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Der Jäger

Komisch, wenn Du im Licht einer einzigen Laterne Dich umschaust in diesem Märchenwald, wie viele Schauergestalten Du sehen kannst. ich wundere mich nicht, warum die Dörfler gerade diesen Abschnitt als „Märchenwald“ ansehen und selbst die Holzfäller es meiden, hier dem Tagewerk nach zu gehen.

Naja, ich als Jäger kenne mich in diesen Wäldern aus, aber mir glaubt keiner, wenn ich sage: „Dieser ist alles, aber weder ein Zauberwald noch ein Märchenwald“ Eine solche Geschichte eignet sich nur, um Kindern Angst machen, damit sie nachts nicht mehr in den Wald gehen. Recht so! Dieser Wald ist bei Nacht gefährlich, wenn auch nicht durch Mythen und Zauberei. Und dennoch, immer wieder laufen bei Nacht Kinder in den Wald… . Wisst Ihr eigentlich, was mich immer wieder ärgert? Diese Dörfler verlassen sich zu sehr darauf, daß ich sie wiederfinde und zurück bringe. Wie auch in dieser Nacht. Sie suchen ein paar Stunden und dann verschwinden sie wieder in ihr Dorf und sagen sich, morgen ist auch noch ein Tag. Und wehe, man hört im Wald noch einen Wolf irgendwo heulen. Dann laufen sie wie aufgeschreckte Schafe um ihr Leben. Und ich bin es dann, welcher hier alleine durch den Wald läuft und das Kind zurück bringt, wohl wissend, daß niemand mir auch nur ein bisschen Anerkennung zollen wird.“ Ärgerlich machte sich der Jäger alleine auf die Suche nach dem Kind. Er liebte diesen Wald, besonders dieses Stückchen, wo die höchsten Bäume stehen. Sehr oft hatte er früher mit seiner Tochter hier den Sonnenaufgang abgewartet, wenn die ersten Strahlen sich durch die Nebel bohrten und sie in die höheren Zweige vertrieb. Und eines Morgens war sie einfach nicht mehr da. Weggelaufen, eines Nachts mitten in den Wald. Er hatte sie nie wieder gefunden, und er trug die alleinige Schuld, hat die Haustür nicht abgeschlossen! Die Dörfler ließen ihn im Stich. Haben sie eigentlich jemals ein Kind wiedergefunden, wenn es sich nachts im Wald verirrte? Er kann sich nicht daran erinnern.

Er erinnerte sich noch gut daran, als seine eigene Tochter vor so vielen Jahren im Wald verloren gegangen ist. „Wir können nicht mehr tun…“ haben sie gesagt und sind umgedreht. Sie ließen ihn alleine in diesem Wald. Und wann immer er auszieht auf Jagd, sucht er nach seiner Tochter. Die Dorfjugend machte sich inzwischen lustig über ihn, und manch seltsames Gerücht über finstere Rituale, nach denen er sein Kind – seine einzige Tochter – geopfert haben soll, um mehr Macht zu bekommen über die alten Waldgeister. Er hatte sich schon damit abgefunden, doch der Schmerz sitzt tief.

So wanderte er durch die mondlose Nacht. Immer dichter und finsterer wurde der Wald im Schein seiner kleinen Laterne. Vorbeihuschende Schatten, die ihn umgaben, umgarnten und locken wollten… . Er schloß die Augen. „Trugbilder!“ , sprach er laut zu sich selber, „So etwas gibt es nicht!“ Als Antwort auf diese Frechheit hörte er im Wind ein leises Seufzen und ein Flüstern, der ihm einen kalten Schauer den Rücken hinterlaufen lies. Schon oft war er in mondloser Nacht hier im Wald auf Pirsch, aber dieses mal ist es anders. Er hatte das Gefühl, gejagt zu werden, Opfer in einem abartigen Spiel, welches ihn zur Beute machte. Was wäre eine schönere Beute als ein Jäger, welche die Tricks und Kniffe seine Opfer kannte? Er verwarf diesen Gedanken schnell und fing an, ein altes Kinderlied zu pfeifen. Für kurze Zeit half es, aber er wagt es nicht, sich um zu drehen. Nebel kam auf und zog in Schwaden langsam durch den Wald. Im Schein der Laterne sah der Jäger unwirkliche Gestalten, welche mit Tentakeln nach ihm greifen wollten, doch jedes mal, wenn er seine kleine Lampe ihnen entgegen stellte, scheuten sie zurück und wagten sich niemals näher heran als bis zum Rand des schwachen Lichtkegels. Trotzig schob der Jäger seine Lampe vor und schrie in die finstere Nacht: „Was wollt ihr von mir! Ich habe niemals etwas unrechtes getan!“ Als Antwort bekam er das schwache Schluchzen eines Kindes, irgendwo gar nicht weit weg vor ihm. Entschieden und mit festem Schritt bahnte er sich den Weg durch das feuchte Unterholz und lief auf das Schluchzen zu. Noch ein paar Minuten und er wird nicht mehr alleine sein. Die Laterne hoch haltend betrat er eine Waldlichtung. Die Nebelgeister zuckten vor ihm scheu zurück. Weit entfernt sah der Jäger eine Gestalt mitten auf der Lichtung, ein kleines Mädchen, welches zusammengesunken an einem Stein lehnte.

