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Protokoll des Grauens: Julia geht baden

Willkommen zurück zum Zweiten Teil von Protokoll des Grauens. Letzets Mal haben wir den armen Gernot auf seiner Reise durch die Chaträume begleitet, und es … naja … inspirierend kann man es
nicht nennen. Zuletzt hatten wir versprochen, dass wir uns noch einmal mit einem anderen Alter Ego in die fiktiven Welten des Internets begeben, um die andere Seite zu erforschen.

Hierzu erfanden wir Julia aus Bungelheim bei Nordenhummel. Diesen Ort gibt es laut Google Maps nicht, Wie wir heraus gefunden haben, muss dieser Ort jedoch zwangsläufig an der Nordsee bei Rügen liegen, da es ja sonst eindeutig Nordenhummel heißen würde, oder? Und wieso Rügen eindeutig an der Nordsee liegt, haben wir auch nicht so ganz begriffen, aber man kann ja wirklich nicht alles haben.

Shakespeare wurde ja auch angeblich von Hamlet geschrieben! Wer in diesem Zusammenhang der Schriftsteller ist und wer die Figur, ist in diesem Zusammenhang egal, weil die Namen alle beide grundsätzlich in einem gar nicht so falschen Kontext verwendet wurden.

Ist hier ähnlich:

Rügen ist eine Halbinsel und liegt an einer See … ob es jetzt Nordsee oder Ostsee ist, wäre grundsätzlich zweitranging, weil beides auch noch in Deutschland zu finden wäre. Und wenn man von hinter den Alpen aus los fährt, wäre bis zu einem bestimmten Punkt die allgemeine Fahrtrichtung ziemlich ähnlich. Also ist diese Aussage gar nicht mal so falsch.

Aber zurück zu Julia aus Bungelheim

Julia hatte es jedoch sehr viel einfacher, jemanden zum Chatten zu finden, sie hatte ganz im Gegensatz zu Gernot freie Auswahl am Buffet gehabt. Jedes Mal, wenn ihr das Wort INTERMEZZO lest, hat Julia bis zu 35 Chatanfragen bekommen, von diesem äußerst lyrisch hochtragenden Kaliber:


INTERMEZZO:



huhu
hey
hey schön das du antwortest
wie geht es dir
allesklar?
hey, nimm dir eine haarbürste, lege dich nackt auf dein bett un drufe mich an:-)
morgen
hi
huhu
hey
ficken?
tg?
hey ich habe gerade von meiner älteren schwester die pumps
geklaut und obwohl es verboten ist, habe ich von meiner Mutter
die Schminksachen geklaut. Wenn du mich so erwischen würdest,
was würdest du tun?
hui
hmmm
war klar, dass du auch nicht mit mir chatten willst 🙁
weten, das ich deine Aufmrksamket bekome

Kurz gesagt: Wenn Frau(!) im Chat länger nicht antwortet, chattet sie weniger mit einem anderen, sondern
ist krampfhaft bemüht, in den Anfragen den Chat wiederzufinden. Man benötigt als Frau fast Büropersonal, um halbwegs vernünftig chatten zu können. Alternativ hat sich die Internetleitung übergeben und ist in Streik getreten.

Also, … einmal durchatmen und dann auf “Chatten” klicken:

Julia aka Pantoffeltierchen betritt den Chatraum mit roter Schrift


[INTERMEZZO]


Nach ungefähr zwei Minuten reines Abwarten hatten wir stolze 137 Chatanfragen von den Herren im Chatraum. Die Altersspanne betrug von 16 bis Leichenschändung…

hey – das ist ja mal ein lustiger nick – Pantoffeltierchen


[INTERMEZZO]


danke
du hast glück, wir organisieren fantastische und liebevolle abenteuer besonders für frauen


[INTERMEZZO]


aha… klingt ja naja … seltsam
wie alt bist du eigentlich


[INTERMEZZO][INTERMEZZO]


Der obligatorische Alters-Check. Als ob der im Internet irgend etwas bedeutet. Interessant ist eigentlich eher, mit welcher Geschwindigkeit das Thema auf die berühmten drei Buchstaben für erotische Inhalte gelenkt wurde.

[INTERMEZZO]


21.
naja wir leben hier in Patagonien in einer wunderschönen finka und wir sind real.

irgendwas will er uns mitteilen, aber so ganz nicht mit der Sprache heraus kommen. Aber es ist doch schön, es nicht mit einem Chatbot zu tun zu haben, oder? Gernot hatte da weniger Glück

irgendwie verstehe ich nicht ganz.
naja du kannst bei uns viele schöne sachen lernen.
ah jetzt verstehe ich… du meinst erotische sachen?
ja genau, wir laden immer menschen ein, denen wir von unserer Erfahrung viel zeigen. Es ist echt schön. Vor allen mit anderen.
hm klingt irgendwie nicht uninteressant.

Aber ganz streng genommen auch nicht wirklich interessant. Klingt verdächtig nach einer Bummsparty. Aber mal sehen, … vielleicht irren wir uns auch.

ja, schau mal hier: www.xxxx.xx
wow… das sieht ja wirklich schön aus.

Zugegeben, es war wirklich ein echt schöner Ort auf der Homepage, eine richtig teuer wirkende Villa, aber auf der anderen Seite … naja … Bummsparty als Frau, alleine in einem anderen Land?

Ja, wir haben alles in Deutschland verkauft, da kann man sich dann sowas leisten.
Da macht Urlaub bestimmt spass…
Wir hatten letztes jahr 2 damen da, die wirklich viele schöne dinge erfahren konnten. Wir haben viel erfahrung und möchten sie gerne weitergeben. Die haben es sehr genossen.
Naja, an so einem schönen Ort macht Urlaub im Sommer, wenn es warm ist, bestimmt viel spaß 🙂
ja, aber frau muss dafür uns erst einmal genau sagen, was sie mag

Oh, ähm, worauf steht Julia eigentlich? DARÜBER haben wir uns ehrlich gesagt noch nicht so ganz Gedanken gemacht. Sommer, Sonne, Sonnenschein, … und eine erotische Fantasie … Was ist der Traum eines jeden Mannes, wenn Frau so losfährt?logisch betrachtet, wollte sie schon immer mal :

Ich weiß nicht… so rein in der Fantasie? Das könnte echt lächerlich klingen.


[INTERMEZZO][INTERMEZZO]


Es gibt kein lächerlich, nur schöne Abenteuer, …


[INTERMEZZO]


Ich weiß nicht… das klingt lächerlich.
Sag es einfach 🙂
Naja, die Vorstellung nur mit einem Badeanzug und Hotpants für ein paar Wochen an so einem Ort als Liebesmädchen zu sein, irgendwie hat die Vorstellung schon was.

