beschriebenen Berufsbild würde es uns nicht wundern, wenn unser Voluntär einen bestimmt noch offenen Arbeitsplatz als Zombie angenommen hat. …

Auf jeden Fall benötigen wir wohl einen neuen Voluntär für derartige Aufgaben.

Irgendwie verlieren wir häufiger Voluntäre bei unseren Feldeinsätzen.  Naja egal … wir gehen hier einfach mal davon aus, dass dieser hier jetzt motivationslos in dieser Gegend abhängt. Naja, der taucht bestimmt irgendwo und irgendwie wieder auf, wenn er Hunger hat..

Und bis es soweit ist:

Stay tuned 🙂

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Die Marktumfrage

Wenn es etwas gibt, dass ich absolut hasse, dann sind es ungefragte Anrufe, die sich über mein Leben erkundigen wollen. Jetzt gibt es zwei unterschiedliche Arten von Marktumfrage:

1. Der Mikrozensus

Der ist auf Grund welcher Rechtslage auch immer staatlich angeordnet und die freiwilligen Mitarbeiter haben jede Menge Möglichkeiten, sich zu melden und schlichtweg rum zu nerven. Da kann man tatsächlich auch wenig gegen machen, da es sich um eine offizielle behördliche Einrichtung handelt und die Sanktionen verhängen können, die einen extrem beschäftigen können. Interessanterweise ist der Fragebogen ewig lang, aber per Telefon sind es nur etwa 15 Fragen und alles, was man nicht beantworten muss, kann an der Stelle einfach weggelassen werden.

2. Telefonmarketing

Das sind diese Marktumfrageinstitute, die ohne jede Rechtslage einfach mal anrufen und mitunter ihre eigene Telefonnummer verschleiern, um bei der Gelegenheit irgendwelche Fragen über Politiker und Putzmittel zu stellen. Sehr lästig, aber wenn man Zeit hat – also wirklich viel Zeit hat – dann kann echt seinen Spaß haben. Rechtlich besteht kein Anspruch auf irgend eine Korrektheit in der Aussage, und daher hat man die Möglichkeit, ein unglaublich amüsantes Gespräch zu führen. Das Einzige, was man nicht darf, ist die Person auf der anderen Seite direkt zu beleidigen.

Das es für sich schon eine Beleidigung darstellt, von solchen Leuten angerufen zu werden, ist eine andere Geschichte.

So auch diese arme Dame, die angerufen hat – ausgerechnet, als ich Zeit und lange Weile hatte. Als das Telefon klingelte, bin ich natürlich ran gegangen… – Und das Unglück nahm seinen Lauf.


“Hallo?” OK, das war vielleicht nicht gerade ein lyrischer Anfang für ein Gespräch, schien aber mein Gegenüber nicht zu stören: “Ja, schönen guten Tag, Marktwirschaftliche Forschungseinrichtung im Auftrag der Wirtschaft und für Datenerhebung für das Bundesministerium für Arbeit…” Das dauerte noche eine Weile, bis die Stimme am Telefon einen Punkt gefunden hatte, um zu unterstreichen, dass letztendlich die Bundesregierung höchst persönlich irgend etwas amtliches vor hatte und man deshalb nicht einfach auflegen darf. Irgendwann kam dann die entscheidende Frage: “Im Rahmen der Marktuntersuchung und zu Schulungszwecken schneiden wir hin und wieder einige Telefonate mit. Sie sind doch einverstanden, oder?” Mit anderen Worten, wenn die etwas verkaufen wollen und eine Einverständniserklärung als Beweis benötigen, schalten die das Tonband im Zweifelsfall ein und dann war das zufällig der Mitschnitt. Also muss man gegensteuern: “Aber nein, ich bitte sogar darum. Schalten Sie den Mitschnitt doch bitte ein…” – “Danke schön, also …” Also DA muss man schon mal unterbrechen. Also fragte ich: “Läuft das Tonband denn jetzt?”
“Nein, das …”
“Dann schalten Sie es bitte ein. Ich bestehe sogar darauf.”
“In Ordnung, also es läuft.”
“Sicher?”
“Ja.”
“Also dieses Telefonat wird jetzt absolut mit geschnitten?”
“Ja.”
“Könnten Sie das noch einmal in einem ganzen Satz wiederholen?”
“Dieses Telefonat wird ab jetzt mitgeschnitten. Also …”