„Hallo, …“, sagte der Jäger sanft, als er sich langsam näherte, „keine Angst, ich bin hier, um dir zu helfen.“ Das kleine Mädchen umarmte ihn und hielt sich schluchzend fest. „Ich habe angst…“ flüsterte es in sein Ohr. „Brauchst du nicht, ich bin jetzt da. Sag mir doch, wo kommst du her?“ „Ich weiß es nicht“, antwortete das kleine Mädchen, „ Ich war schon immer hier.“ Er nahm das kleine Mädchen auf den Arm und schritt mit ihr durch den Wald in Richtung des Dorfes. „Wir finden deine Eltern schon.“ beruhigte er sanft das Kind auf seinen Armen.

So liefen sie in einer mondlosen Nacht durch den Wald. Das kleine Mädchen in seinen Armen schaute ihn mit bleigrauen Augen an und fragte nach seinem Namen. Dem Jäger erschauerte es unter dem Blick des Kindes, irgendwie schienen diese Augen ihn zu durchbohren. „Ich bin Piet, „ log er. Irgendwie wollte er diesem Kind einfach nicht erzählen, wer er wirklich war. Das Mädchen kuschelte sich an ihn und ihre kalten Hände zogen ihm die Wärme aus den Gliedern. „Ich bin Marie,“ sprach sie schutzsuchend, „bleibst du bei mir?“

Es ist schon lange her, aber dieses Kind erinnerte ihn stark an seine eigene Tochter, selbst der Name war gleich. Ihm wurde unheimlich. „Wir finden schon deine Eltern,“ wich er ihrer Frage aus. Der Nebel und die Finsternis wurde langsam drückend und Feuchtigkeit legte sich auf seine Kleidung. Er begann immer mehr zu frieren. Selbst die Flamme seiner Laterne schien sich zu verdunkeln und nicht mehr so warm und einladend zu leuchten. Er wischte diesen Gedanken bei Seite. Die Augen und seine Fantasie spielten ihm einen bösen Streich, hier in diesem Wald ist nichts, was er fürchten müßte! Und dennoch, er kam sich sehr einsam vor, auch wenn er nicht alleine war. Die Kälte fraß sich seine Beine hinab in die Füße, lähmten ihn allmälich. Immer noch schaute ihn das kleine Mädchen an, wärend sie, so kam es ihm vor, immer weiter in die Dunkelheit liefen, anstatt den Morgen endgegen. „Was hällst du von einer kleinen Pause, Marie?“, fragte er, wärend er sie absetzte und sich ein paar Minuten Pause gönnte. „ist es noch weit, Piet?“, fragte Marie Er schaute sich um…

Wo war er eigentlich? Er hat doch jedes Stückchen Wald hier schon durchwandert in den letzten 20 Jahren, aber dieser Ort kam ihm völlig fremd vor. „Noch eine Stunde etwa.“, log er sie wieder an. Ihre bleigrauen, forchenden Augen machten ihn nervös, und er wich ihrem Blick aus, indem er sich seinem Rucksack zuwandte und etwas zu Essen heraus zog. „Hast du Hunger, Marie?“

Mit jeder Minute, die sie hier saßen, schien die Dunkelheit und der Nebel dichter heran zu kriechen und sie verschlingen zu wollen. Was den Jäger aber nun besonders störte, war diese unnatürliche Stille, es ist, als ob die Welt den Atem anhielt und beobachtete, was sich hier an dieser Stelle ergab. So etwas hatte er noch nie erlebt. Langsam wurde ihm zumindest wieder warm, und so packte er seine Sachen geräuschvoll und hieß Marie, daß es an der Zeit wäre weiter zu gehen.

„bringst du mich jetzt nach Hause?“, fragte Marie auf seinem Arm. „Ja, „, versprach er, „ich werde dich nach nach Hause bringen.“ Das kleine Mädchen schmiegte sich wieder an ihn und wärmte sich die eiskalten Hände.
Wie lange waren sie so unterwegs? Er wußte es nicht mehr. Irgendwann ist die Laterne aus gegangen und in der Finsternis und dem Nebel lief er festen Schrittes weiter, bis er nicht mehr wußte, wo er noch hin gehen sollte. So beschloss er, auf den Morgen zu warten, legte sich hin, und das Mädchen kuschelte sich in seine Arme. Frierend schloß er die Augen und versuchte, noch ein bisschen zu schlafen, bis die frühen Sonnenstrahlen ihn wecken sollten. Dann, so war er sich sicher, würde er genau wissen, wo er sich ist und den Weg nach Hause finden…

Am nächsten Morgen kam ein Holzfäller aus dem Wald und hieß einigen, mit zu kommen. Er hätte den Jäger gefunden. Er war tot. Und in seinen Armen hielt er noch immer zärtlich das Skelett eines kleinen Kindes, ein Mädchen.
Doch erschrocken waren alle über den Gesichtsausdruck. Sein Gesicht lächelte, als habe er gefunden, was auch immer er suchte. Doch seine hohlen Augen ließen eindeutig erkennen, daß seine Seele nicht freiwillig aus dem Körper gezogen wurde.
Und noch etwas war seltsam:

Dort, wo die Überreste des kleinen Kindes seinen Körper berührten, waren Erfrierungen zu sehen. Und trotz allem schien der Körper nicht wirklich tot zu sein. Der Jäger und das Kind wurden gemeinsam beerdigt, auf daß ihre Seelen gemeinsam einen Weg nach Hause finden. Niemand wagte es, diese beiden Körper zu trennen.