Spätestens JETZT sollte der letzte Depp zumindest wissen, dass das nicht in 1000 und einem Jahr passieren wird. Aber man wird im Internet bezüglich des allgemeinen IQ’s immer wieder eines Besseren belehrt. Der hat tatsächlich diese Geschichte geschluckt.

machen wir… aber wir sind hiermeistens nackt
naja das ist nicht so mein ding
ich habe lieber noch was an…
naja jede wie sie mag… was magst du noch

… Und wo wir schon mal dabei sind, kann man noch einen obendrauf legen, mal sehen, wie weit wir da gehen können

was ich schon immer mal wollte?
Sag es einfach 🙂


Was Julia schon immer mal kennen lernen wollte, aber nie wusste, wo man so etwas findet? hmmmm In Odrnung, Julia hat mal was von SadoMaso gehört und war schon immer irgendwie etwas schräg drauf. Also fragen wir mal einfach auf doof nach:
wir suchen einen wirklich dominanten Mann.

und?
einen echten dominanten Mann kennen lernen
da hast du aber glück. ich bin sehr dominant.
oha…?
ja, ich habe hier vorletztes jahr auch eine gehabt, die haben wir vor den gästen an den Pavillon gefesselt, offen für alles
Da ist man ja absolut wehrlos
ja, aber du bekommst von mir natürlich ein persönliches Safe-Wort, wenn es dir absolut zu viel wird.

So an der Stelle wollen wir mal etwas zurückschalten, denn er scheint zu glauben, dass wir im nächsten Flugzeug nach Patagonien zu fliegen und im Badeanzug und Hotpants das Liebesspielzeug von einem “dom” zu sein. Nicht, dass es keine reizvolle Vorstellung wäre, aber Mann sieht in Badeanzug und Hotpants einfach furchtbar aus.

Irgendwie hat die Vorstellung etwas, im Sommer Urlaub zu machen mit nichts als einen Badeanzug und Hotpants als Liebesmädchen zu dienen… Ich glaube, so etwas werde ich wohl nicht machen.
jetzt zickst du aber.
wieso zicke ich denn ? Ich finde lediglich, dass es Dinge gibt, die in der Fantasie bleibe wollen.
vertraust du mir nicht?
nach 3 minuten chat und einer homepage von einer Finca in Patagonien? wie soll man da vertrauen?
woher die Wendung?
wovor hast du angst?

Also mit Angst hat das jetzt nichts zu tun, es ist einfach nur saudämlich, alles über sich zu erzählen, und anschließend zu einem fremden Haus in die Ferne zu fahren, um 4 wochen lang sich durchnageln zu lassen… wir können uns auch nicht vorstellen, dass DAS die Vorstellung von Frauen zu einem perfekten Urlaub ist. Es gibt bestimmt irgendwo auf der Welt derart laszive und abgebrühte Biester, aber die dürften wohl mit der Lupe zu suchen sein. Außerdem glauben wir nicht, dass weder die beiden noch sonstwer auf der Welt den Urheber dieses Beitrags in einem Badeanzug mit Hotpants sehen will …
Aber gleich von “Angst” zu reden ist schon eine harte Ansage, denn das Ego antwortet sogleich mit folgendem Satz:Natürlich nicht, du A…. !Man kann es auch so erklären:Julia schaut gerne Horrorfilme, und kennt natürlich auch …

hast du mal Hostel geshen? solche Angebote sind im Chat nun wirklich nicht unbedingt vertrauenswürdig, oder?

naja wir können ja jederzeit unverbindlich telefonieren.

oh ja, das ist natürlich was anderes, sobald man unverbindlich telefoniert hat, und es dann auf der anderen Seite ein Mann war, hat Frau natürlich alle ihre Bedenken und Vorbehalte zurück zu stellen auf 0. Unterdessen meldete sich der Chat wieder, allerdings mit einer ganz brisanten neuen Erkenntnis:

Naja aber viele frauen sind auch nur männer hier
warum suchst du dann hier?
wir sind schon 14 jahre hier, und man trifft die ungewöhnliche
naja viele sind hier auch sehr seltsam drauf.
ja, niveau ist sehr selten
diese Handcreme?
*lach* nein, ich meine STil und Charakter
meine ich doch 🙂
Stil und Charakter findest du bei uns.
ach zumindest bist du nett
Danke, sag mal, woher kommst du eigentlich in Deutschland. Vielleicht kenne ich die Gegend ja
Bei Nordenhummel
wau .. aus dem norden. da war ich nur 1 Mal .. klar auf der Reeperbahn Ich lebte im Süden Nähe Tegernsee. bist du auf der Arbeit?
heute nicht, sonst könnte ich nicht chatten.
also bist du zu hause und gibst mir einen teil deiner zeit … bist du katzen lievhaberin?
eigentlich nicht, sind mir zu hinterhältig.
Wir haben 3 katzen und einen hund. ja, katzen sind sehr eigenwillig.
ich mag hunde mehr, vor allem die großen
ja, unseresind um 30 kg.aber alles mädchen. ein rüde würdealle unsere pflanzen zerstören
weiß ich nicht, habe keinen Hund.

Wie nennt man wohl dieses Gesülze? Richtig, Smalltalk, um das Eis zu brechen, bevor es wieder an “das Eingemachte” geht und der eigentliche Grund für den Chat durch scheint:

wie lebst du? alleine in eigener wohnung oder hast du einen partner?

… na also … es geht weiter …

[INTERMEZZO][INTERMEZZO][INTERMEZZO][INTERMEZZO][INTERMEZZO]


Ich wohne alleine in einer Wohnung, derzeitig ohne Freund. Wieso möchtest du das wissen?


[INTERMEZZO]


ich möchte mir einfach vorstellen wei du lebst und wei du bist welcher typ frau bist du?

groß klein mittel
dunkler heller typ
schlank mollig

Ah, also eine Checkliste, die 1:1 abgefragt wird. Ob es da einen Frageboen gibt, den der gerade ausfüllt? Mit Nivieau hat das zumindest nichts mehr zu tun. Aber OK, dann atworten wir doch mal:

eher der normal sportliche typ, mittel *glaub* warum?
darf ich dich auch intim befragen?
ich verstehe nicht ganz, was du mit intim meinst.
Mich interessiert wie sinnlich du bist, ob du gerne masturbierst.
das ist aber sehr intim.

Jetzt kommen die brisanten Fragen, und das Ausfragen geht munter weiter. Allerdings hat das auch einen tief greifenden psychologischen Hintergrund, wie wir nun erfahren:

sehr intim?

ich kann mit der frage ersehen, wei offen du bist.
und wie du sie beantwortest, wie sinnlich du bist.
ode welches verh. du zu deinem körper hast.

Also wer sich regelmäßig einen schubbert, ist sinnlich und weltoffen. Gut zu wissen… wofür ist eine andere Angelegenheit, aber gut zu wissen.

ich spiele auch gerne mit Spielzeug, wenn du das meinst

… also mit Nerf-Guns und Schaumstoffschwertern, und hin und wieder auch mal CS … NEIN, wir meinen Counter Strike, nicht, das was ihr jetzt denkt! Perverses Pack, ehrlich jetzt!

wau mit spielzeug. das zeigt mir, dass du pantasie hast

OK, er denkt an andere Sachen, das verstehen wir und müssen uns wohl darauf einstellen. Aber Fantasie wegen einem Dildo im Schrank????

wegen einem Dildo habe ich Fantasie?