Stopp, erst muss ich natürlich an dieser Stelle ein paar Kleinigkeiten klar stellen, denn wenn das Telefonat hinterher als Beweis für irgend etwas herangezogen werden kann, muss es ja eindeutig sein, was ich will, und vor allen Dingen, was nicht.

“Moment! Möchten sie etwas verkaufen?”
“Ich verstehe jetzt nicht ganz…”
“Ob Sie hier am Telefon irgendwelche kostenpflichtigen Dienstleistungen anbieten?”
“Im Moment nicht… Also um auf das Thema…”
“Das sehe ich genauso, es ist sogar ein sehr zentrales Thema, finden Sie nicht? Keiner möchte gerne im Rahmen einer Umfrage ein Abo für eine sinnlose Zeitschrift haben. Deshalb sollten wir das gleich klären. Oder möchten Sie jetzt gerne eine Segelyachtzeitschrift abonnieren, weil Sie mit mir telefonieren? Immerhin haben Sie ja bei mir angerufen, also möchten Sie ja etwas von mir haben. Also, welches Abo möchten Sie denn haben?”
“Nein, ich möchte kein Abo haben… Also um…”
“Nun da haben wir ja das Problem gefunden. Sie möchten gerne etwas von mir haben und auf meine Frage, ob Sie etwas anbieten, das ich kaufen könnte, antworten Sie nur lapidar, dass sie im Moment nichts an zu bieten haben. Das schließt aber nicht aus, dass Sie darauf später noch einmal zurück kommen werden, und mir ungefragt etwas anbieten möchten. Also, was möchten Sie mir denn anbieten?”
“nun, derzeitig nichts, die Fragen gibt hier der Computer vor…”
“Also wissen Sie noch gar nicht, was Sie mir anbieten möchten, bevor Sie nicht ihren Computer gefragt haben? Dann erklären Sie mir doch bitte einmal, woher der Computer weiß, dass ich etwas benötige… Machen Sie das immer so, ich meine, anrufen und den Leuten erzählen, dass Sie gar nicht wissen, was Sie von ihnen wollen?”
“Nein, das ist eine Marktumfrage, die wir im Auftrag eines Kunden durchführen …”
“Ja, das habe ich schon verstanden, aber Sie müssen auch einmal meinen Standpunkt verstehen:

Sie rufen bei mir an, um mir Fragen zu stellen, auf dessen Basis ein Computer mir dann etwas zum Kauf anbieten will, von dem ich vorher gar nicht gewusst habe, dass ich es unbedingt brauche. Und die eigentliche Frage, ob ich generell per Telefon etwas kaufe, stellen Sie mir gar nicht. Und ohne diese Frage ist das Durchgehen eines Fragebobens über meinen Bedarf doch völlig am Ziel dieses Telefonats vorbei.

Oder sehe ich das falsch?”