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Das Licht der Feen

“Die Welt war einst in Dunkelheit gehüllt. Am Tage herrschte der mächtige Tagstern, in der Nacht seine Schwester, die Mondin mit all ihrer Schönheit. In dieser Zeit, da die Sterne noch nicht am Firmament hell strahlten, lebte eine kleine Grille. Ihre Aufgabe war es, den Hahn zu wecken, damit er des Morgens laut den Tagstern begrüßen konnte. Dafür schenke die Mondin ihr eine kleine zirpende Geige. Die Grille war glücklich. Jeden Abend begrüßte sie mit ihrem Lied die Mondin, wenn sie sanft das Himmelszelt emporkletterte. Und jeden Morgen, wenn der Feuerball des mächtigen Tagsterns mit seinen flammenden Armen den Himmel feuerrot färbte, begrüßte sie ihn mit einem wunderschönen Lied. Die Grille liebte ihre Aufgabe, und sie spielte meisterhaft ihr kleines Instrument.

Eines Nachts schaute sie in das schwarze samtene Tuch, welches den Himmel umsponn, und fragte sich, warum der Himmel in der Nacht nicht auch so schön leuchtet wie am Tag. Nachdem die Grille sich einen ganzen Monat lang den Kopf darüber zerbrochen hatte, fragte sie schließlich die Mondin: “Bist du nicht traurig darüber, daß der Himmel nicht rot,blau, gelb, orange und in vielen Farben leuchten kann, wie er es bei deinem Bruder macht?”

“Nun,”, antwortete die Mondin in einem hellen uns sanften Ton, “das ist die besondere Magie meines Bruders. Dank ihm schillern auch die Regenbögen in den buntesten Farben, an deren Ende die Kobolde ihren Topf mit Gold verstecken. Ich gönne es ihm.” Die Grille schaute hinauf zur Mondin: “Dafür bist du geheimnisvoll und wunderschön. Aber du mußt auf deinem Weg durch das Himmelszelt sehr einsam sein, …” Die Mondin sprach da leise: “Die Herzen dieser Welt schauen zu mir auf, und bitten mich, ihnen Liebe zu schenken. Wie kann ich da einsam sein?”Darauf wußte die Grille auch keine Antwort.

So vergingen die Tage und Nächte. Die Grille sah, wie der Himmel sich purpur färbte, der Tagstern die Regenbögen zum Erstrahlen brachte und am Ende des Tages in einem feurigen Rot sich von der Welt verabschiedete. Und dann legte sich das samtene Tuch der Nacht über das Land und mit ihm kam die magische Stille, wenn die Mondin erschien. Das konnte doch nicht sein, daß die Mondin nur eine schlafende Welt um sich herum hat, das ist unfair! Sie, die Mondin, ist doch so endlos viel schöner, geheimnisvoll und schenkt allen Wesen auf der Erde die Liebe, und soll einsam am Himmelzelt wandern bis zum Ende aller Tage? NIEMALS!

An diesem Morgen weckte die Grille mit ihrem Lied den Hahn, wie sie es immer tat, und zusammen begrüßten sie den Tagstern, wie er rot am Himmel aufging. Doch an diesem Morgen war es anders. Mutig trat die Grille dem Tagstern entgegen und erzählte davon, wie einsam doch die Mondin am Firmament ist, auch wenn sie von jedem geliebt wird. Der Tagstern hörte aufmerksam zu und sprach in einer Stimme so schön wie die der Mondin: “Ich beschloss, den Himmel rot und blau zu färben, damit alle wissen, es ist mein Reich, meine taghelle Welt. Meine Schwester hat die dunkle Welt haben wollen, es war allein ihre Entscheidung. Ich habe nicht das Recht, über ihre Entscheidungen zu urteilen.”

Mit diesen Worten verstummte der Tagstern und ließ die Grille mit ihren kleinen Gedanken alleine. Was hatte die Mondin vor mit ihrem Reich? Diese schöne, nein, WUNDERSCHÖNE Mondin wolte doch bestimmt nicht alleine sein, und die Grille würde sie noch in dieser Nacht fragen. So beobachtete sie sehnsüchtig, wie der Tagstern über den Himmel wanderte, sich mit rötlichen und purpurnen Farben verabschiedete und die Taghelle Welt mit ihm ging. Der Himmel färbte sich purpur, wurde dunkelblau und aks er fast schwarz war, erschien die Mondin und schimmerte leuchtend über den kleinen Kopf der Grille. Da sprach die Grille: “Oh Mondin, du schönstes Wesen von allem, was es auf dieser Welt gibt, wie kann ich mich deinem Reich anschließen, auf daß es so schön wird wie du?” Die Mondin schaute hinab zu der kleinen Grille und sprach sanft: “Mir und meinem Reich zu dienen, ist eine große Aufgabe, die nur mit Liebe und Hingabe erfüllt werden kann bis zum Ende aller Tage.” Die Grille schaute hinauf und sprach: “Aber ich habe mich doch schon vor langer Zeit verliebt, und zwar in dich. Was kann es schöneres geben, als dir zu dienen? Es ist, so bin ich fest von überzeugt, meine Bestimmung.”

Die Mondin lächelte hinab, als sie jenes hörte, und leuchtete in einem sanften rötlichen und warmen Schimmer – magischer und geheimnisvoller als jemals zuvor. “Wenn es so sehr dein Wunsch ist, wie kann ich ihn ablehnen? Doch der Weg in mein Reich ist lang und voller Wunder.” An diesem morgen verschlief der Hahn, da keine Grille mit ihrer Geige ihn weckte. Erschrocken krähte er laut auf, und verneigte sich vom dem Tagstern: “Verzeiht mir, mein Herr, ich habe meine Aufgabe nicht erfüllt.” Voller Scham erwartete der Hahn seine schelte. Der Tagstern, schon hell am Himmel, sprach: “Hab keine Sorge, dein kleiner Freund, die Grille, ist auf den Weg, ihre Bestimmung zu finden. Dich trifft hier keine Schuld.”