[INTERMEZZO][INTERMEZZO][INTERMEZZO]


Ja, du hast du mit dich selbst zu entdecken. du gehst her und verwöhnst dich.

Okay… es ist spannend, was man alles an einem Dildo im Schrank ablesen kann. Aber OK, vielleicht hat er ja recht, wir sind keine Frauen, und wenn man schon mal so einen übermenschlichen Frauenchecker vor der Nase hat, warum sollte er irgend einen Stuss verbreiten?…Aber es gibt wohl auch begründete Zweifel, oder?

OK, dass hätte ich jetz so nicht gedacht.
du siehst, es lässt sich viel analysieren. wie oft masturbierst du?

OK, jetzt langt es langsam, die Frage ist nicht mal mehr peinlich, sondern schlichtweg lächerlich bis armselig! Und was er damit psychologisches analysieren kann, wollen wir auch irgendwie nicht mehr ergründen.Außerdem: Wer zum Geier zählt denn so was bitte???

Das habe ich ehrlich gesagt noch nicht gezählt. Wie oft machst du das denn?

ich als reifer mann? täglich, ist ein teil meines Lebens von kind an.

damit muss er ja offensichtlich älter sein, aber gut, dass er das Thema
anspricht, jetzt kann er sein Alter mal offenlegen.

wie alt bist du denn?
50 und drüber .. schlimm?
mein leben lang war meine Eigensexualität für mich von hoher Entspannung.
du kannst von mir erfahrungen bekommen.
so wie vater/tocher verh.

50 … 40 … 30 … 29 … Ja, rein technisch könnte das vom Alter her
ein passendes Szenario bilden, aber mal ehrlich. NE! Mag ja nicht ganz fair sein,
aber wer wünscht sich denn bitte einen Partner, der sich wie Vater oder Mutter benimmt!?

Das kann ich mir jetzt ehrlich gesagt nicht vorstellen, mit einer Beziehung wie Vater/Tocher …
Hallo?
Noch da?

Leider wohl nicht mehr, offensichtlich hat er entweder seinen Hobel poliert oder aber aufgegeben. Wissen tun wir das nicht. Aber ehrlich gesagt langt das jetzt auch, oder?


Fazit:

Anders als der arme Gernot, der wirklich blos etwas chatten wollte, hatte Julia innerhalb von 3 Minuten einen glühenden Chat über ihren Badeanzug. Und als Krönung hätte sie sich in den nächsten Zug nach Patagonien setzen können, um in kurzer Hose und Badeanzug gratis Urlaub machen zu können, und bei der Gelegenheit auf einer – zugegeben beeindruckend wirkenden – luxuriösen Finca alles an versauten Spielen probieren zu können, was sie schon immer tun wollte – selbstverständlich nur dann, wenn sie es gerne wünscht. Ansonsten ist es auch kein Problem. Was davon jetzt die Wahrheit ist , lassen wir einfach mal im Raum stehen. Aber da sie es nicht tun wird, ist sie ein absoluter Feigling, behauptet zumindest Mister X.

Und es bleiben Fragen offen:

Wer wird zuerst ein Date klar machen, Gernot oder Julia… oder sollten sich nicht lieber Gernot von Julia Badeanzug und Hotpants schenken lassen, um sich dann im Chat glaubhaft als Julia aus zu geben, damit Julia sich als Gernot getarnt auf dem Weg durch die unendlichen Weiten des Chatraums machen kann, ohne solch seltsamen Wesen zu begegnen…

Oder sollte Julia lieber darauf bestehen, dass der Urheber dieses Beitrags Badeanzug und kurze Hosen beim Chatten zu tragen hätte? Und selbst wenn, wird dieser es in seiner Realität außerhalb des Chatraums wirklich tun? Oder haben wir recht, und es will tatsächlich letztendlich niemand sehen …

Es bleibt also spannend!



Schreibt uns in die Kommentare, was als nächstes passieren könnte, wir freuen uns auf eure Nachrichten!

In diesem Sinne einen schönen Donnerstag Nachmittag

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Mission: Sub-Zero

Seit neuestem ist mal wieder die Kleidergröße Sub-Zero voll in Mode.

Liebe Stars:

Habt ihr bei allem, was ihr tut, bei allem, was ihr verdient, nur noch lange Weile oder seid ihr so unkreativ, dass es nur noch dazu reicht, mit so einer Aktion ins Gespräch zu kommen?

Ihr nennt euch selber Elite und gesellschaftliches Vorbild, millionen von Jugendlichen auf der ganzen Welt versuchen so zu sein wie ihr. Und das Einzige, was euch einfällt, ist, die kultivierte Magersucht als Modeerscheinung vor zu leben?

zugegeben, die Öffentlichkeit ist kein Streichelzoo, …

… und in einer Welt, in der Botox wie Hautcreme und Koks wie Schnupfenspray betrachtet wird, mag es ja zur Normalität gehören. Und man kann auch mit gutem Gewissen sagen, es sei absolut euer Problem, ihr seid erwachsen und könnt mit eurem Körper tun, was auch immer ihr wollt. Und da das Leben bekannterweise ohne Bedienungsanleitung einher kommt, darf man auch Fehler dabei machen. Aber gerade von Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, sollte man irgendwo mehr Sensibilität im Umgang mit seinen privaten Problemen und Komplexen verlangen können.

You are not alone …

Einen großen Teil der Mitschuld trifft jedoch auch die Sensationsaffine Klatschpresse, die auf der einen Seite sich über das Verhalten brüskiert, sich sogar darüber lustig macht, um kurze Zeit später dann selber ähnliche Bilder als perfekten Auftritt veröffentlichen. Und wer seinen Namen in der Presse sein will, hat diesen Trends folgen, oder wird halt nicht abgebildet. Und da man ja nur Promi ist, solange über einen berichtet wird, hat die Klatschpresse eine ungewöhnlich hohe Macht über das, was ein Idealbild derzeitig zu sein hat.

Und was bleibt?

Tausende von Jugendlichen werden dank diesem gedankenlosen Mist, den alle da mal wieder im Nahmen der PR, der Verkaufszahlen und Geltungssucht verzapft haben, nicht richtig essen, und sich teilweise stattdessen von Toilettenpapier und Watte ernähren, nur um zu sein wie der Star auf dem roten Teppich:

Magersüchtig, mittelfristig auch krank und depressiv

Der Witz dabei ist, Stars oder Promis haben in der Regel den notwendigen finanziellen Hintergrund, um sich still und heimlich einen Privatkoch zu engagieren und zusammen mit dem persönichen Fittness-Trainer sowie fest angestellten Ernährungsberatern das Problem wieder unter Kontrolle zu bekommen, sobald die Mode out ist.

Normalverdienende Eltern haben diesen Luxus nicht, und sobald es einmal nur durchrutscht und versäumt wurde sich rechtzeitig an einen Profi zu wenden, werden die Jugendlichen, die dem nacheifern, am Ende die Verlierer sein; magersüchtig, depressiv und immer in Gefahr laufen, wieder in diese destruktive Schiene zu rutschen.