“Ich möchte lediglich ein paar Fragen mit Ihnen durchgehen. Können wir dann beginnen?”
“Für welchen Kunden fragen Sie denn konkret?”
“Das steht hier nicht. Es ist eine anonyme Umfrage.”
“Aber diese Frage wird dann auch gestellt?”
“Welche Frage?”
“Na, ob ich überhaupt etwas am Telefon kaufe?”
“Das weiß ich nicht.”
“Aber Sie möchten mir schon etwas verkaufen?”
“Das habe ich nicht gesagt… also …”
“Also wird Ihr Computer dann sagen, was Sie mir verkaufen sollen? Ich kann mich da ja irren, aber benötigt man hierzu nicht personenbezogene Daten?”
“Das weiß ich nicht. Die Fragen tauchen hier einzeln auf und sollen beantwortet werden”
“Sie sitzen doch in einem Callcenter, und machen den Job bestimmt schon länger. Sie werden doch grundsätzlich wissen, welche Fragen so gestellt werden, oder nicht? Ich meine, Sie müssen sie ja zumindest vorlesen, und da bleibt so einiges hängen… – Oder sind Sie selbst der Computer?”
“???”
“Naja, vielleicht sind SIE ja der Computer selber, bei der ganzen modernen Technik und so weiß man ja mittlerweile wirklich nicht mehr, wer was ist und wer nicht!”
Langsam wurde die Stimme am Telefon ungeduldig: “Möchten Sie die Fragen nicht beantworten?”
“Nun, DAS kann ich so gar nicht abwägen, da Sie ja bislang gar keine Frage gestellt haben. Nicht einmal die simple Frage, ob ich etwas kaufen will, konnten Sie mir stellen, da Sie nicht wissen, ob Ihr Computer Ihnen diese Frage stellen wird. Und alles, worum ich Sie gebeten habe, ist eine persönliche Meinung bezüglich der Frage, ob Ihr Computer rein technisch diese Frage stellen könnte, wenn es relevant wird. Sie sitzen doch den ganzen Tag vor dem Ding, da müssten Sie sich schon die eine oder andere Frage gemerkt haben.”
“Ja, der Computer fragt mitunter auch nach Ihrer Einwilligung, sofern es notwendig ist. Da geht es aber dann eher um die anonymisierte Weitergabe von Daten zu Forschungszwecken. Also … wie viele Personen leben derzeitig in Ihrem Haushalt?”
“Sie meinen jetzt gerade?”
“ja.”
“Ich bin alleine.”
“Und wie alt sind Sie?”
“48”
“Ihr Beruf…”
“Surrealistischer Maler.”
“Kommen wir zur ersten Frage über Waschmittelmarken …
“Brauche ich nicht als Abo.”
“Ähm, das war nicht die Frage…”
“Weiß ich doch, ich wollte es nur klarstellen. Natürlich kenne ich Waschmittelmarken. Gibt sehr unterschiedliche für Kunststoffe und Metall, für Teller und Wäsche… ”
“… für Wäsche.”
“Kenne ich, und ich bin damit auch zufrieden. Wollen Sie mir jetzt erzählen, mein Waschmittel sei schlecht?”
“kennen Sie Lenor?”
“Ich weiß nicht, ob ich diese Frage jetzt politisch korrekt beantworten kann,…”
“???”
“Naja, Lenkbarer Einheimischer natürlich ohne Rechte … finden Sie diese Frage im Telefonmarketing politisch angebracht? Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Bundesministerium für Arbeit derartige Fragen gutheißen kann.”
*hüstel* die Waschmittelmarke…”
“Ach so, ja natürlich kenne ich das Waschmittel. Ist, glaube ich, von Henkel, oder?”
“Benutzen Sie es?”
“Wie, Sie fragen mich, ob ich einen LEnoR benutze? Wollen Sie mir doch etwas politisches hier unterstellen, oder wie soll ich das jetzt verstehen? Das finde ich wirklich nicht sehr nett von Ihnen.”
“Das Waschmittel!”
“Ach so, da habe ich Sie falsch verstanden, ich entschuldige mich. Nein, Lenor ist dieses blaue Zeug, das nutzen wir nicht. Wir haben so ein weißes Pulver, aber da müsste ich meine Frau fragen, wo sie das immer her hat.”
“Aber Sie haben doch eben gesagt, dass Sie alleine leben!?”
“Nein, Sie haben gefragt, wie viele Personen jetzt gerade in meinem Haushalt leben, und das bin korrekterweise ich alleine. Wie viele Personen es heute Abend sein werden, weiß ich jetzt leider auch nicht, da die Kinder Ferien haben und nicht zwangsläufig nur zu Hause schlafen, da sie viele Freunde haben, bei denen sie auch übernachten. Aber das können wir gerne nachher noch korrigieren. Um Zeit zu sparen, schlage ich vor, das wir das nachher machen, wenn alle Fragen beantwortet wurden und wir die zusammen noch einmal durchgehen. Ich möchte ja nicht, dass Sie etwas falsches in Ihrem Computer stehen haben.