Die kleine Grille schlief am Tage versteckt und wanderte mit der Mondin viele Nächte und unterhielt sich mit ihr, spielte ihr viele Lieder auf der kleinen Geige und tanzte dazu, so sehr freute sie sich, bei der Mondin zu sein. Schließlich erreichten sie einen alten, knorrigen Baum. “Hier ist es…”, flüsterte die Mondin geheimnisvoll, “der Eingang in mein Reich, ein Feenbaum.” Die Grille fragte neugierig: “Was ist ein Feenbaum? Er sieht so leer aus?” “Noch”, antwortete die Mondin lächelnd, “denn du wirst ihn mit Leben füllen. Und ich habe für dich, die Grille, die bermerkte, wie leer der Himmel ist, eine ganz besondere Aufgabe ausgesucht.” Der Grille wurde schwindelig, die Mondin persönlich hatte ihr eine Aufgabe ausgesucht, ein großes SChicksal? Einem so kleinen und unscheinbaren Wesen sollte es vergönnt sein, … “Was muß ich tun?” fragte die Grille voller Ehrfurcht. Die Mondin lachte, als sie sprach: “Ich habe ein Geschenk für dich, lege dich bei den Wurzeln dieses alten Baumes schlafen, und vertraue mir. Dir wird kein Leid geschehen.” Und so legte sich die Grille im Schatten des Baumes nieder und schlief voller Vertrauen ein.

Am nächsten Abend, kurz nach Einbruch der Nacht erwachte die Grille und fühlte sich irgendwie anders. Sie suchte sich einen kleinen See und schaute hinein und sah in das Gesicht einer Fee. Über ihr im Spiegel des Sees sah sie die Mondin leuchten, wie sie sanft auf ihr Kind hinab blickte. “Ja,”, sprach die Mondin auf den fragenden Blick der Grille, “das bist du, die erste aller Feen. Schau einmal zum Himmel…”

Und als die junge Fee zum Himmel erblickte, da sah sie eine Sternschnuppe über das samtene Schwarz glitzern, einer Träne gleich, so weit das Auge reichte zog sie ihre Bahn und deutete auf einen Stern. Es war weit im Norden der allererste Stern, der seit Gedenken am Himmel zu sehen ist. Seit diesem Tage heißt es, daß jedes mal, wenn ein neuer Stern am Himmel leuchtet, erblickte eine neue Fee das Licht dieser Welt. Und eine Sternschnuppe, so heißt es, ist eine freudenträne der Mondin, daß sie nie wieder alleine über das Himmelszelt wandern müßte.

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Wassergeister

Die Geschichte, von der ich Euch berichten möchte, ist die Legende eines alten  Segelschiffes, welches herrenlos auf dem Meer trieb…

Es wird berichtet, daß vor vielen 100 Jahren ein Schiff auslief, um eine neue Welt zu entdecken. Kurze Zeit später tauchte zwar das Schiff wieder auf, aber die Besatzung war nirgends zu finden. Wer dieses seltsame Schiff aber betrat, der hatte das Gefühl, nicht alleine zu sein. Irgendwie – ja – wie soll man das beschreiben, schien die Besatzung noch vor nicht einmal fünf Minuten hier geatmet und gelebt zu haben, wenn nicht sogar anwesend ist.

Dieses berichtete zumindest einer jener Matrosen, welche im Auftrag der Krone auf einem Bergungsschiff mit fuhr, das herrenlose Boot ein zu holen. Nach diesen Begebenheiten weigerte er sich vehement, noch ein einziges mal zur See zu fahren.

Was war geschehen?

Dieser Matrose war Schiffsschreiner und als solcher einer der verantwortlichen für die Reparaturarbeiten an Bord dieses Schiffes. Kurz nachdem der mitgereiste Kapitän mitsamt seiner Bergungsmannschaft überwechselte, schlug das Bergungsschiff Leck. Alle Versuche, das Leck zu finden und ab zu dichten, schlugen fehl und so beschloss man, daß das Bergungsschiff sich auf den Weg zum Heimathafen auf macht, bevor es sinken werde.

Eiligst schuf man die womöglich benötigten Materialien und Vorräte hinüber und dann lies man die Mannschaft auf dem Geisterschiff zurück.

In den ersten Stunden suchte man intensiv nach Überresten der einstigen Mannschaft und nach Hinweisen auf Krankheiten. Nichts dergleichen wurde gefunden. Doch im untersten Deck des Schiffes fand man eine kleine Luke, welche direkt zur Außenhaut des Schiffes führt, wo sich ein kleiner Hohlraum befand.

Und in diesem Hohlraum fanden sie etwas…

Es war ein kleiner Schrein, auf dem getrocknetes Blut war. In die Wände waren seltsame kryptische Symbole eingeritzt, und niemand der Matrosen konnte sie lesen oder verstand ihren Sinn. Nur seltsam war, daß der Raum aus sich selber heraus zu leuchten schien.

Was aber diesen Raum so unheimlich machte, war die Tatsache, daß nach Sonnenuntergang man in diesem Raum das Gefühl hatte, als ob das Schiff selber zu beobachten schien und wartete.

Die Reparaturen liefen zügig voran und schneller als geplant nahm das Schiff Kurs auf die Heimat. Jeder der Matrosen war erleichtert bei der Aussicht, endlich dieses Schiff verlassen zu können.

Am 4. Tag des Morgens fehlte schließlich einer der Matrosen. Zunächst nahm man an, er sei über Bord gefallen, aber die Nachtwachen auf Deck behaupteten, sie hätten derartiges bemerkt, und einer schwor, ihn gesehen zu haben, wie er nach unten stieg  durch die Luke.