Es bleibt nur die Hoffnung, dass dieser Trend mit der Magersucht sich nicht wirklich durchsetzen wird und möglichst schnell dahin verschwindet, wo er hingehört:

In die Versenkung, wo er hoffentlich nie wieder gefunden wird.


Vor allen aber auch mal darüber nachdenken:

Muss man als Promi oder Star in seiner Vorbildfunktion jeden Bodykult mitmachen, und muss eine Klatschzeitung wirklich zu jeden Mist dieser Art, ins besondere dann, wenn es verantwortungslos ist, wirklich unqualifizierten Senf dazu geben?

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Kinder essen Brot

Weihnachtszeit ist Abzockzeit

Na, wer hätte das gedacht? Sicherlich jeder, dessen sozialer IQ oberhalb der Raumtemperatur dümpelt. Dennoch wird gerade zur Weihnachtszeit überall gespendet, was das Zeug hält, um … ja … wohl vor sich selber ein gutes Gefühl zu haben. Es ist wirklich schade, denn was eigentlich auf der einen Seite eine wirklich gute Sache ist, löst auf der anderen Seite das eigentliche Problem nicht. Letztendlich ist es wirklich egal, aus welcher Ambition heraus jemand spendet, solange es die richtigen Menschen in die Hände bekommen, um damit etwas zu bewirken.

Wer sich noch an die letzten Spendenskandale erinnert, …

… sind es viele? Nicht so viele? Wenige… ? Wir wissen es ehrlich gesagt nicht, und wenn in einem Forum mit hunderten von Beiträgen und Kommentaren darüber diskutiert wird, ist logisch, dass es nicht das Groß der Gesellschaft darstellt. Es ist jedoch auch eine sehr sehr unbequeme Tatsache, und da gibt es selten ein richtig oder falsch.

Die große Preisfrage in diesem Spiel lautet:

Glaubt wirklich jemand, “die Spendenskandale” seien vorbei? Das es sich wirklich gebessert hat, weil ein paar Politiker die “absolute Aufklärung” und “klare Konsequenzen” gefordert haben?

Da könnte man auch kurz vor Weihnachten den Osterhasen um eine Stellungnahme zum Thema Geschenke von übernatürlichen und mythischen Wesen bitten, da man einen Buchhaltungsbeleg gefunden hat, der die begründete Frage aufwirft, dass der Weihnachtsmann mit seinem Rauschebart ausschließlich als Sachspende ausgezeichnete Geschenke verteilt, um in seiner Konsumgüterfabrik am Nordpol Steuern zu sparen. Da der Osterhase an seinem Fest ja selber Gaben verteilt, die logischerweise von irgendwoher kommen müssen, wäre er bei aller öffentlicher Empörung blöd, sich verbindlich zu diesem Thema und seinen Amtskollegen zu äußern. Und da ja bewiesenermaßen Geschenke unterm Weihnachtsbaum liegen und Kinder offenkundig glücklich darüber sind, kann man hier doch die 9 schlichtweg auch mal eine gerade Zahl sein lassen. Im Zweifelsfall sind die Geschenke dann eben in diesem Jahr etwas reichhaltiger und größer – und keiner wird sich da lumpen lassen, denn der Vorwurf der Eigennützigkeit wiegt schwer und kostet gläubige Kunden.

Bei Spenden und Geschenken ist es genau so

Auf der einen Seite kommt etwas rein, und auf der anderen Seite kommt ewtas raus. Und die Frage, wie viel rein kommt um wieder raus zu kommen, was davon letztendlich sinnvoll raus kommt und wie viel dazwischen verschwindet, ist der kleine vergessene Durchfall. Die Devise lautet hier, so lange noch irgend etwas ankommt, das mit einem Hochglanzfoto aufgenommen werden konnte für eine gute und beweisträchtige Präsentation, so lange ist das System in Ordnung. Wenn alle Stricke reißen und die Empörung und der öffentliche Druck zu groß wird, distanziert man sich einfach von seinen Amtskollegen und stellt sich auf die Seite des Lynchmobs. Und im Schlimmsten Fall kommt es zu einer Kooperation zwischen verbliebenen Spendenträgern, die zusammen ein Megaprojekt verwirklichen, letztendlich aber gar nicht mehr bezahlt haben als sonst üblich, da konzentrierte und gebündelte Fachkompetenzen zusammen weitaus mehr zu Stande gebracht haben.

Und das funktioniert besonders gut zu Weihnachten

Schockierende Fotos von unglücklichen Kindern, schöne Fotos von glücklichen Kindern, denen geholfen wurde, und die Frage: Möchtest du nicht auch einem Kind von hier nach dort helfen? Die Frage, was mit dem Sumpf, der vor und zwischen diesen beiden Bildern liegt, ist, wird nach bestem Wissen und Gewissen bagatellisiert und mit der Antwort abgetan, man hätte Zertifikate der EU … und wer sich noch erinnert, dass da doch etwas speziell war genau mit diesen zertifizierten EU-Partnern und Politikerversprechen auf absolute Aufklärung auf höchster Ebene, kriegt auch eine gute Antwort:

“Das waren die anderen. Wir sind anders”

Und wieso? – NA, weil dieser Verein ehrlich sind. Sonst wäre unser Mann vor Ort doch nicht dort, wo er jetzt steht. Er ist ja schließlich selber auch überzeugtes Mitglied (… und Promoter und bekommt für jeden Vertragsabschluss eine Prämie, aber das muss man ja bei Kaltaquise nicht weiter erwähnen). Und wer wirklich 8 Stunden und länger an so einem Ort in der Kälte steht und friert, nur um etwas gutes zu tun, Hochachtung! Aber dann bekommt das Geld, auf das er verzichtet, eben jemand anderes. Und das wird nicht das Kind sein, für das er Werbung macht, und zwar nicht, weil dieser Mensch nicht existiert, sondern weil das Bild von der Hungerkrise in Somalia im Jahre 1990 war – Weihnachten 2014 dürfte das “Kind” mindestens zwischen 24 und 27 Jahre alt sein.

Und warum das Bild immer noch unterwegs ist, liegt wohl an dem schnellebigen System, in dem das Vergessen normal – und seit neuestem auch ein Grundrecht ist.

Spenden ist gut – Die Ambition der Spender ist an dieser Stelle wie das System selber zweitrangig.

Schade eigentlich…


Wer spenden will, um wirklich etwas gutes zu tun, sollte sich genau informieren …

Denn ein Stück Brot zu Weihnachten mag das Gewissen beruhigen, reicht dann aber nicht aus.

Oder?

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Flugsaison mal anders

Eben gerade komme ich aus einem Elektrofachmarkt, wo ich mir ein neues Videospiel gekauft habe. Das ist nichts ungewöhnliches, denn ich bin ein Spielkind und neige durchaus immer wieder dazu, mein Geld für derart sinnlose Dinge zu verplempern. Ich stehe dazu, warum auch nicht, dieses Computerspiele-sind-die-Achse-des-Bösen – Diskutierer der Politiker, die mal wieder von ihrer absoluten Inkompetenz ablenken müssen, oder weil gerade Wahl ist, naja … lassen wir es, sonst rege ich mich nur wieder auf.