Sagen Sie, wie viele Fagen sind das denn, die wir noch zusammen erörtern werden?”

An der Stelle klickte es in der Leitung und ich war mit meinem Telefon alleine. Ob die Dame aufgelegt hat, oder aber der Computer die Verbindung unterbrach, werde ich wohl niemals in meinem Leben herausfinden. Und dabei hätte ich so gerne gewusst, ob Lenor besser als unser weißes Pulver ist, dass ich so gerne nehme…

Aber eines habe ich durch diese Begegnung gelernt:

Es ist wirklich kein Wunder, dass alle genervt reagieren, wenn Marktforschungsunternehmen anrufen, “nur um ein paar Fragen zu stellen”:

Diese Fragesteller sind wirklich anstrengende Zeitgenossen   …

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Der letzte Sonntag 2014

endzeit

Der letzte Sonntag im Jahr 2014 !

In Anbetracht der Tatsache, dass die Welt bereits 2012 untergehen sollte, dürfte es die Immobilienpreise in den französischen Bergen – da, wo die Aliens landen und die Menschheit retten wollten – dann 3 Jahre nach dem Großereignis ziemlich hart getroffen haben. Angeblich sitzen ja immer noch dort oben auf den Berggipfeln Menschen mit Bademantel, Handtuch und einem hochgehaltenen Daumen, und warten auf den Moment, da sie per Anhalter durch die Galaxis reisen dürfen. Wieder andere werden hingegen verzweifelt in ihrem Kämmerlein hocken und darauf warten, dass doch noch etwas passiert, damit sie sagen können, sie hätten es ja gesagt, und da alle guten Dinge 3 sind, ist das 3. Jahr dafür prädestiniert, dass sie postum recht gehabt haben könnten.

Aber das soll uns hier nicht aufhalten. Die nächsten Termine für den Weltuntergang stehen ja bereits an, und wenn ein kosmischer Gammablitz uns nicht jede Sekunde in unserem Leben treffen kann, gibt es zuverlässige Vorahnungen und mathematische Berechnungen, welche auf das Ereignis, da der Schnitter persönlich die Menschheit abholen kommt, hinweisen.

Die nächsten Untergangstermine sollte sich also jedes börsennotierte Unternehmen unbedingt im Kalender vormerken:

17. Mai 2024

IKEA soll laut dem Propheten Igidius Moralis überraschend Insolvenz anmelden. Ganz Europa wird in einem Schnäppchenchaos untergehen und die öffentliche Ordnung außer Kraft gesetzt. Weltweite Möbelunterversorgung soll die Folge sein. Behauptet zumindest der allwissende Kaffeesatz …

13. April 2029

Der Meteorit Apophis rast auf die Erde zu und trifft sie. Wir sind gespannt, ob die NASA an der stelle recht behält und es glücklicherweise doch nicht passiert.

14. April 2029

Sollte der Meteorit Apophis die Erde nicht treffen, wird eine Krankheit eine Zombieapokalypse auslösen. Diese Krankheit ist durch Apophis vom Rand des Sonnensystems auf die Erde gebracht worden!

Jahr 2076

Da geht laut mehreren Sekten richtig die Post ab. Geht man von einer 6000 – jährigen Woche aus, muss es hier sein!

Jahr 3076

Geht man allerdings von einer 7000 – jährigen Woche aus, muss es aber hier sein. Wieso es nicht 6000 Jahre sein dürfen, das ist eine andere Geschichte.

Jahr 3797

Nostradamus hat es prophezeit … wer wird da widersprechen wollen?


Es bleibt also spannend, und wir freuen uns auf eine düstere  Zukunft voller Weltuntergänge …

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