Man fand ihn dort, doch sein Körper war nicht einfach tot gewesen. Er schien dort schon seit vielen Jahrzehnten zu liegen und war vollkommen ausgetrocknet. An der Wand stand eingeritzt ins Holz eine Warnung, das Schiff sofort zu verlassen.

Am folgenden Tag verschwand wieder jemand. Doch dieses mal hat ihn keiner gefunden. Man erinnerte sich daran, daß er noch am Morgen mit seltsam geweiteten Augen umherlief und sich von den anderen absonderte. Nun war er tot.

Das Schlimmste aber war, daß das Ruder brach und die Fahrt für die Aufwendige Reparatur unterbrochen werden mußte, zu weit von der Küste entfernt. Um Unruhen zu verhindern lies der Kapitän die Luke versiegeln und lies Wachen aufstellen.

Doch Zur Wachablösung waren die Wachen verschwunden….

Ein treibendes Schiff, eine verängstigte Besatzung und 3 Verschwundene Menschen sowie eine vertrocknete Leiche, welche schon 10 Jahre zwischen den Schiffsplanken lag, obwohl er mit den anderen zusammen an Bord wechselte, und dahinschwindendende Lebensmittel…

Und dann – es war der siebte Tag – verschwand der Kapitän. Als letztes sah man ihn in die Kapitänsunterkunft gehen. Nachdem man ihn nirgendwo fand, entfernten Freiwillige das Siegel von der Luke und stiegen hinab. Sie fanden die vertrocknete Leiche des Kapitäns dort unten, vor dem kleinen Altar gebeugt, mit Fesselwunden an den Handgelenken. Noch etwas lies den Freiwilligen in der Kammer das Blut in den Adern gefrieren. Die Symbole begangen stärker zu leuchten und zu pulsieren und die Matrosen glaubten, einen Flüsterkanon zu hören. Sie schienen zu flüstern: “Wir finden auch Dich”, und ein jeder fühlte sich persönlich angesprochen.

Nach der Seebestattung des Kapitäns übernahm der 1.Mart die Schiffsführung. Das Ruder wurde im Laufe des Tages repariert und endlich nahm das Schiff wieder Kurs auf in Richtung Westen, immer auf die Küste zu. Erstaunlich war, daß, je dichter man an die Küste heran kam, sich die Unfälle häuften. Seile rissen aus unerklärlichen Gründen, Haken und Ösen sprangen heraus, oder die Segel lösten sich. Schon lange glaubte man nicht mehr an Unfälle. Irgend etwas wollte verhindern, daß die Mannschaft ihr Schiff in den sicheren Hafen bringt.

Der Navigator der Mannschaft war der nächste, welcher das Schicksal der bis dato verstorbenen teilen mußte. in seiner kleinen Arbeitsstube löste sich ein Deckenbalken und zerschlug ihm den Schädel. Es stellte sich heraus, daß jemand den Balken zersägt hatte.

Von da an war klar, daß dieses Schiff einen von der Mannschaft voll in seinen Bann gezogen hatte und es nicht dulden würde, wenn der Rest zu fliehen versuchte. Die Manschaft belauerte sich gegenseitig, und auf Anweisung des Marts blieb jeder in jedermann Sichtweise und keiner läuft mehr alleine auf dem Schiff herum.

Der Schreiner schrieb in seinem Tagebuch  noch oft von diesem Augenblick, als alle hilflos standen und sich gegenseitig belauerten:


“Wir saßen und standen auf dem Deck des Schiffes und versuchten uns daran zu erinnern, daß wir Kameraden seien, Schicksalsgenossen, welche von einem Geisterschiff gefangen gehalten werden, doch die Angst vor einem Saboteur, welcher unsere Reparaturen vernichten will, ist nur noch mehr Öl in das Feuer des Mißtrauens, das und alle umgibt.

So achten wir verstohlen auf die Handgriffe unserer Genossen, und immer wieder brach Streit aus wegen Nichtigkeiten, die sonst niemand beachtet hätte. Sie können es sicherlich nicht verstehen, wie hilflos man sich fühlt, wenn man um sich herum nichts als Wasser hat und das einzige, das Sie vor dem Ertrinken bewahren kann, ist darauf aus, Sie um zu bringen…

Dieses Schiff war mit allem an Bord unnatürlich und niemand vermochte zu erklären, was nicht stimmt. Es ist immer dieses Gefühl, beobachtet zu werden. Und alle haben diesen blutigen Altar gesehen, auf dem des Kapitäns Leiche gefesselt lag, schon seit Jahrzehnten ausgetrocknet und tot. Die Fesselmale an seinen Handgelenken zeugen davon, daß er sich nicht freiwillig her gab. Aber wo war er gewesen? Und wo war Fred gewesen, der erste, dessen vertrocknete Leiche wir fanden? Auch er hatte  Fesselmale an den Handgelenken.

Wir alle sitzen nun hier und überlegen uns, was uns wohl noch widerfahren wird. Den Gesichtern nach sind viele entschlossen, lieber früher als nötig ins Wasser zu springen und an Land zu schwimmen, ungeachtet der Gefahr durch Haie hier an diesem verfluchten Ort. Selbst Elmsfeuer der folgenden Nacht erschienen uns wie die Boten noch größerem Unheils.