Beschränke ich mich lieber auf meinen eigenen und sehr kurzfristig eingeschränkten Geist: Ab nach Hause, Spielkonsole anschalten und auf geht es in diesen sinnlosen Zeitvertreib. Völlig in Gedanken und voller Vorfreude auf ein Spiel, das bestimmt nicht so aus sieht wie die hochglanzpolierte Verpackung es verspricht, steuere ich Zielsicher zum Ausgang und bekomme so nicht mit, wie zwei Herrchen meines Alters heimlich Flankenposition einnehmen und mich verfolgen. Nein, es sind nicht Ladendetektive, die glaubten, ich hätte gar zu viel Marmelade gegessen und entsprechend klebrige Finger gehabt, es ist schlimmer.

Aber lasst mich erzählen, was geschah:

Ich laufe den Gang entlang und plötzlich macht es irgendwie ein gefühltes pumpf, als ein Hochglanzbild in der Grösse von etwa Din-A-4 vor der Nase klebt. Eine ehrfürchtige Stimme fragt links von mir: “Kennen Sie das?” Neugierig betrachte ich das Bild: “Hm,… eine Giraffe vielleicht? Ich kann mich allerdings auch täuschen.” Da lacht es von rechts: “Der Witz war gut!” ich bin zwar anderer Meinung, aber offensichtlich sollte das Lob auf einen geglückten Witz eigentlich eher bezwecken, mich in ein Gespräch zu verwickeln. Und da kam er dann auch zum Glück auf den Punkt: “Hi, wir sind von dem Verein für Bergrettung durch Hubschrauber, kurz VfBdH.” Ich freue mich ja, dass der in so einen Verein ist, aber was zum Henker macht der mitten in Hamburg in einem Einkaufszentrum und nicht in den Bergen. Naja, vielleicht wollen sie ja in den Harburger Müllbergen jetzt eine Diensstelle auf machen, für den Fall, dass mal jemand die 100m nicht mehr runter kommt. Dummerweise bin ich ja neugierig: “Aha, und was hat das mit mir zu tun?” Auf diese Antwort hatte er wohl schon gelauert, denn jetzt holte sein wichtigstes Gesicht raus: “Dieser Hubschrauber ist einer der modernsten in ganz Deutschland. Und er ist im Besitz des VfBdH! Und nicht nur das, dieser Hubschrauber ist regelmässig in einer Serie im Fernsehen!”

Ja, das ist ein Totschlagargument, nur frage ich mich, was der damit erschlagen wollte. Mein Interesse hat auf jedenfall einen Volltreffer erleiden müssen und liegt nun in den letzten Zuckungen: “Aha, und was hat das mit mir zu tun?” Das der eine Spende haben will, hab ich schon durchaus durchschaut, nur die einen halten eine Dose hin, die anderen fragen, ob man nicht in einen Förderverein oder so was eintreten möchte. Doch dieser hier war anders, und das hat mein Interesse und vor allem meine Neugier neu belebt: “Wir bieten Ihnen eine kostenlose Rückholung aus den kambodtschanischen Bergen an.”

Ja, aus den kambodtschanischen Bergen, und das in Hamburg: “Äh…?” “Naja, es könnte doch sein, dass sie dorthin reisen und dann krank werden. Dann kümmern wir uns um den Rücktransport. Sie müssen dazu nur in unseren Verin eintreten!” Und damit hielt er mir das Vereinsformular hin, damit ich wohl völlig irritiert erst einmal unterschreibe oder so. “ich verstehe nicht so ganz, ich habe gar nicht vor, nach Kambodtscha zum Bergsteigen zu fliegen. Und wenn, dann hätte ich für zwei Euro eine Reiseversicherung bei Buchung abgeschlossen.”, gab ich ehrlich zu bedenken. “Naja, das war ja auch nur ein Beispiel, aber wenn sie zum Beispiel beim Bergsteigen in den Alpen in Not geraten, dann sind sie bei uns Vereinsmitglied und werden dann günstiger gerettet.” Irgendwie hat der wohl fünf grundlegende Sachlagen noch nicht geschnallt:

A. Ich wohne im Flachland.
B. Ich wohne in einer Großstadt.
C. Ich bin kein Bersgsteiger.
D. Ich interessiere mich gar nicht für das Bergsteigen.
E. Die Berge sind irgendwo so 800km weit im Süden oder so ähnlich.

Es mag ja wirklich Bergsteiger im hohen Norden geben, und diese Serie mag auch viele Fans haben, aber das dürfte mitten in einem Hamburger Schickeria-Einkaufszentrum doch suboptimal sein, für irgend so nen Luftquirl Werbung zu machen, der wahrscheinlich auch noch für richtig viel Geld an private Sender für Action-Serien vermietet wird. Nun gut, versuche ich, die Punkte meiner Liste geschickt in das Spiel zu bringen: “Sie wissen schon, dass hier im Norden Flachland ist und ein Bergrettungshubschrauber doch sehr sinnlos, da er da stationiert ist, wo Berge sind? Das nutzt mir in der Nordheide ehrlich gesagt nichts, das ihr Verein in den Alpen so ein Ding hat…” – “Ja, aber Sie KÖNNTEN da unten auch mal in Bergnot geraten.” Nun ja, ich kann mir auch einen Ring durch die Nase ziehen und nackt um einen VW Polo tanzen, wärend ich eine Ziege opfer, ich gebe ja zu, die Wahrscheinlichkeit ist ziemlich gering, aber ich KÖNNTE, da hat er ja durchaus recht… “Ich bin aber gar kein Bergsteiger, von daher erübrigt sich das doch. Und bevor Sie jetzt damit anfangen, ich habe es auch nicht wirklich vor zu werden, das ist nämlich nicht mein Interessengebiet.” “In Ordnung, aber was machen Sie, wenn sie mitten im Mittelgebirge in einem dichten Wald sich verlaufen haben und dann passiert etwas, und sie haben keinen Handy-Empfang?” fragte er mich schlagfertig.

Ja, das hat er tatsächlich gefragt, …

Was macht man mitten in einem dichten Wald, wenn man kein Handyempfang hat aber dafür einem Verein angehört, der irgendwo einen Hubschrauber an einen Drehort stehen hat, weil der gerade gebucht ist?

Ich denke, man macht sich darüber Gedanken, dass man wohl ein echtes Problem hat, und das so eine bekloppte Versicherung durch einen Verein völliger Stuss ist, da die gar nicht für zuständig sind.

Da ich nicht so ganz wusste, wie ich ihm diesen Sachverhalt nahe bringen soll, habe ich einfach eine andere Lösung gefunden:

“Keine Ahnung, was passiert denn dann?”, fragte ich also. “Dann werden Sie gesucht, sobald Sie vermisst werden!”, kam die Antwort. Na Halleluja, das ist eine Erkenntnis, über die man wirklich noch einmal nachdenken muss:

Also:


Gesetzt dem Fall, dass man mitten in einem Mittelgebirge, in einem dichten Wald, ohne Handy-Anbindung wegen einem Funkloch, in Schwierigkeiten kommt, und vorher jemandem Bescheid gesagt hat, und man vermisst wird, dann wird man in dieser Gegend sogar gesucht.

Und damit man ein gutes Gewissen dabei hat, muß man eine Vereinsversicherung haben, die auf der anderen Seite Deutschlands mit dem Geld einen Bergwachthubschrauber betreibt.

Mir widerfuhr wahre Belichtung!

Und jetzt weiss ich, was ich zu tun habe:

Ich gehe nach Hause und spiele ein Videospiel, das bestimmt nicht so schick aus sieht wie die Verpackung…

War doch logisch, oder?

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Der Wirtschaftsexperte

Wenn man glaubt, es geht nicht mehr, wird sich irgendwo immer wieder jemanden finden, der einem eines Besseren belehrt.

Und …

Wer jetzt glaubt, dass es von Vorn herein schon immer so war, ja, der hat Recht gehabt. Wir erleben es Tag für Tag, da ein kleines Lichtlein vor sich hin glüht und versucht, alle anderen zu über(be)lichten.

Heute bei einem Lebensmitteldiscounter…

An der Kasse steht ein ca. 62 Jahre alter Mann. Das ist im Prinzip ja nichts ungewöhnliches, da jeder irgendwann auch einkaufen gehen muss, sofern er etwas zu Essen im Kühlschrank haben will. Soweit lief auch alles noch ganz gut – Er hat die Sachen, die er kaufen wollte, auch auf das Fließband gelegt und wartete nun darauf, dass er an der Reihe ist, und seine ausgewählten Einkäufe abgerechnet werden können.

Normalität an Kasse 3, wie es tagtäglich mindestens millionenmal in Deutschland passiert und bislang zwar etwas nervig, aber ansonsten nicht erwähnenswert ist. Ja, … wäre da nicht Ansatzweise dieser Mann gewesen:

Zunächst fiel seine teure Kleidung auf. Das ist für sich auch noch nichts besonderes, viele Menschen haben teure Kleidung. Aufsehen erregte er jedoch mit seinem Verhalten, als die Kassierin eine Tüte mit Pilzen ohne Strichcode hin hielt und meinte, diese müssten auf jeden Fall erst noch gewogen werden – Er habe es vergessen.

Nun, der Discounter hat für diesen Fall in Kassennähe extra eine Waage stehen, mit der Kunden dieses nachholen können, während die Kassierin weiter die Ware abrechnet. Unser Freund war von seinem selbstsicheren Auftreten etwas abgerückt und wirkte leicht bestürzt und verunsichert, als er mit einem direkt Auftrag einer Kassiererin zur Waage geschickt wurde und wirkte wie jemand, der sich in seinem Treiben ganz genau beobachtet fühlte.

Es dauerte ewig, bis er den Knopf für die Pilze auf der ansonsten automatischen Waage gefunden hatte – eine Zeit, die ihm eindeutig sehr zu schaffen machte, da unterdessen die Kassiererin erst einmal Dosen und Brot über den Strichcodeleser zog und er – als er zurück kam – sich einer ganzen Anzahl von aufgetürmten Waren gegenüber sah, die noch nicht wieder im Einkaufskorb lagen und ganz offensichtlich niemand Anstalten machte, ihm zu helfen.

Und dann fiel der Kassierin zu allem Überfluss auch noch auf, dasss noch mehr Gemüse und Obst auf dem Band lagen, die alle nicht mit Strichcode aus der Waage versehen waren. Paralell wuchs die Schlange von wartenden Kunden, die bereits unruhig wurden.

Um nun Zeit zu sparen, ist die Kassierin selber aufgestanden und hat die Tüte mit den Äpfeln zur Waage gebracht, später kam noch ein Kollege hinzu, ihr zu helfen. Die betont höfliche und hilfsbereite Art, mit der die beiden dabei vorgingen, zeigte ihm, dass er mehr als nur einen Fehler gemacht hatte und er jetzt nichts mehr dagegen tun konnte, um diese ganze Situation noch zu retten. Unser Freund stand dem entsprechend sehr unsicher und irgendwie verzweifelt daneben, unfähig, bei dem Treiben seinen Beitrag leisten zu können – außer unruhig und verunsichert lächeln zu können und in einem gewählten Akademikerdeutsch sich zu bedanken. An der Stelle fand er auch seine Selbstsicherheit zurück, es handelte sich um einen Vorgang, den er gewohnt war. Wie es von Außen wirkte, schien er nicht überhaupt nicht zu realisieren.

Nachdem die Einkäufe eingeladen waren, kam es zum Höhepunkt: Dem Bezahlen.

Er zückte eine Kreditkarte und legte sie auf den Tresen … und erstarrte. Die Dame an der Kasse eröffnete ihm, dass Kreditkarten nicht akzeptiert werden, ausschließlich EC oder Bahrzahlungen möglich seien. Er war nun endgültig ratlos, weil seine Kreditkarten nicht akzeptiert werden würden und gab dieses auch zu bedenken. Die Dame an der Kasse erklärte wiederholt, dass er entweder Bargeld oder Electronic Cash mit Pin verwenden müsse. Jetzt wusste er gar nicht mehr, was er tun sollte und holte in seiner Hilflosigkeit noch einmal sein Portemonaie heraus, klappte es auf und holte 22 Kredit- und Kontokarten heraus, und suchte die Karte, die in diesem speziellen Fall – einem Discounter an der Kasse – zu benutzen sei. Die Dame an der Kasse war bewundernswert ruhig und höflich, was ihn nur noch mehr verunsicherte, da im Umkehrschluss die Gesichter der anderen wartenden Kunden eindeutig verrieten, dass die Geduld mit seinem hilflosen Verhalten langsam ein Ende fand.

In seiner absoluten Verzweiflung holte er große Scheine aus dem Portemonaie hervor und bezahlte seinen Einkauf doch in Bar. Er war also nicht im Stande, unter all seinen Karten, die er besaß, eine EC-Karte zu finden, er hat nicht einmal gewusst, was das ist.

was dieser Mensch auch immer für einen Beruf hat oder in welcher gehobenen Position er sich gerade befindet:

Tragisch ist, dass ein Mensch, der gemäß Kleidung und Auftreten in einer hohen Position tätig ist und mit einer Unterschrift ganze Existenzen im Namen der großen wirtschaftlichen Zusammenhänge vernichten könnte, auf der anderen Seite nicht einmal im Stande ist, auch nur die einfachsten Dinge im täglichen Leben wie das Kaufen von Pilzen zu erledigen, sobald es keinen netten Menschen mehr gibt, der ihn in dem Moment fast wie ein Kind die Hand nehmen muss.

Irgendwie traurig, oder?