 

 Unser 1. Mart , Svenson , benimmt sich seit dem Morgen seltsam. Irgendetwas ist ihn gefahren. Wir haben ihn dabei erwischt, wie er Taue mit einem Messer kappte und die Segel damit von den Masten holen wollte. Als wir ihm in die Augen schauten, … wie soll man so etwas beschreiben? Die Augen glänzten matt und farblos, man hatte das Gefühl, in einen holen Schädel zu blicken. Er versuchte nicht einmal zu entkommen, ließ sich völlig weggetreten entwaffnen und einsperren. Jetzt waren wir nur noch 5 vom ganzen Tross. Alle anderen waren verschwunden und tauchten nach und nach als vertrocknete Leichen wieder auf dem Schiff auf. Was uns auffiel war, daß nicht alle diese Fesselmale an den Handgelenken hatten. Spät in dieser Nacht hörten wir ein lautes Krachen aus dem Rumpf des Schiffes und machten uns geschlossen auf den Weg. Die Tür, welche das Gefängnis für den ersten Mart verschloss, war aus der Ankerung gerissen worden und is gegen die andere Seite geschleudert worden. Der Mart war nicht mehr im Raum.

Wir fanden ihn tief im Rumpf des Schiffes vor jenem kleinen Altar, wo er gerade das Blut aus seinen Adern betend im Raum verteilte. Das schaurige aber war das monotone Flüstern eines Chorus, welcher sich aus dem Schiff heraus erhob und langsam anschwoll. Gleichzeitig fingen die seltsamen Zeichen an zu pulsieren.

 Oh ich hasse dieses Schiff.

 

 

Wir rannten zu fünft an Deck, die Panik saß uns im Nacken. Ich bin mir sicher, irgendetwas verfolgte mich den ganzen Weg hinauf. Als wir jedoch an Deck ankamen, erschraken wir über das sich uns dargebotene Bild… Das Schiff war in einer sternlosen Nach mitten in einer Nebelbank gelandet. Die Elmsfeuer kletterten Unheil verkündend die Taue vom Mast hinab und schienen sich auf uns zu bewegen zu wollen. Und unter uns rumorte es, als ob irgendetwas aufgewacht ist.

Wir haben etwas geweckt, was wir niemals hätten wecken dürfen und ein jeder von uns würde nun die Strafe für diesen Frevel erhalten.

Ich glaube, wir sollten verdammt werden, auf Ewig auf diesem Schiff zu verweilen, ohne jemals wieder frei zu kommen. Doch dazu mußten es uns erst hier an diesem Ort umbringen.

 

 

Die Nacht verlief schleppend, und wir wußten, wenn wir einschlafen und uns aus den Augen verlieren würde jemand von uns am morgigen Tage tot sein. So kämpften wir 2 Tage und Nächte gegen die Müdigkeit an, doch schließlich übermannte es uns und wir schliefen ein.

 

 

Sieben Stunden? Vielleicht auch acht Stunden mögen es gewesen sein. Aber als ich aufwachte, war das Licht nur noch ein einheitliches und diffuses Dämmerlicht. Aber das Schiff hat sich verändert. Irgendwie, ja, es hat den Anschein, als ob vor nicht ganz fünf Minuten eine ganze Besatzung das Schiff Hals über Kopf verlassen hatte. Man konnte fast noch den Geruch aus der Kombüse wahrnehmen. Ich bekam es mit der Angst zu tun. Waren jetzt die anderen nicht mehr da, oder bin ich verschwunden und saß mit hohlen Augen an Deck dieses verfluchten Schiffes? Mich überkam das nackte Grausen.

Kopflos sprang ich über Bord in die kalten Fluten. Als die Wellen über mir zusammenschlugen, dachte ich, dies sei gewesen, was man von mir verlangt hat. Doch nun war es zu spät, ich lies mich von den Wellen treiben und erreichte schließlich eine Brandung an einem unbekannten Ort.

 

 

Als die Sonne über den Horizont stieg, erwachte ich. Ich viel auf die Knie und begann, aus Dankbarkeit zu beten. Eines weiß ich genau, ich werde niemals wieder zur See fahren.

 Doch eines weiß ich bis heute nicht… Bin ich nun Gefangener eines Traumes oder bin ich real hier? Ich versuche, mein Leben zu leben, aber die schreckliche Angst, eines Morgens auf diesem Schiff auf zu wachen, bleibt bestehen und ich werde es wohl nie erfahren so lange ich lebe.”


Dieser Schreiner verfiel dem Irrsinn nach einigen Jahren und begann zuguterletzt Selbstmord, laut schreiend sprang er von der Klippe, ES möge ihn endlich los lassen und er in Frieden schlafen auf Ewig. Wünschen wir ihm alles Gute auf seiner Reise in eine andere Welt, und dass er nie wieder dieses Schiff betreten muß….

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Herzen im Schatten der Nacht

Es war dunkel. Naja, eigentlich nicht ganz, denn die Mondin schien durch das Fenster, durch das ich hinaus blickte. Vergangenheit, zukunft, alles vermag die Mondin zu erzählen, wärend sie hell ihre Bahn über das Firmament des Himmels ihrem Weg folgt.
Doch heute war es anders. Ich schaute hinauf in die Schwärze des Firmaments und dachte mir noch, es sei eine wunderschöne Nacht, als ich die Mondin flüstern hörte:
“Warum ist dein Herz so endlos traurig? Warum weint es so?”
Erst dachte ich, ich hätte mich getäuscht, aber dann fragte die Mondin noch ein weiteres mal.
Die Mondin, hoch oben am Himmel, mal blass, mal weiß am Himmel, mal in warmen Farben getaucht, sollte mein kleines Herz gehört haben, wie es vor Trauer wein? Meine Gedanken überschlugen sich.
“Ja”, sprach die Mondin, “Ich habe dich wirklich gesehen. Was macht dich so traurig?”

Ich klagte in diesen einsamen Minuten mein ganzes Leid, was auch immer mein Herz zum Weinen bringt.
Und die Mondin hörte zu.
Dann war Stille.
Einsamkeit.
Undendliche Leere.
Und dann geschah es…
Die Mondin sprach sanft und voller Zuversicht: “Lass mich dir eine Geschichte erzählen…”
Und die Mondin begann zu erzählen:

Einst teilten sich die Tiere dieser Erde den Boden gemeinsam. Von dem großen Bären bis hin zur kleinsten Maus lebten sie alle zusammen und waren glücklich. Nur ein Tier war sehr unglücklich: Eine kleine Maus. Was war bei dieser Maus anders? Nun, sie schaute den Vögeln zu, wie sie von dem mächtigen Tagstern, der Sonne, das Fliegen lernten. Und sie war voller Neid. Aber es war nicht dieser Neid, als wenn eine andere Maus mehr Futter besaß, nein, es war der Neid der Sehnsucht. Zu fühlen, wie der Wind fröhlich an ihr vorbei streicht, wenn sie durch die Luft tanzt. sie schaute dem Tagstern zu, wie er den Vögeln das Fliegen lehrte und übte des Nachts heimlich, was sie am Tag zuvor sah. Selbst die Sterne schauten weg, als sie die Maus vom Hang purzeln sah. Einzig die Mondin schaute zu, und war traurig darüber, zu sehen, wie die kleine Maus ihren Traum nicht aufgab. Schließlich lernten die Vögel das Fliegen und verließen die Erde, um in der Höhe ihre Nester zu bauen. Sie lehrten den Kindern, was er, der mächtige Tagstern, ihnen beigebracht hatte und waren von Stund an die Wesen des Windes und der Luft. Die Maus blieb auf der Erde einsam und verlassen zurück. Doch tief in ihrem Herzen gab sie niemals auf. Sie übte und übte, aber es wollte nicht gelingen. Schließlich tat es der Mondin so weh, dass sie das Verbot, mit den Tieren zu sprechen, ignorierte. Sie war schließlich neben dem großen Stern des Nordens das mächtigste Wesen der Nacht am Firmament. Und so entschied sie, zu der Maus zu sprechen: “Was trübt so sehr dein Herz, kleine Maus?”

Die Maus schaute sich ganz erschrocken um:”Wer spricht da?” Die Mondin began in warmen rötlich-gelben Farben zu lächeln:”Ich war das, schau nur mutig in den Himmel, kleine Maus.” Die Maus schaute schüchtern hinauf zur großen Mondin, wie sie hell und schön am Himmel leuchtete und sprach: “Es ist nicht erlaubt, daß ich mit die, oh mächtige Mondin, spreche.” Die Mondin lächelte sanft, als sie antwortete: “Nun, deshalb spreche ich auch mit dir. Die Sterne hören weg, und der mächtige Tagstern, mein Bruder, die Sonne, schläft. Wer also soll es verraten?” Die Maus schaute schüchtern hinauf: “Ich bestimmt nicht!”

“Na siehst du”, sprach die Mondin voller Zuversicht, “und ich habe doch dich angesprochen, also was soll dir schon passieren?” Die Maus überlegte. Ja, was sollte der mächtigen Mondin schon passieren, außer schwach an manchen Tagen neben ihrem Bruder am Himmel zu leuchten? Ihr gehörte der Nacht. Und so klagte sie das Leid ihres Herzens, dass sie wie die Vögel am Himmel den Tag begrüßen möchte. Da sprach die Mondin: “Nun, diesen Wunsch kann ich dir nicht erfüllen. Meinem Bruder gehört der taghelle Himmel. Mir aber gehört die Nacht. Und was ich in dieser Zeit mache, das entscheide ich allein. Selbst der Stern des Nordens darf darüber nicht entscheiden.” Die Maus schaute hinauf zur Mondin. Sie verstand nicht. Die Mondin lächelte ihr zu, und sprach auf einer Weise, dass es die kleine Maus verstand: “Die Nacht gehört mir ganz alleine. Ich bestimme, wer meine Luft durchkreuzen darf. Die Vögel sind es nicht. Ich habe beschlossen, dass du es sein wirst.” Die Maus stellte ihre Ohren auf. Da sie nicht glaubte, richtig gehört zu haben, fragte sie halb neugierig, halb voller Vorfreude und Angst schüchtern: “Ich, oh mächtige Mondin? Warum ausgerechnet ich?”

Die Mondin antwortete: “Nun, mein Bruder, die Sonne, nahm die schönsten Wesen der Erde, um ihnen das Fliegen zu lehren. Die Vögel waren voller Freude, die Entscheidung gehört zu haben und steckten ihre Schnäbel in die Höhe. Ich aber sehe den tiefen Wunsch in deinem Herzen, die Sehnsucht, eine neue Welt zu erobern. Warum sollst du, kleine Maus, nicht das Fliegen lernen? Es ist ein Geschenk, dass ich deinem Herzen mache, denn es gab bei allen Schmerzen niemals das Träumen auf. Und glaube mir, ich habe gesehen, wie die anderen Mäuse über den Traum gelacht haben.”
Die Maus war außer sich vor Freude: “Wann lerne ich fliegen? Bitte, ich möchte es so sehr…” Die Mondin lachte auch eine Weise, wie nur sie es Verstand: “Geduld, kleine Maus, denn alles hat seinen Preis. Willst du nicht vorher wissen, was du dafür bezahlen musst?” Die Maus schaute in den nächtlichen Himmel zur Mondin empor: “Was gibt es denn, dass es sich nicht lohnt, für den Traum eines Herzens zu bezahlen? Wenn das Herz nur fünf Minuten in ihrem Leben voller Freude tanzen kann, ist es das nicht wert? Ich würde alles bezahlen, selbst mein Leben würde ich geben für einen Augenblick, am Himmel tanzen zu können wie die Vögel, zu spüren, wie die Luft an mir vorbei streicht!”