Ihr habt auch solche Erlebnisse gehabt? Schreibt sie in die Kommentare!
Wir freuen uns 🙂

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Protokoll des Grauens: Gernot gabelt …

Der Chatraum – Ein Sammelbecken für alle, die zu viel Zeit haben, das Größte Online-Rollenspiel der Welt, oder wie immer man es betrachten möchten…

Willkommen in “der Liga der gescheiterten Helden”!

Wir wollten jetzt auch keine Spielverderber sein und Euch einen Vorgeschmackt dessen bieten, was man dort erleben kann. Auch aller Werbung zum Trotz: “Alle 8 Minuten verliebt sich ein Single über das Internet” – Wir hatten in unseren Chats einen Durchschnitt von 3-4 Minuten gehabt, 8 Minuten hat es tatsächlich nur gedauert, wenn die Internetanbindung aus mitunter sehr verständlichen Gründen streikte.

Wir wollten natürlich jetzt nicht unbedingt die Online-Soap aus dem Beitrag “Der Chatraum” nachstellen, sondern sind unbedarft an das Thema ran gegangen. Dazu haben wir uns zwei Alter Ego zugelegt:

1. Charakter: Gernot

Gernot ist der typische Durchschnittsmann:

35 Jahre alt
182 cm groß
83 Kg Lebensgewicht
Normaler Haarwuchs
graublaue Augen

und natürlich: single

Kurz gesagt:

Der Durchschnittstyp, der auf Straße nicht affällt, seinem Job nachgeht und wenn man ihn fragen würde, gerne schwimmen geht und wandert und neben Kino auch Bücher liest. Ach ja: Und ein Krieg der Sterne – Fan ist.

Mit diesem Charakter haben wir uns dann in einem Chatraum eingeloggt, der nach kürzester Recherche einfach das ist, was man belebt nennt. Und dieser Chat war frei, also keine Anmeldung mit Registrierung erforderlich, und den Premium-Sabber-Zugang haben wir sein lassen, da er überflüssig Geld kostet. Gernot sucht hier einfach mal nette Menschen, und vor allen Dingen: über 25 – man weiß ja nie, was kommt.

– Wir haben – logischerweise – die Namen und den ganzen Chat sehr abgewandelt, aber es basiert auf einer wahren begebenheit –

Chatversuch 1:

Gernot: hey!
Liandra: Was wilst du?
Gernot: Was soll ich denn wollen?
Liandra: vwepiss dich!

Ok, vielleicht ist “hey” ja so etwas wie eine Beleidigung, weiß man ja nicht.

Chatversuch 2:

Gernot: Guten Morgen 🙂
Butterblume25: ???
Butterblume25: Kennen wir uns?

Nein, denn der Sinn eines Chats ist ja gerade, jemanden kennen zu lernen

Gernot: Eigentlich noch nicht, …
Butterblume25: aha
Gernot: Ist das nicht der Sinn von einem Chat?
Butterblume25: ja.
Gernot: Deshalb hab ich dich angeschrieben 🙂
Butterblume25: ok.
Gernot: Ja.
Butterblume25: Und nun?

Ja, keine Ahnung, was und nun… auf jeden Fall haben wir es mit einem Kommunikationsgenie zu tun.

Gernot: Keine Ahnung, chatten wir?
Butterblume25: bye

Chatversuch 3:

Gernot: Huhu
HotFranny: Hi 🙂

Das klingt zumindest mal vielversprechend im Auftakt

Gernot: Wie geht es dir?
HotFranny: Du, ich bin gerade im Stress, aber ich bin noch woanders online, geht mal www.blablabla.de , da findest Du dann auch ein Bild von mir 🙂
Gernot: Ja, aber wieso können wir nicht hier chatten?
HotFranny: Hi 🙂
Gernot: Das hatten wir schon, oder?
HotFranny: Du, ich bin gerade im Stress, aber ich bin noch woanders online, geht mal www.blablabla.de , da findest Du dann auch ein Bild von mir 🙂

Das Gerpsäch kann mal wohl irgendwie vergessen, … Aber da “hi” wohl gut ankam:

Chatversuch 4:

Gernot: Hi 🙂

Chatversuch 5:

Gernot: Hi 🙂

Chatversuch 6:

Gernot: Hey
Lisa: Verp.. Dich!

[…]

Chatversuch 47 :

Gernot: Chattet hier überhaupt jemand?
Gitta35: klar!
Gernot: Oh, da ist jemand am Leben…
Gitta35: Aber ja doch, wieso auch nicht?
Gernot: Das freut mich wirklich – hier sind viele sehr unhöflich
Gitta35: Ach aber die netten gibt es hier auch 🙂
Gernot: Das ist doppelt schön 🙂 Ich bin Gernot
Gitta35: Chantale Miranda
Gernot: Ein ungewöhnlicher Name, …
Gitta35: naja aber klingt doch nett, oder nicht?

MOOOMENT, wer so ankommt, hat eigentlich einen anderen Namen, und sich das ausgedacht.

Gernot: Ist aber nicht wirklich dein Name, oder?
Gitta35: Nicht ganz, ich hoffe du hast nichts gegen TV/TS ?
Gernot: Wieso sollte ich das haben?
Gitta35: Naja, weil es keiner versteht.
Gernot: Was nicht versteht?
Gitta35: Dass ich hier eine Beziehung suche. Wo kommst du her?

Hoppla, das haben wir noch gar nicht überlegt. also… Gernot kommt aus …

Gernot: Bremen.
Gitta35: München 🙂
Gernot: Oh, das ist aber weit weg
Gitta35: Also wenn es passt, geht das doch noch. Wenn Du magst schicke ich dir ein Bild.
Gernot: Gerne doch… meine Mailadresse lautet xxxxxx@xxxxx.xx

Keine 5 Minuten später wussten wir, warum Gitta35 aka Chantale Miranda nichts anbrennen lassen wollte und gerne schnell mobil ist.

Und uns stellte sich die Frage:

Gibt es einen Passus für visuelle Körperverletzung durch per Mail zugestellte Bilder?

Nicht, dass wir etwas gegen Transvestiten oder Transsexuelle haben, jeder soll wirklich so leben können, wie er / sie es wünscht. Und die Meisten schaffen das auch, und sehen dabei wirklich nett aus. Aber ein übergewichtiges, total behaartes mopsiges Ding, dass mit Schrotflinte geschminkt in Strapse und 1€ – Perrücke in lasziver Position sich als “Frau fühlen will” und dabei seinen Schwengel wie eine Trophäe in der Hand hat …

Ehrlich, es gibt Grenzen, die definitiv nicht überschritten werden sollten!

Inzwischen meldete sich der Chat wieder:

Gitta35: Dachte mir doch, dass auch du kein Interesse hast 🙁
Gernot: Naja, eigentlich wollte ich mit w sprechen.
Gitta35: War klar 🙁
Gitta35: Arsch!
Gitta35: Asi!
Gernot: Wieso bin ich jetzt ein Asi? Mal abgesehen davon: Bremen/München ist schon eine ganze Ecke…
Gitta35: Ach hau doch ab.