Die Mondin schaute zu der Maus sanft hinab: “Nun, dein Leben ist es nicht, dass ich verlange. Aber ich sagte dir, mir gehört nur die Nacht. Mehr kann ich dir nicht bieten, als unter mir im Wind zu tanzen. Und das ist der Preis. Wenn du dich für mich entscheidest, sagst du meinem Bruder, dem Tagstern, der Sonne, ein Lebewohl. Er wird dir nicht böse sein, dessen sei dir sicher. Aber du kannst nur auf einer der beiden Seiten stehen, so will es das Gesetz der Sterne. Entscheide dich also nicht zu schnell, denn alles hat seine Konsequenzen.” Mit diesen Worten verstummte die Mondin. So schaute die Maus zu, wie die Mondin und die Sterne verblassten. Langsam färbte sich das tintige Schwarz des Himmels in ein dunkles blau, und im Norden erschien ein blasser, rötlicher Schimmer. Dieser rötliche Schimmer begann zu brennen und die Sonne, der mächtige Tagstern, erhob sich leuchtend rot über den Horizont. Der Himmel schien in dem Augenblick zu brennen, als die warmen strahlen die Erde berührten und den Tieren ihre erste wärme schenkten. Die Vögel erwachten und begangen, ihre Lieder zu singen. Die Füchse schlichen in der Röte des Morgens umher, Dachse schlichen unter die Erde, um zu schlafen, und das Leben fing von Vorne an.
Nur nicht für die Maus. Sie sah zum Himmel hinauf, und irgendetwas wusste tief in ihr, es war das letzte Mal, dass sie die Sonne über den Horizont hat steigen sehen. Und sie spürte den Blick der Sonne, wie sie das Letzte mal auf die Maus hinab blickte. Da hörte sie die Sonne mit dunkler Stimme sprechen: “du möchtest also mich verlassen?” Die Maus zuckte zusammen: “Nein, also, ich weiß auch nicht, ich möchte nur das Fliegen lernen, …”

Der mächtige Tagstern lächelte, als er sprach: “Das ist nur den Vögeln gestattet zu der Zeit, da der Himmel mir gehört. Es wurde entschieden, und selbst ich kann dieses nicht widerrufen. Aber meine Schwester hat mir von dir erzählt, kleine Maus, und ich beschließe, es ist deine Entscheidung. Niemand wird dir böse sein, wenn du deinem Herzen folgst. Aber wähle gut! Denn du wirst mit deiner Wahl leben müssen.” mit diesen Worten zog der Tagstern seine stille Bahn am Firmament.

Die Maus sah dem Tagstern zu, wie er über das Firmament zog, und ihm die Vögel folgten, singend, im Wind tanzend, und sie war traurig. Sie verstand jetzt, dass sie entweder ihrem Herzen folgen müsste, oder aber dem Tagstern und ihrer Bestimmung. Beides war nicht möglich. Sie beobachtete den Tagstern, wie er langsam und gemächlich in der rötlichen Glut des Feuers den Boden berührte in der unfassbaren Ferne, und eine einsame Träne viel auf den Boden. Es war der letzte Tag ihres Lebens, aber sie wusste, dass sie ihrem Herzen folgen muss.

Als der Tagstern sich mit einem letzten roten Abendgruß verabschiedete und er Mondin Reich verließ, wusste die Maus, was zu geschehen hatte. Sie wandte sich voller Stolz der Mondin zu und sprach: “Ich werde meinem Herzen und dem Weg der Mondin folgen, bis zum Ende aller Tage!” Die Mondin lächelte und antwortete, “So sei es.”, und eine einsame Träne der Mondin viel in den Kelch einer Mondblume. Sie sprach abermals: “Trinke den Kelch der Mondblume leer, und lege dich schlafen. Ich werde dich wecken, sobald mein Reich über der Erde herrscht.” Die Maus nahm die geheimnisvoll silbrig glänzende Träne auf, und trank sie voller Freude in einem Zug. Kaum hatte sie die Träne der Mondin getrunken, überkam sie eine seltsame Müdigkeit. Ihre Glieder wurden schwer und sie legte sich im Schatten einer kleinen Höhle schlafen. Des Tagsterns letzter rötlicher Gruß war am Himmel zu sehen, und sie glaubte zu hören, wie er rief: “Du bist deinem Herzen gefolgt, viel Glück auf deinem Weg…” , als die Mondin hell und klar am Firmament erschien.

“Und?”, sprach sie sanft, “Hast du etwas bemerkt?” Die Maus schaute an sich hinab, und bemerkte ihre neuen Flügel. Sie schaute zuerst verwundert, und flatterte voller erstaunen umher. Die Mondin sprach zuversichtlich: “Du weißt, wie es geht, denn das ist mein Geschenk an dich! Nur zu…”

Und mit vor Freude tanzendem Herzen erhob sich erste Fledermaus der Nacht über den Boden, um ihrem Herzen zu folgen, und nicht der Bestimmung eines Lebens.”

Die Mondin lächelte mir sanft zu, und mir wurde warm um das Herz. Irgendwie wusste ich, dass sie Recht hat. Ich würde fliegen lernen… und meinem Herzen folgen, wo immer es mich auch hin führt. Ich muss lediglich den Mut finden, mich für mein Herz zu entscheiden.

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