Also fassen wir mal zusammen:

Die Frage, ob das Bild gefallen hat oder nicht, hat sich hier gar nicht gestellt. Ganz im Gegenteil wusste die Person schon von vornherein, dass dieses Bild nur innerhalb eines bestimmten Kreises von speziellen Liebhabern seinen Anklang finden würde. Und Gernot hat nun wirklich nicht nach dem Bild gefragt, er hat nur geantwortet. Und Gernot wollte von vornherein sowieso eigentlich nur mit einer netten Frau chatten. Und ist dafür jetzt ein Asi.

Aber immerhin: Gernot hat jemanden gefunden, der chatten mag. Nur nicht jemanden, mit dem Gernot gerne chatten wollte.

Was unsere 2. Chatidentität, die 22 jährige Julia aus Bungelheim bei Nordenhummel, erlebt hat, erzählen wir euch ein anderes mal,
im Protokoll des Grauens, Teil II

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Protokoll des Grauens Teil 1: Der Chatraum

Das größte Online Rollenspiel der Welt

Habt ihr euch schon mal darüber Gedanken gemacht, was wohl das absolut größte Rollenspiel der Welt ist? Schaut man bei Tante Google nach, wird man das schnell eingrenzen können:

And The Winner Is…

Angeblich: Eve Online

Sicherlich ist dem geneigten Leser jetzt das Wort “angeblich” aufgefallen, denn es gibt ein Spiel, das ist größer, vielschichtiger und älter als alle Online-Spiele, die jemals gestaltet wurden. Es wächst organisch vor sich hin und hat so viele Möglichkeiten, eine Welt, in der absolut alles möglich ist und es unbegrenzte Interaktionsmöglichkeiten gibt.

Man stelle sich nur vor …

Eine Onlinewelt, in der man absolut ALLES sein kann, und eigentlich gibt es keine Limits. Minimalste technische Vorraussetzungen und schon kann es los gehen:

Begeben Sie sich in den “Chatraum” !

Undendliche Weiten, unendliche Blödheit und an jeder Ecke lauert ein weiterer Mitspieler, sich Ihnen anzuvertrauen und eine halbwegs glaubwürdige Geschichte zu erzählen.

Sie wollten schon immer mal ein surrealistischer Maler sein – was auch immer das auch bedeutet? Oder gar ein Astronaut?

in “Chatraum” sind Sie es!

Oder wie wäre es, mal ein 21-jähriges Mäusschen zu sein, hübsch und begehrt?

“Chatraum” zeigt Ihnen, wie es geht.

Fantastisch, was dieses Onlinespiel kann – alles, aber auch alles kann und nichts muss. Und das ganze in großen Teilen Free-To-Pay … Verzeihung: Free-To-Play. Es gibt sicherlich ein paar schwarze Schafe unter den vielen tausend Anbietern, die von Ihrer wahren Identität so viel wie möglich wissen möchten, oder gar Premium-Sabber-Zugänge anbieten, um ein Feuerwerk an sinnlosen Kram erleben zu können.

Sie werden aber selbst in der kostenlosen Basisversion beeindruckt sein ob der unglaublichen Hirnakrobatik, mit der viele zu punkten versuchen, um ein Date klar zu machen.

Einer der vielen epischen Momente aus “der Chatraum”:

Ehekrise 3.0 – Die Online-Soap

Ach, welch eine unglaubliche Geschichte sich hinter trivialem Vordergrund verbarg:

Mann tarnt sich als 25-Jährige Freundin seiner Frau um dessen Liebhaber kennen zu lernen. Der vorerst zum Staffelende aufgefahrener Höhepunkt war eine öffentliche Verabredung mit Hendrik (28) aka “Freundin Janine (25)” und Ehefrau Martina (29) zusammen mit dem Nebenbuler Mark (24) – Wir dürfen uns auf eine vielschichtige Fortsetzung freuen mit überraschenden Wendungen:

  • Gibt es eine Aussöhnung zwischen Martina und Hendrik?
  • Wie wird Mark reagieren, wenn er herausfindet, dass der steile Zahn aus “Chatraum” in Wirklichkeit Hendrik ist?
  • Und was wird Martina tun, sollte Hendrik nach diesem ganzen Beziehungsstress tatsächlich beschließen, Janine zu werden, um mit Thorsten, Marks Kumpel, eine ehrliche Beziehung an zu fangen?

    Wir dürfen uns auf eine Geschichte wie aus dem Leben gegriffen freuen und warten gespannt auf die Auflösung in diesem Drama!

    “Der Chratraum” – Ein Spiel von allen, durch alle und für alle…

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Auf zu neuen Horizonten

E>s ist inzwischen mehr als ein Modewort, November 2014 hat das Gesundheitsamt zusammen mit den Krankenkassen eine große Umfage gestartet, weshalb in Hamburg so endlos viele Menschen – derzeitig ist es im Schnitt jeder 3. Arbeitnehmer – von einem Burnout betroffen sind bzw. akut gefährdete Kandidaten.

Weswegen man jetzt noch so eine Studie benötigt, erschließt sich uns ehrlich gesagt nicht ganz, denn die Faktenlage ist schon seit vielen Jahren bekannt:

– unnatürliche Schichtarbeit
– monotone Arbeit
– Lange Arbeitszeiten
– Repressalien durch Vorgesetzte
– knappe Abgabetermine
– Mobbing / Bossing
– Überwachungs- und Kontrollwahn
– Hochgeschwindigkeitskommunikation in Echtzeit
– Absolute Erreichbarkeit
– Gesellschaftlicher Druck
– Gehalts- Lohnniveau
– Vereinsamung am Arbeitsplatz

Wir behaupten jetzt mal einfach, dass man diese Liste ewig weiter vorantreiben könnte. Dass die firmeninternen Entscheidungsträger dann auf gesetzlichen Druck hin einen verwaisten “Ruheraum” einrichten müssen für 2000 Mitarbeiter und ggfs. neben einem Firmenfest ein paar Gutscheine für Sportvereine springen lassen, löst das grundsätzliche Problem überhaupt nicht, denn letztendlich handelt es sich um eine gut durchdachte PR-Kampagne.

Das Perverse an dieser Situation ist, dass jeder “Kranke” für die Gesundheitsindustrie zu einem sehr wertvollen Rohstoff wird, an dessen Nicht-Genesung jede Menge Geld verdient werden kann. Alles, Was zählt, sind Profit und die Quartalszahlen… krank oder nicht, solange man mit dem Schicksal eines Menschen nach feinster Monopoly-Tradition Geld verdienen kann, wird es auch getan.

Wir können Hellsehen:

Die Studie wird grob zu diesem Ergebnis kommen und feststellen, dass ein groß angelegtes Gesundheitskonzept erstellt werden müsse, um dem Mitarbeiter mehr Möglichkeiten ein zu räumen. Es muss etwas getan werden gegen Energy-Drinks, Alkohol und Medikamenten-Missbrauch, und Betroffene auf eine Art angesprochen werden, wie es nur kreative Köpfe mit viel Sinn für Unsinn können.

Nur:

Wo zum Geier findet man jetzt diese kreativen Köpfe und wer bezahlt es?


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